Titel Einbruch
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Experten-Interview

Einbruchschutz

Die dunklen Herbstmonate bis zum Jahresende sind bei Einbrechern besonders beliebt. Wie Sie sich gegen ungebetene Gäste am besten schützen, verrät Jens Fritsch, Experte für Einbruchsprävention am Berliner Landeskriminalamt.

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Laut aktueller Statistik werden in Berlin über 40 Prozent der Einbrüche noch während des Versuchs abgebrochen. Liegt das auch daran, dass immer mehr Wohnungen und Häuser inzwischen gut gesichert sind?
Jens Fritsch: Eine einbruchhemmende Gestaltung der Fenster und Türen hilft durchaus, dass der Einbrecher aufgibt. Oftmals macht ein kleines Zusatzschloss den entscheidenden Unterschied zwischen versuchter und tatsächlich vollendeter Tat aus. Man muss es dem Einbrecher so schwer wie möglich machen. Neben der Technik kommen auch noch das eigene Verhalten und die Nachbarschaftshilfe ins Spiel.

Wann wird eingebrochen?
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Die Fallzahlen stagnieren derzeit auf sehr hohem Niveau. Wie kommt es, dass von Oktober bis Dezember absolute Hochsaison für Einbrecher ist?

Jens Fritsch
Jens Fritsch: “Es bringt wenig, einen teuren Profilzylinder zu kaufen, wenn die Tür mit einem kleinen Tritt eingetreten werden kann.” Bild: Felix Müller

Täter brechen sehr gerne in der dunklen Jahreszeit in Einfamilienhäuser ein. Dann können sie schon am frühen Abend leicht feststellen, dass ohne Licht vermutlich niemand zu Hause ist. Daher empfehlen wir, Anwesenheit vorzutäuschen – durch Lampen, die mit Zeitschaltuhren geschaltet werden. Die Dunkelheit hat für den Einbrecher auch den Vorteil, dass er selbst nicht so leicht gesehen wird. Hinzu kommt, dass sich in der dunklen Jahreszeit die Bewohner von Einfamilienhausgegenden nicht so häufig im Freien aufhalten. Dadurch verringert sich das Entdeckungsrisiko der Einbrecher nochmals.

Einfache Tricks, die Einbrecher abschrecken

• Wenn Sie Ihr Haus verlassen – auch nur für kurze Zeit – schließen Sie unbedingt Ihre Haustür (zweimal) ab!

• Verschließen Sie immer Fenster, Balkon- und Terrassentüren. Denken Sie daran: Gekippte Fenster sind offene Fenster!

• Verstecken Sie Ihren Schlüssel niemals draußen. Einbrecher finden jedes Versteck!

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Titel Zahlen
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Die meisten Berliner leben in Etagenwohnungen. Was kann man allgemein zur Sicherung einer Wohnung sagen?
Liegt die Wohnung im Parterre oder ganz oben und ist dort leicht vom Dach aus über Terrassen oder Balkone erreichbar, so bieten sich dem Einbrecher mehrere Möglichkeiten des Eindringens. Er könnte nun ja auch die Fenster oder Balkontüren angreifen. Für alle anderen Wohnungen in Mehrfamilienhäusern gilt: Der Einbrecher kann nur durch die Wohnungseingangstür kommen. Und die kann man sichern. Wichtig ist aber: Bevor Sie Arbeiten an der Tür – oder auch an den Fenstern – durchführen lassen, müssen Sie die entsprechende Erlaubnis des Eigentümers, des Vermieters oder der Hausverwaltung einholen.

Was ist Ihr wichtigster Tipp für Wohnungstüren?
Bei jeder Tür kommt es auf das Zusammenspiel der einzelnen Elemente an, also Türblatt, Zarge, Scharniere, Schlösser, Profilzylinder, Schutzbeschläge oder Schließbleche. Es bringt wenig, nur einen teuren Profilzylinder zu kaufen, wenn anschließend ein Einbrecher die Tür mit einem kleinen Tritt gegen ein schwaches Türblatt eintreten kann. Wir betrachten stets die Tür in ihrer Gesamtheit und bewerten alle Aspekte. Häufig reicht ein Zusatzschloss aus, um die Sicherheit deutlich zu erhöhen. Ob dieses jedoch für die jeweilige Tür grundsätzlich geeignet ist, können Ihnen die Beratungsstelle Einbruchschutz oder seriöse Fachunternehmen sagen.

Wo wird eingebrochen?
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Auch Ein- und Zweifamilienhäuser sind in der dunklen Jahreszeit besonders gefährdet. Was sind allgemeine Tipps zur Abschreckung von Einbrechern?
Neben dem notwendigen mechanischen Schutz als Basis käme noch eine Aufrüstung mit einer Alarmanlage in Betracht. Auch kann man eine durch Bewegungsmelder ausgelöste Alarmbeleuchtung installieren. Wichtig ist aber auch eine funktionierende Nachbarschaft, das gegenseitige Aufpassen und Helfen. Und nicht zu vergessen: das eigene Verhalten. Schließen Sie immer die Türen ab, lassen Sie leicht erreichbare Fenster nicht gekippt, wenn sie das Haus verlassen. Machen Sie dem Einbrecher das Hochklettern nicht so einfach, sichern sie also Leitern gegen unbefugten Gebrauch. Die Einzäunung und die Bepflanzung ist für die Sicherheit ebenfalls relevant. Wenn das Grundstück von einer meterhohen Hecke umgeben ist und viele Sichtschutzelemente vorhanden sind, schützen sie auch Einbrecher vor den Blicken der Nachbarn.

Einbrüche in Wohnungen

In Einfamilienhäusern kommen Täter meist über Terrassentür oder Fenster ins Haus. Wie lassen sich diese besser sichern?
Terrassentüren und Fenster lassen sich im Grunde immer einbruchhemmend nachrüsten. Hierzu haben Sie mehrere Möglichkeiten: Sie können mit aufgesetzter Technik arbeiten, also von innen Zusatzschlösser anbringen lassen. Oder Sie entscheiden sich für die verdeckte, im geschlossenen Zustand nicht sichtbare Technik, indem Sie die einbruchhemmenden Pilzkopfbeschläge mit den entsprechenden Gegenstücken und einem abschließbaren Fenstergriff mit einem hohen Verdreh- und Abreißwiderstand montieren lassen. Beide Varianten sind gleich gut und unterscheiden sich preislich auch nicht gravierend voneinander. Fenster kann man alternativ auch durch Teleskopstangen oder Gitter schützen.

Worauf sollte man bei Neubau oder Modernisierung bei einem Fenster achten?
Sie können gleich einbruchhemmende Fenster und Türen einbauen lassen. Diese wurden in einem unabhängigen Institut hinsichtlich der Einbruchhemmung geprüft und in insgesamt sechs Widerstandsklassen eingeteilt. Wir empfehlen für Häuser und Wohnungen den Schutz gemäß RC 2 oder auch RC 3 – dazu mehr im Merkblatt auf unserer Website.

Einbruchschutz: finanziert mit Zuschüssen der KfW

Seit letztem Jahr existiert eine neue verbesserte Förderung für einbruchhemmende Maßnahmen: Wenn Sie Ihre Wohnung oder Ihr Haus gegen Einbruch sichern möchten, können Sie Zuschüsse bis maximal 1.500 Euro beantragen. Gefördert werden beispielsweise der Einbau von einbruchhemmenden Fenstern und Türen oder entsprechende Nachrüstungen sowie der Einbau von Alarmanlagen. Der Antrag muss aber auf jeden Fall vor den Baumaßnahmen eingereicht werden.

In unserem Artikel ‘Die Immobilie fit für die Zukunft machen’ geben wir eine Übersicht zu KfW-Förderprogrammen für Energie- und Barrierereduzierung, die sich mit Einbruchschutz kombinieren lassen.

Was halten Sie von Alarmanlagen und Kameratechnik?
Eine Alarmanlage alleine ist kein Allheilmittel. Am wichtigsten ist der mechanische Schutz der Fenster und Türen. Ist der gegeben, kann man mit einer Alarmanlage die Sicherheit noch weiter erhöhen. Diese sollte auf ein Wachunternehmen aufgeschaltet werden. Sogenannte Smart-Home-Anlagen sind in der Praxis nur bedingt empfehlenswert. Bei Kameras spielen verschiedene Aspekte eine Rolle, wie der Datenschutz oder komplizierte technische Fragestellungen, wie Lichtempfindlichkeit, Aufzeichnungsmöglichkeiten, Aufnahmewinkel oder Montagehöhe. Aber auch bei Kameras gilt wie bei Alarmanlagen: Vorrang hat der mechanische Schutz.

Wie sollte man sich als Bewohner oder Nachbar verhalten, wenn man beispielsweise das Klirren einer Glasscheibe hört?
Sollten Sie feststellen, dass gerade ein Einbrecher bei der Arbeit ist, rufen Sie sofort die kostenfreie Notrufnummer 110. Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.

Einbrüche in Einfamilienhäuser

Soll man eine verdächtige Person auch selbst ansprechen?
Fallen Ihnen fremde Personen auf der Straße oder in Ihrem Mehrfamilienhaus im Flur oder Treppenhaus auf, die sich verdächtig verhalten, ohne dass diese gerade einen Einbruch verüben, dann können Sie diese gerne ansprechen und fragen, ob sie etwas oder jemanden suchen und ob Sie ihnen helfen können. Dies wird den potenziellen Einbrecher verunsichern, vermutlich wird er sich dann entfernen. Sprechen Sie aber den Einbrecher beim Einbruch nicht an, rufen Sie sofort die Polizei an. Versuchen Sie auch nicht, den Einbrecher bei der Flucht aufzuhalten. Bleiben Sie auf Distanz. Spielen Sie nicht den Helden.

Sie beraten auch Bauherren und Wohnungseigentümer bei Neuplanung und Nachrüstung. Wie läuft so ein Termin ab?
Wir bieten eine kostenfreie Bauherrenberatung an. Dort unterstützen wir bei Neubau oder Modernisierung, um eine Immobilie zu planen, bei der es ein Einbrecher sehr schwer haben wird. In unserer Beratungsstelle finden ohne Terminvereinbarung die Beratungen zur Nachrüstung von Fenstern und Türen statt. Auch alle anderen Fragen zum Einbruchschutz werden dort beantwortet. Wir beraten auch bei Ihnen zu Hause, wenn Sie in einem Einfamilienhaus wohnen oder wenn die Wohnung aufgrund der Lage im Mehrfamilienhaus besonders gefährdet ist, weil sie im Parterre liegt oder wenn die Terrassen im Dachgeschoss leicht vom frei zugänglichen Dach aus erreichbar sind. Auch Beratungen bei Gewerbeobjekten führen wir kostenlos vor Ort durch. Allerdings sind wir sehr gefragt und haben derzeit eine Wartezeit von bis zu drei Monaten für die Hausbesuche.

Beratungsstelle Einbruchschutz:
030) 46 64-97 99 99, E-Mail: einbruchschutz@polizei.berlin.de , Mo. 10 bis 18 Uhr, Di.-Do. 8 bis 15 Uhr

www.berlin.de/polizei
www.einbruchschutz.polizei-beratung.de

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