Geschichte der Berliner Sparkasse: 1818
Bild: Niklas Hughes
Historie 1818

Von der Armenfürsorge zum Finanzpartner für alle

Die Anfänge der Berliner Sparkasse: Vorsorge für die Ärmsten und sicheres Gelddepot – vor 200 Jahren war die erste Sparkasse Preußens ein Vorbild für viele Kommunen. Auf einer Reise durch die Jahrzehnte zeigen wir, wie die Berliner Sparkasse, geprägt von Menschen, Ideen und der deutschen Geschichte, zum Finanzpartner für alle Berlinerinnen und Berliner wurde.

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m sonnigen Morgen des 15. Juni 1819 ist August Hartmann auf dem Weg in die Gerichtslaube im Berliner Rathaus. Dort ist seit einem Jahr die Sparkasse untergebracht. Sie wurde von der Stadtverordnetenversammlung eingerichtet und soll vor allem den Bürgern der niederen Stände ermöglichen, Vorsorge für schlechte Zeiten zu treffen. Hartmann ist Rechnungsführer der Stadtschuldenkasse, nebenamtlich führt er die Sparkasse.

Im ersten Jahr schon 551 Kunden

Geschichte der Berliner Sparkasse: 1818
Mann der ersten Stunde: August Hartmann, mit diesem fiktiven ersten Mitarbeiter lässt die Berliner Sparkasse ihre Gründungsgeschichte lebendig werden. Bild: Niklas Hughes

Wie lange das als Nebentätigkeit noch möglich ist, weiß Hartmann nicht. Denn seit zwei Monaten kommen immer mehr Kunden. Schon jetzt gibt es 551 Sparbücher und Einlagen von insgesamt 14.032 Talern.
Bevor die Kunden, die bereits vor der Tür warten, die Gerichtslaube betreten, tragen Hartmann und sein Kollege Heinrich Rogge drei schwere Kontoführungsbücher an die Kasse. Sie sind mit Eisenblech beschlagen, was sie etwas unhandlich macht. In jedem Buch sind 250 Konten verzeichnet. Wenn der Kundenandrang höher wird, muss eine neue Lösung her.

Polizei rät Bürgern Geld zur Sparkasse zu bringen

Der erste Kunde ist der Tuchhändler Schwarzenberg, der um neun Uhr bei Hartmann und Rogge vorstellig wird. Der Händler legt seine Einnahmen sicher bei der Berliner Sparkasse an, nachdem in sein Geschäft eingebrochen wurde.

Geschichte der Berliner Sparkasse: 1818
Bild: Niklas Hughes

Den Hinweis, sein Geld bei der Sparkasse aufzubewahren, hat ihm die Polizei gegeben. Sie mahnt die Bürger, das Angebot der Sparkasse zu nutzen und so ihre Ersparnisse zu schützen.
Hartmann vermerkt die Summe im Kontoführungsbuch und im Quittungsbuch des Tuchhändlers, das Geld wird in den Tresor gebracht. So geht es weiter bis 14 Uhr. Dann schließt die Sparkasse. Hartmann widmet sich wieder seiner Arbeit bei der Stadtschuldenkasse.

Berlin und seine Sparkasse im 19. Jahrhundert:

Johann Stephan Gottfried Buschig

Buergermeister Buesching 1818

1818: Johann Stephan Gottfried Büsching ist sozusagen der Gründungsvater der Berliner Sparkasse. Er ist ab 1813 Oberbürgermeister von Berlin und zuvor schon Bürgermeister. Preußen hat nach dem Rückzug Napoleons 1808 einen Magistrat für die Stadtverwaltung eingerichtet, dem Büsching nun vorstand.

Buergermeister Buesching 1809

Die neuartige Idee einer Sparkasse soll ärmere Bevölkerungskreise zum Sparen anregen, damit sie für schlechtere Zeiten Vorsorge treffen. Die königliche Regierung genehmigt im Januar 1818 die Gründung der ersten Sparkasse Preußens offiziell, die schließlich am 15. Juni 1818 Punkt 9 Uhr in der Gerichtslaube des Berliner Rathauses öffnet.

Einführung der Mark

1871: Nach dem Ende des Deutsch-Französischen Krieges wird nicht nur das Deutsche Reich gegründet, sondern auch eine einheitliche Währung eingeführt. Mit dem Reichsmünzgesetz beschließt der Reichstag die Einführung der Mark.

Reichsmark 1871

Damit setzt er dem Durcheinander aus unterschiedlichen Währungen ein Ende, auch dem preußischen Taler. Ab diesem Zeitpunkt werden alle Banknoten, die nicht der Reichswährung entsprechen, eingezogen – und die Sparkasse in Berlin muss ihre erste Währungsumstellung stemmen. Später folgen unter anderem noch Rentenmark (1923), Reichsmark (1924), Ost- und Westmark (1948/1990) und Euro (2002).

Boom in Berlin

1877: Erstmals werden eine Million Berliner gezählt, die rasante Industrialisierung bringt einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung. Neue Branchen und die Gründung von Weltunternehmen wie Siemens, AEG oder Borsig benötigen unzählige Arbeitskräfte, die nun in schnell hochgezogene Mietskasernen ziehen.

Berlin Boomt 1877

Seit 1871 ist Berlin Hauptstadt des Deutschen Reiches, ab 1883 durchschneidet die Berliner Stadtbahntrasse die Innenstadt. Die Stadt ist nun auch einer der wichtigsten Finanzplätze Kontinentaleuropas. Die Gründerzeit zur Jahrhundertwende bringt Berlin neue architektonische Großzügigkeit, eine U-Bahn und riesige Warenhäuser, die die boomende Metropole auch zur Mode- und Einkaufsstadt machen.

Haus am Mühlendamm

1893: Die Sparkasse ist beliebt bei den Berlinern. Das sichere Anlegen ihrer Ersparnisse und die Möglichkeit, Kredite zu nutzen, sorgen dafür, dass die Kundenzahl der Sparkasse stetig steigt. Ende der 1880er-Jahre überschreiten die Einlagen die 100-Millionen-Mark-Grenze, 420.000 Sparbücher hat die Sparkasse mittlerweile ausgegeben. Bald sind die Räumlichkeiten der Sparkasse zu klein.

Sparkassen Gebaede Muehlendamm 1893
Bild: Berliner Sparkasse

Eine größere Immobilie muss her: 1893 bezieht die Sparkasse das markante Mühlendammgebäude. Der Raum im Parterre bietet Platz für elf Kassen und ist mit elektrischer Beleuchtung ausgestattet.

Lesen Sie auch die weiteren Teile unserer Geschichts-Serie:

  • 1900: Von den Höhen der Gründerzeit in die Abgründe des Krieges
  • 1968: Von der Lochkarten-EDV zur populärsten Finanz-App

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