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Titel Tabuthema Tod
Bild: Getty Images / Hinterhaus Productions
Tabuthema Tod

Zukünftige Erben: Brechen Sie das Schweigen rechzeitig

In vielen Familien wird das Lebensende ausgeblendet. Doch Sie können Ihre Eltern unterstützen, offen über den Nachlass zu reden.

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rgendwann steht das Erben an, das wissen alle in der Familie. Doch das Tabuthema „Tod“ wird von den Eltern sehr oft verdrängt und gar nicht erst thematisiert. Es ist dann Aufgabe der Kinder, aktiv anzusprechen, wie sich die Eltern die Weitergabe der Eigentumswohnung, des Familienschmucks und des Sparguthabens an Sie, Ihre zwei Geschwister und die Enkelkinder vorstellen.

Thema wird oft ausgeblendet

Gelten Sie dann vielleicht als gierig und pietätlos? Ist es nicht für alle beängstigend, die Endlichkeit des Lebens zu thematisieren? Wenn diese bei den eigenen Eltern näher rückt, stehen Sie vermutlich in der Mitte des Lebens, der Beruf verlangt viel, die eigenen Kinder verlassen das Haus – der Tod passt da nicht ins Programm und Sie blenden ihn tapfer aus.

Tabuthemen im Doppelpack: Tod und Geld

„Meine Eltern sind nach dem Krieg aufgewachsen, das hat sie geprägt“, berichtet Monika Böttcher (53). „Sie lebten stets sparsam, obwohl sie über die Jahrzehnte ein beachtliches Vermögen zusammengetragen hatten. Eigentlich hat man in unserer Familie nicht über Geld gesprochen“. In Verbindung mit dem Tabuthema Tod war an eine offene Aussprache zur Nachlassplanung der Eltern nicht zu denken. „Natürlich haben wir Kinder das Testament vorab nicht sehen dürfen“, berichtet die Apothekerin aus Reinickendorf. Umso größer waren dann Unsicherheit, Neid und Verletzung nach dem Tod der Eltern. Und natürlich kam es zum Streit in der Erbengemeinschaft.
Experten empfehlen deshalb die Flucht nach vorne. Schieben Sie das unliebsame Thema, das nun mal zum Leben dazugehört, nicht länger vor sich her, sondern planen Sie mutig mit Geschwistern und Eltern einen Nachlassabend. Dieser könne ruhig ein wenig feierlich werden, empfiehlt Diplom-Psychologe Markus Kettmann, der Familien schon öfter dabei unterstützt hat, das Schweigen zu brechen. „Das Ende des Lebens ist genauso wichtig wie der Anfang des Lebens“, postuliert er. „So wie man die Geburt feiert, kann man auch fröhlich auf ein stolzes Lebenswerk zurückblicken und den Eltern die Möglichkeit geben, ebenso stolz den Nachlass zu präsentieren“.

Missverständnisse aufdecken, bevor es zu spät ist

In etwa das Gegenteil einer Beerdigung schwebt Kettmann vor. „Denn hoffentlich liegt nach diesem Termin vor den Eltern noch ein langes, glückliches und gesundes Leben“. Der besondere Clou an einem Nachlassgespräch zu Lebzeiten: Plötzlich können Erwartungen und Wünsche ausgesprochen werden, die posthum sicher zu Missverständnissen geführt hätten. Keiner will die Datsche – „hätte ich das gewusst, hätte ich mir die Solaranlage sparen können“, beschwert sich vielleicht der Vater. Alle drei hätten gerne das Geschirr von der sonntäglichen Kaffeetafel – „ich weiß, wo man das noch nachkaufen kann“, weiß die Mutter.
Dass die Eltern der Tochter vor Jahren still und leise finanziell aus der Patsche geholfen haben, kommt an so einem Abend ebenfalls unweigerlich auf den Tisch. Denn ihr verminderter Erbteil lässt sich nun im gemeinsamen Testament nachlesen.
Vielleicht wird der Abend aber doch eher besinnlich, weil die Eltern endlich von der Hypothek auf die Wohnung erzählen, die sie seit dem Renteneintritt nur noch mit größter Mühe abzahlen können. Da keins der Kinder dort einziehen will, würde dann der durch drei teilbare Verkaufserlös in den Nachlass fließen. Psychologe Kettmann sieht in den eher ernsten Themen eine der wichtigsten Lehren eines solchen Abends: „Loslassen lernen ist eine der wichtigsten Tugenden im Generationenübergang.“

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