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Titel Aenderungen 2019
Bild: Shutterstock
Das ändert sich 2019

Mehr nettes Netto

Ein guter Jahrgang für Ihren Geldbeutel: Wir haben zusammengestellt, was sich 2019 für Ihre Finanzen ändert – und wie sich das ganz konkret auf Ihr Budget auswirkt.

1) Änderungen zum Stichtag 1. Januar 2019

Gesetzliche Krankenversicherung

Nach 13 Jahren ist wieder alles beim Alten: Ab sofort teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung wieder paritätisch. Das gilt wie bisher für den festen Satz von 14,6 Prozent nun auch für die Zusatzbeiträge, die die Kassen selbst festlegen können, und die die Arbeitnehmer zuletzt selbst stemmten.

Hinzu kommt, dass die gesetzlichen Krankenkassen in letzter Zeit Milliardenüberschüsse angehäuft haben. Viele senken deshalb den Zusatzbeitrag. Die Recherche der Stiftung Warentest (hinter Paywall) hat beispielsweise die Berliner Morgenpost gut zusammengestellt.

Was bringt das konkret?
Arbeitnehmer und Rentner werden dadurch um rund 6,9 Milliarden Euro jährlich entlastet. Ein Arbeitnehmer mit 2.000 Euro beitragspflichtigem Monatsbrutto kann, bei einem Zusatzbeitrag von 1,0 Prozent, immerhin 120 Euro pro Jahr sparen, sein Arbeitgeber zahlt 120 Euro mehr.

Gesetzlicher Mindestlohn

In zwei Stufen wird der gesetzliche Mindestlohn angehoben. Seit 2017 betrug er 8,84 Euro pro Stunde, soll aber laut Mindestlohngesetz alle zwei Jahre neu festgelegt werden. Zum 1. Januar steigt er nun auf 9,19 Euro, zum 1. Januar 2020 schließlich auf 9,35 Euro. Betroffen sind rund 1,5 Millionen Arbeitnehmer.

Weiterhin ausgenommen sind unter anderem:

  • Jugendliche unter 18 Jahren
  • Praktikanten, die während des Studiums ein verpflichtendes Praktikum oder vor der Ausbildung ein berufsorientierendes Schnupperpraktikum absolvieren
  • Langzeitarbeitslose während der ersten sechs Monate ihrer Beschäftigung nach Beendigung der Arbeitslosigkeit

Neben dem gesetzlichen Mindestlohn gelten in vielen Branchen auch mit den Gewerkschaften ausgehandelte Branchen-Mindestlöhne, die oft deutlich über dem allgemeinen Mindestlohn liegen. Diese hat der DGB übersichtlich zusammengestellt.

Was bringt das konkret?
Auf einen Monat gerechnet steigt der Bruttolohn bei einem Mindestlohnjob um rund 55 Euro auf etwa 1.470 Euro.

Minijobs

Wer im Minijob bis 450 Euro im Monat verdient, ist von Sozialversicherungsbeiträgen befreit. Aber auch Geringverdiener ab 450,01 Euro Monatslohn zahlen zumindest reduzierte Beiträge für Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Diese sogenannte Gleitzone galt bislang bis 850 Euro und ist nun auf 1.300 Euro Monatsverdienst erhöht worden. Millionen von Geringverdienern werden so entlastet, erst ab 1.300,01 Euro müssen diese vollen Abgaben zahlen.

Was bringt das konkret?
Beispiel: Wer 850 Euro im Monat verdient, musste bislang dafür die vollen Sozialversicherungsbeiträge leisten, nach neuer Regelung dienen nach einer komplizierten Formel nun 791,56 Euro als Berechnungsgrundlage.

Hartz IV

Rund neun Prozent der Deutschen beziehen Arbeitlosengeld II, landläufig Hartz IV genannt. Die Sätze sind zum 1. Januar 2019 leicht gestiegen, im Durchschnitt um 2,02 Prozent.

Zudem wird es nun einfacher, Arbeitslosengeld I zu bekommen. Anspruch darauf hat ab sofort, wer binnen 30 Monaten mindestens 12 sozialversicherungspflichtig beschäftigt war. Außerdem soll das Einstellen von Langzeitarbeitslosen attraktiver werden: Der Staat übernimmt in der Anfangszeit bis zu 100 Prozent des Tariflohns.

Was bringt das konkret?
Das sind die nun aktuellen Regelsätze beim Arbeitslosengeld II:

  • Alleinstehende erhalten 424 Euro statt 416 Euro
  • Paare in einer Bedarfsgemeinschaft erhalten 382 Euro statt 374 Euro
  • Erwachsene im Alter von 18 bis 24 Jahren erhalten 339 Euro statt 332 Euro
  • Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren erhalten 322 Euro statt 316 Euro
  • Kinder zwischen 7 und 14 Jahren erhalten 302 Euro statt 296 Euro
  • Kinder bis 7 Jahre erhalten 245 Euro statt 240 Euro

Steuer-Freibeträge

Ledige haben ab dem 1. Januar in der Einkommensteuer einen Grundfreibetrag von 9.168 Euro, 168 Euro mehr als 2018. Verheirateten steht folglich das Doppelte – 18.336 Euro, also 336 Euro mehr – zu. 2020 kommt nochmals ein kräftiger Zuwachs, dann auf 9.408,00 Euro.

Im selben Umfang erhöhen sich die Beiträge, bis zu denen Steuerzahler Unterhalt für nahe Angehörige als außergewöhnliche Belastungen abziehen können. Zum Ausgleich der „kalten Progression“ werden übrigens auch die sogenannten Tarifeckwerte bei den Einkommensteuersätzen um die geschätzte Inflationsrate des Jahres 2019 (1,84 %) und 2020 (1,95 %) nach rechts verschoben.

Brückenteilzeit

Der Anteil der Arbeitnehmer, die in Teilzeit arbeiten, ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen, sei es wegen Kinderbetreuung, Weiterbildung, Pflege von Angehörigen oder einfach dem Wunsch nach mehr freier Zeit. Doch nicht alle wollen ihre Arbeitszeiten auf Dauer verkürzen, sondern nach einer Weile wieder zur Vollzeit zurückkehren. Ab 2019 müssen Arbeitgeber diesem Wunsch verpflichtend nachkommen – sofern sie über 45 Angestellte haben.

2) Änderungen zum Stichtag 28. Mai 2019

Neue 100- und 200-Euro-Scheine

Die Europäische Zentralbank hat bereits im September 2018 die neuen 100- und 200-Euro-Scheine vorgestellt. Sie werden ab 28. Mai 2019 in Umlauf gebracht und haben neue Sicherheitsmerkmale und sollen so schwerer zu fälschen sein.

Bei der EZB sind alle Scheine der nun kompletten „Europa-Serie“ in 3D zu besichtigen.

3) Änderungen zum Stichtag 1. Juli 2019

Kindergeld

Familien können sich ab dem Sommer über deutlich mehr Kindergeld freuen. Es steigt um 10 Euro auf jeweils 204 Euro für das erste und zweite Kind, auf 210 Euro für das dritte und auf 235 Euro für jedes weitere Kind. Zusätzlich wird der Kinderfreibetrag auf 7.620 Euro erhöht.

Was bedeutet das konkret?
Für Eltern gibt es wie bisher nur eines von beidem: Entweder Kindergeld oder Kinderfreibetrag. Für welche Einkommen welcher Kinderzuschuss sinnvoll ist, erklärt beispielsweise der Verein Vereinigte Lohnsteuerhilfe sehr anschaulich.

Gesetzliche Rente

Die gesetzliche Rente steigt voraussichtlich um 3,18 Prozent in den alten und 3,91 Prozent in den neuen Ländern. Bis 2025 soll so die soziale Einheit erreicht werden. Die ganz konkreten Sätze werden erst im Frühsommer feststehen.

Derzeit zahlt die Deutsche Rentenversicherung monatlich rund 24,8 Millionen Renten aus, darunter rund 17,8 Millionen Altersrenten und rund 5,2 Millionen Witwenrenten. Die vollständige Statistik zu deutschen Rentnern gibt es hier.

Bereits ab 1. Januar traten Verbesserungen bei der Mütterrente in Kraft. Bisher werden für jedes Kind, das vor 1992 geboren wurde, zwei Jahre Kindererziehungszeit bei der Rente berücksichtigt. Nach der Neuregelung wird jetzt ein halbes Jahr zusätzlich bei der Rente angerechnet.

Was bedeutet das konkret?
Für einen Senioren, der ein Altersgeld von 1.500 Euro im Monat erhält, bedeutet die Rentenerhöhung eine voraussichtliche monatliche Steigerung um 58,65 Euro (West) beziehungsweise 47,70 Euro (Ost). Rund 50.000 Rentner werden dadurch erstmals in die Steuerpflicht rutschen.

Mütter können durch die neuen Anrechnungszeiten bei der Kindererziehung mit einer Erhöhung pro Kind und Monat um bis zu 16,02 Euro im Westen und um bis zu 15,35 Euro im Osten rechnen.

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