Titel Ratgeber Rente
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Und eins ist sicher: die bescheidene Rente

Jedes Jahr informiert ein Brief der gesetzlichen Rentenversicherung Arbeitnehmer über die voraussichtliche Rente im Alter. Doch wie aussagekräftig ist diese Prognose in Wirklichkeit – und wie sicher sind diese Bezüge? Klar ist: Eine private Vorsorge ist unerlässlich.

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Sie ist so viel älter als die Bundesrepublik: Seit mehr als 125 Jahren gibt es die gesetzliche Rentenversicherung in Deutschland. Noch im Kaiserreich wurde 1889 das „Invaliditäts- und Altersversicherungsgesetz” vom Reichstag in Berlin verabschiedet: Durch Beitragszahlungen in die gesetzliche Pflichtversicherung erwarben Arbeiter und Angestellte einen Anspruch auf Altersrente mit Vollendung des 70. Lebensjahres.

Zwei Weltkriege später regelte 1957 die erste Rentenreform, die vom Bundestag beschlossen wurde, die Altersvorsorge ganz neu: Fortan soll die Rente nicht nur ergänzende Hilfe sein, sondern ein Lohnersatz, mit dem sich der eigene Unterhalt allein bestreiten lässt. Diese neue Rente richtet sich nach Bruttolohn und Beiträgen, wobei der „Generationenvertrag” gilt: Die eingezahlten Beiträge werden nicht angespart, sondern sofort für aktuelle Renten der älteren Generation ausgegeben. Im Gegenzug erhalten die Beitragszahler Anspruch auf entsprechende Rente, wenn sie selbst ins Rentenalter kommen. Dieses sogenannte „Umlageverfahren” gilt bis heute. Dazu gibt es erhebliche Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt.

Berlin sorgt vor

Die Berliner wissen, dass sie privat für das Alter vorsorgen müssen. Immerhin 81 Prozent der Berliner­innen und Berliner sparen für ihre Alters­vor­sorge , zeigt eine repä­senta­tive Um­frage der Berliner Sparkasse. An erster Stelle steht dabei die betrieb­liche Alters­vor­sorge:

• betriebliche Altersvorsorge (41%)
• individuelle Altersvorsorge (36%)
• Riester-Rente (33%)
• Lebensversicherung (31%)
• private Rentenversicherung (25%)
• Fonds- und Bausparen (jeweils 22%)
• Rürup-Rente (5%).

Große Veränderungen erlebte die gesetzliche Rentenversicherung mit der Rentenreform 2001. Mit ihr hat der Gesetzgeber das Rentenniveau abgesenkt und zur Sicherung eines angemessenen Gesamtniveaus der Absicherung im Alter die staatlich geförderte private Altersvorsorge (Riester-Rente) eingeführt.

Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) ist seit 2005 gemeinsames Dach aller Rentenversicherungsträger. In ihr gingen alle Träger der gesetzlichen Rentenversicherung auf. Für über 50 Millionen Versicherte und mehr als 20 Millionen Rentnerinnen und Rentner ist sie bis heute die wichtigste Säule der Alterssicherung. Dennoch ist die Sorge groß, wie weit diese Rente auch in Zukunft noch reichen wird. Zwar informiert die DRV ihre Beitragszahler in einer jährlichen Renteninformation über die voraussichtliche Höhe ihrer künftigen Regelaltersrente, doch weist sie darauf hin, dass diese sich durch Änderungen in den persönlichen und gesetzlichen Verhältnissen auch noch ändern könnte.

  • Private Vorsorge

    Berliner Sparkasse

  • Rentner

    Berliner Sparkasse

  • Rentnen

    Berliner Sparkasse

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Die Deutsche Rentenversicherung warnt vor der Versorgungslücke

Durch den demografischen Wandel müssen künftig immer weniger junge Rentenbeitragszahler für immer mehr ältere Rentner aufkommen. Hinzu kommt die Gefahr durch Inflation: Der Eurobetrag, der dem Beitragszahler als voraussichtliche Regelaltersrente mitgeteilt wird, könnte etwa in zwanzig Jahren weitaus weniger Kaufkraft besitzen. In den rund 31 Millionen Briefen, die die DRV jedes Jahr an alle Versicherten über 27 Jahre verschickt, wird auch auf diesen „Kaufkraftverlust” aufmerksam gemacht.

Darüberhinaus reduzieren auch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge die Rentenhöhe – allein dadurch sinkt die Rente um gut zehn Prozent. Dieser Hinweis ist nicht in der Renteninformation erhalten, sollte aber bei der Planung bedacht werden. Insgesamt betont die DRV die Notwendigkeit einer zusätzlichen Altersvorsorge mit der Begründung, dass „die Renten im Vergleich zu den Löhnen künftig geringer steigen werden” und somit eine „Versorgungslücke” entstehe.

Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Zukunft!

Vorsorgeexperten der Berliner Sparkasse ermittlen gemeinsam mit Ihnen die Versorgungslücke im Alter. Bringen Sie Ihre Renteninformation zum Termin in einem BeratungsCenter der Berliner Sparkasse:

www.berliner-sparkasse.de/vordenker

Mehr Infos auch in unserem Vorsorge-Spezial .

„Grundlage für die Planung der eigenen Altersvorsorge”

Interview mit Dr. Frederik Diepgen von der Deutschen Rentenversicherung Bund über die jährliche Renteninformation, die jüngsten Reformen und den früheren oder späteren Renteneintritt.

Frederik Diepgen
Dr. Frederik Diepgen ist Pressereferent der Deutschen Rentenversicherung Bund in Berlin. Bild: DRV-Bund / Therbach

Wozu dient die jährliche Renteninformation der DRV?
Ziel der Renteninformation ist es, den Versicherten einen Überblick über die erworbenen Anwartschaften und die Höhe der künftig zu erwartenden Altersrente zu geben. Sie bildet damit auch eine wichtige Grundlage zur Planung der eigenen zusätzlichen privaten und betrieblichen Altersvorsorge.

Wenn die gesetzliche Rente nicht reicht – welche zusätzlichen Möglichkeiten gibt es?
Die Deutsche Rentenversicherung hat in Sachen zusätzlicher Altersvorsorge eine Wegweiserfunktion. Daher erhalten die Versicherten über uns auch anbieterneutrale Informationen etwa zur Riester-Rente oder zur betrieblichen Altersvorsorge. Grundsätzlich lässt sich dabei jede Form der betrieblichen und privaten Altersvorsorge mit der gesetzlichen Rente kombinieren. Welches spezifische Arrangement für den oder die Einzelne am besten ist, lässt sich immer nur für den Einzelfall bestimmen.

In der Renteninformation wird unter anderem auf den Kaufkraftverlust hingewiesen. Welche anderen Faktoren könnten die Rentenhöhe noch verändern?
Bei der gesetzlichen Rente handelt es sich in erster Linie um eine beitragsbezogene Leistung. Zudem können sich aber auch Zeiten ohne eigene Beitragsleistung – wie zum Beispiel Zeiten der Kindererziehung – oder beitragsfreie Zeiten, etwa Fachschulausbildung oder Mutterschutzzeiten, rentensteigernd auswirken. Grundsätzlich sollte jeder Versicherte darauf achten, dass sein Versichertenkonto umfassend geklärt ist und keine Lücken aufweist.

Viele fragen sich besorgt: Wie sicher ist meine Rente überhaupt?
Mit den Rentenreformen der jüngeren Vergangenheit wurden wesentliche Voraussetzungen geschaffen, um auch angesichts des demografischen Wandels langfristig ein gesellschaftlich akzeptiertes Niveau der Renten einerseits und bezahlbare Beiträge andererseits zu gewährleisten.

Was hat die neueste Rentenreform verändert?
Mit der Rentenreform, dem „Rentenpaket”, wurden erhebliche Verbesserungen in der gesetzlichen Rentenversicherung beschlossen. Wesentliche Bestandteile waren die „Mütterrente” und die abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren für besonders langjährig Versicherte. Zudem wurden auch eine bessere Absicherung bei Erwerbsminderung erzielt und das Reha-Budget erhöht.

Wann kann man in Altersrente gehen?
Der Beginn einer Altersrente ist grundsätzlich ab dem 63. Lebensjahr möglich. Die Regelaltersgrenze liegt jedoch künftig bei 67 Jahren. Eine über den Renteneintritt hinausgehende Weiterarbeit ist möglich, jedoch sollten sich Interessierte diesbezüglich beraten lassen, da unter Umständen Hinzuverdienstgrenzen zu beachten sind.

Für wen gilt die Rente ab 67?
Ab dem Jahrgang 1964 liegt die Regelaltersgrenze bei 67 Jahren. Versicherte der Jahrgänge 1947 bis 1963 unterliegen einer stufenweisen Anhebung dieser Grenze von 65 auf 67 Jahre.

Was kostet es, früher in Rente zu gehen?
Möchte ein Versicherter vor Erreichen der regulären Altersgrenze vorzeitig eine Rente beziehen, so muss er für jeden Monat des vorgezogenen Rentenbeginns einen Abschlag von 0,3 Prozent hinnehmen.

Für wen gelten Sonderregelungen?
Sonderregelungen gibt es beispielweise für schwerbehinderte Menschen, die unter bestimmten Voraussetzungen sogar ohne Abschläge in Rente gehen können. Ein anderes Beispiel ist die Rente für besonders langjährig Versicherte, die nach 45 Jahren Beitragszahlung mit 63 Jahren in Rente gehen können.

Immer mehr Rentner arbeiten nebenher, weil ihnen die Rente nicht reicht. Wie schätzen Sie diese Entwicklung ein?
Richtig ist, dass die Zahl der Erwerbstätigen im Rentenalter zugenommen hat. Die Gründe dafür sind vielfältig: Bei einigen wird der finanzielle Aspekt im Vordergrund stehen, bei anderen eher Partizipationsbedürfnisse und der Wunsch nach sozialen Kontakten.

Kann ich mich durch die DRV beraten lassen?
Ja, die Deutsche Rentenversicherung unterhält bundesweit ein Auskunfts- und Beratungsstellennetz und ein kostenloses Servicetelefon (0800 10004800). Informationen gibt es ebenso unter www.deutsche-rentenversicherung.de im Internet und bei den ehrenamtlichen Versichertenältesten und -beratern. Alle Services sind kostenlos.

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