Titel Enkeltrick
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Betrugsopfer Senioren

Vorsicht vor dem falschen Enkel

Beim „Enkeltrick“ können Betrüger gutgläubige Senioren leicht um Zehntausende Euro prellen. So schützen Sie sich.

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ario Malnar, Mitarbeiter der Berliner Sparkasse in einer Spandauer Filiale, wird stutzig. Vor ihm steht eine ältere Kundin und möchte 9.000 Euro von ihrem Konto abheben. Das Geld sei für ihren Sohn, der damit am Wochenende einen Notar bezahlen wolle, sagt die Kundin.

„Ich bin sofort hellhörig geworden, denn mein Bauchgefühl sagte mir, da stimmt etwas nicht“, berichtet der junge Mitarbeiter später. Sein Bauchgefühl hatte recht: Die Dame war dem so genannten Enkeltrick zum Opfer gefallen. Mario Malnar und seine Kollegin nahmen die ältere Dame im Anschluss zur Seite und verständigten deren Sohn. Dessen Überraschung war groß – denn er benötigte keinerlei Geld von seiner Mutter. Nach Verständigung der Polizei konnten die Täter bei der fingierten Geldübergabe festgenommen werden.

Besonders perfide Betrugsmasche

Der Enkeltrick ist eine besonders perfide Variante von Betrugsdelikten: Täter nutzen es aus, dass Senioren von ihren Kindern weit entfernt getrennt leben und sich nach ihnen sehnen.

„Hallo Oma, rate mal, wer hier spricht”, sagt da zum Beispiel die freundliche Stimme am Telefon. Die ältere Dame überlegt und fragt schließlich erfreut: „Peter, bist du das?“ Und aus lauter Freude über den unerwarteten Anruf ist sie auch allzu schnell bereit, dem vermeintlichen Sohn ihrer ältesten Tochter finanziell unter die Arme zu greifen, als der ihr vom Wunsch nach einem eigenen Auto erzählt.

Zu spät merkt die Seniorin, dass der Mann gar nicht „ihr Peter“ war. 10.000 Euro hat sie der netten jungen Frau übergeben, die zwei Stunden nach dem Telefonat vor ihrer Haustür stand – weil „Peter“ wegen seines verstauchten Fußes nicht selbst vorbeikommen konnte und deshalb seine „neue Freundin“ schickte. So oder ähnlich läuft er meist ab, der Enkeltrick.

Versuchte Enkeltricks: 778 Taten – Erfolgreich: 92 – Durchschnittliche Schadenssumme: 21.300 Euro Kriminalstatistik Polizei Berlin für 2015

Zwei Trends zeichnen sich dabei laut Kriminalstatistik Berlin ab: Zwar stellt die Polizei Berlin seit Jahren erfreulicher Weise weniger Taten fest (2014: 1.015 Taten, 2015: nur noch 778 Taten) und berichtet von einem „kontinuierlichen Rückgang“ – doch die Schadenssummen haben sich pro Fall erhöht. 92 Mal konnten Täter unbedarfte Senioren erfolgreich um ihr Geld bringen: im Schnitt erhöhte sich die Schadenssumme auf durchschnittlich 21.300 Euro. Das ist ein Drittel mehr als zu den Vorjahren (im Schnitt 14.000 Euro in den Vorjahren).

Vielfach geht es um das gesamte Ersparte der betagten Opfer, nicht selten sogar um für die Beerdigung zurückgelegtes Geld, um Kindern und Enkeln bloß nicht finanziell zur Last zu fallen. Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher liegen, schätzen Kriminalexperten des Berliner Landeskriminalamtes. Oftmals zeigen Senioren aus Scham darüber, dass sie übers Ohr gehauen wurden, die Taten nicht an.

Engeltrick Alte Frau Telefon
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Nicht nur einfach gestrickte Menschen kann es treffen

Dabei sind es nicht nur einfach gestrickte Menschen, die auf die Trickbetrüger hereinfallen, räumt die Polizei mit einem weit verbreiteten Irrglauben auf. Da ist die Buchhalterin, die von einem vermeintlichen Verwandten gleich um 35.000 Euro ,erleichtert‘ wurde, den Verbrechern ebenso auf den Leim gegangen wie ein Mathematikprofessor. Die Opfer gehören einfach zu einer Generation, in der Hilfsbereitschaft noch großgeschrieben wird – und genau das wird ihnen oft zum Verhängnis.

Deshalb rät die Polizei dazu, sich nicht mit vollem Namen ins Telefonbuch eintragen zu lassen. Wer da als Martha oder Luise verzeichnet ist, lebt vermutlich ohne Ehemann – alleine. Verrät die Adresse dann noch, dass es sich um eine gut betuchte Gegend handelt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, ins Visier von Trickbetrügern zu geraten.

Diese sind meist in Banden organisiert, erklärt Kriminaloberkommissar Jens Hartwich. Teilweise seien ganze Callcenter damit beschäftigt, alleinstehende Senioren durch permanente Anrufe unter Druck zu setzen, dem mutmaßlichen Enkel doch eine möglichst große, dringend benötigte Summe zu überweisen.

Die Hintermänner agieren vielfach vom Ausland aus. Für die Telefonate werden Deutsche angeheuert. Nur selten kann die Polizei daher die tatsächlichen Drahtzieher verhaften. Zuerst gehen den Ermittlern die Abholer des Geldes ins Netz.

Die Beamten setzten vor allem auf Prävention

Für die Berliner Polizei ist das ein Grund mehr, verstärkt auf Prävention zu setzen: allen voran mit der Broschüre „Der goldene Hebst – Sicherheitstipps für Senioren.“ Diese finden Interessierte im Internet auf www.polizei-beratung.de.

Sieben Tipps der Polizei:

  1. Seien Sie misstrauisch, wenn sich jemand am Telefon nicht selbst mit Namen vorstellt.
  2. Legen Sie einfach den Telefonhörer auf, sobald Ihr Gesprächspartner Geld von Ihnen fordert.
  3. Vergewissern Sie sich, ob der Anrufer wirklich ein Verwandter ist: Rufen Sie die jeweilige Person unter der bisher bekannten und benutzten Nummer an und lassen Sie sich den Sachverhalt bestätigen.
  4. Geben Sie keine Details zu Ihren familiären oder finanziellen Verhältnissen preis.
  5. Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen.
  6. Informieren Sie sofort die Polizei über die 110, wenn Ihnen ein Anruf verdächtig vorkommt.
  7. Wenn Sie Opfer geworden sind: Wenden Sie sich an die Polizei und erstatten Sie Anzeige.

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