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Geschichte der Berliner Sparkasse: 1900
Bild: Niklas Hughes
Historie 1900

Von den Höhen der Gründerzeit in die Abgründe des Krieges

Erste Hälfte des 20. Jahrhunderts: Ins neue Jahrhundert tanzt Berlin optimistisch, doch bald werfen Weltwirtschaftskrisen und vor allem die Schrecken zweier Weltkriege einen dunklen Schatten auf die Stadt. Mittendrin stemmt die Berliner Sparkasse Hyperinflation und Währungsreformen – und steht zur Stunde null vor den Trümmern unserer Stadt und der eigenen Teilung.

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erlin brummt, über 1,5 Millionen Einwohner leben in der Stadt. Einer von ihnen ist Emil Fischer. Am Morgen des 16. Oktobers 1900 macht er sich auf den Weg zur Sparkasse. Dort möchte er eine fällige Kreditrate bezahlen und wie jede Woche eine Mark seiner Einnahmen auf das Sparbuch bringen.

Geschichte der Berliner Sparkasse: 1900
Bild: Niklas Hughes

Er ist „Zahnkünstler”, also ein Zahnarzt, der nicht an der Universität studiert hat. Die Geschäfte laufen gut, denn viele Menschen können sich einen richtigen Zahnarzt nicht leisten.

675.000 Kunden bei der Sparkasse

Mittlerweile besteht die Sparkasse seit 80 Jahren und hat rund 675.000 Kunden. Sie rät ihren Kunden, für Geldeinzahlungen Annahmestellen, zum Beispiel beim Bäcker, zu nutzen. Aber Fischer traut dem nicht, er geht lieber in die noch recht neue Zentrale am Mühlendamm, wo die Sparkasse seit 1893 sitzt. Schon sein Vater war Kunde bei der Sparkasse – klar, es ihm nachzutun.

Akribischer Buchungsvorgang

Fischer betritt den großzügigen Kassenraum, es gibt elektrisches Licht und elf Kassen. Trotzdem ist es rappelvoll und Fischer stellt sich auf eine lange Wartezeit ein. Endlich wird seine Abfertigungsnummer aufgerufen.

Geschichte der Berliner Sparkasse: 1900
Kunden als Bittsteller: Das Sparbuch des “Zahnkünstlers” Emil Fischer findet sich tatsächlich im Archiv der Berliner Sparkasse. Bild: Niklas Hughes

Ein strenger Beamter blickt auf ihn hinab. Fischer trägt eingeschüchtert sein Anliegen vor. Der Beamte vermerkt die Buchung in seinem Kontobuch und in Fischers Sparbuch, alles höchst akribisch.
Ein Kontrollbeamter prüft die Eintragung, setzt einen Vermerk und gibt das Sparbuch samt Kontobuch weiter an den Kassierer. Dieser bucht die Eintragung in sein eigenes Kassenbuch. Dann erfolgt das Gleiche mit der Kreditrate. Fischer zeigt seine Abfertigungsnummer, erhält sein Sparbuch zurück und verlässt nach zwei Stunden erleichtert die Sparkasse.

Berlin und seine Sparkasse bis 1945:

Bargeldlos bezahlen

Christian Eberle 1908

1908: Johann Christian Eberle, Sparkassen-Chef im sächsischen Nossen, initiiert 1908 den ersten Giroverband, mit dem die Sparkassen untereinander einen bargeldlosen Zahlungsverkehr organisieren. Schnell entstehen weitere Giroverbände, die sich 1924 zum Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV), der Dachorganisation aller deutschen Sparkassen zusammenschließen. Der DSGV hat seinen Sitz heute in der Charlottenstraße in Mitte.

Krieg und Gleichschaltung

1914/1933: Beide Kriege im 20. Jahrhundert werden auch durch Kleinsparer mitfinanziert. Beim Ersten Weltkrieg passiert dies noch mit Wissen der Bürger. Sie können Kriegsanleihen kaufen und damit die Aufrüstung unterstützen.

Kriegsanleihen 1914

Im Zweiten Weltkrieg verzichtet das Naziregime auf Kriegsanleihen und greift auf die geräuschlose Kriegsfinanzierung zurück. Ohne Wissen der Sparer und Anleger nutzen sie deren Einlagen, um damit Aufrüstung und Krieg zu bezahlen. Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten wird auch die städtische Berliner Sparkasse in die NS-Wirtschaftspolitik einbezogen und muss ihre Geschäftspolitik an den Zielen des neuen Regimes ausrichten. Jüdische und politisch unliebsame Mitarbeiter werden entlassen.

Hyperinflation

Hyperinflation 1923

1923: In Schubkarren oder in Wäschekörben tragen die Menschen im Jahr 1923 ihr Geld durch die Straßen. Grund dafür ist die radikale Entwertung der Mark. Als Reparationszahlungen ausbleiben, besetzen Franzosen und Belgier das Ruhrgebiet. Die Regierung ruft zum Streik gegen die Besatzer auf und verspricht den Streikenden eine finanzielle Entlohnung – bezahlt durch die fast wertlose Mark. Mit immer neuem Geld versucht der Staat, dagegen anzugehen, was für weitere Entwertung sorgt. Ein Hühnerei kostet zwischenzeitlich in Berlin 320 Milliarden Reichsmark.

Neue Zentrale am Alex

1933: Die Zentrale der Berliner Sparkasse am Mühlendamm wird zu klein und ein größeres Haus muss her. Da auch die neue Sparkasse im Zentrum liegen soll, fällt die Wahl schnell auf den Alexanderplatz.

Alex-berlin 1933

Erbaut wird das markante Alexanderhaus vom Hamburger Architekten Peter Behrens im Stil der neuen Sachlichkeit. Noch heute sind hier Hauptsitz und modernste Filiale der Berliner Sparkasse untergebracht. Zurzeit entstehen weitere Einzelhandelsflächen. Noch in diesem Jahr soll der Umbau abgeschlossen sein.

Lesen Sie hier die weiteren Teile unserer Serie:

  • 1818: Von der Armenfürsorge zum Finanzpartner für alle
  • 1968: Von der Lochkarten-EDV zur populärsten Finanz-App

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