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Titel About The Museum
Bild: Staatliche Museen zu Berlin / Valerie Schmidt
Engagement

About The Museum: Kunst auf neuen Wegen vermitteln

Wie lockt man Studierende ins Museum? Mit essbaren Ornamenten, Kunst zum Anfassen – und Aktionen zum Staunen. Drei von vielen Erkenntnissen aus der Museumsnacht „About the Museum“ im Kulturforum.

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ie Museumswärter gucken besorgt: Hunderte junge Menschen stehen am frühen Abend im Foyer des Kulturforums und warten auf Einlass. Sie lachen, schwatzen untereinander und freuen sich auf einen Kulturabend. Keine leichte Aufgabe für das Museumspersonal die Sicherheit der Besucher und Kunstwerke zu garantieren.

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Team Dialog: Studierende erklären Studierenden wie sie Kunstwerke auf eigenständigen Wegen entdecken können. Bild: Sebastian Knott

Eingeladen hat die Initiative „About the Museum“, ein Projekt der Staatlichen Museen zu Berlin und der Berliner Sparkasse. Das Ziel: Mehr junge Menschen zu animieren, öfter ins Museum zu gehen. Denn das Durchschnittsalter bei den Besuchern in Berliner Museen könnte niedriger und das Interesse gerade bei jungen Berliner Studierenden größer sein. „Wir wollen mit dem Abend Kunst auf eine andere Art erlebbar machen,“ erklären Patrick Presch und Heike Kropf, Organisatoren der Veranstaltung. Weg von klassischen Führungen – hin zur eigenständigen Entdeckung der Kunstwerke.

Dazu haben sich 70 Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen ein Semester lang in verschiedenen Workshops zusammengefunden. Für den neuen Zugang zur alten Kunst haben sie sich einiges einfallen lassen: Tastkino, Dialoge, Performances und vieles mehr.

„Wir wollen Kunst auf neuen Wegen vermitteln.“ Sanni Sonntag, Team Mentorium "About the Museum"

Heute präsentieren sie ihre Ideen und Vermittlungsformate einem studentischen Publikum und begleiten Interessierte durch die drei Museen des Kulturforums. Los geht’s im Untergeschoss im Kunstgewerbe-Museum. Die beiden Kunstgeschichtsstudentinnen Liz Stumpf und Sanni Sonntag sind Teilnehmerinnen des „Team Mentorium“ und führen eine kleine Gruppe von Studierenden durch die verschiedenen Ausstellungen. „Museen haben bei jungen Menschen oft ein angestaubtes Image. Mit diesem Projekt wollen wir etwas dagegen tun“, sagt Liz Stumpf (24), von der Humboldt-Universität, wo sie Kunst- und Bildgeschichte studiert. Und ihre Kollegin Sanni Sonntag (35), die Kunstgeschichte an der Technischen Universität studiert, ergänzt: „Wir wollen Kunst auf neuen Wegen vermitteln.“ Besucher sollen nicht nur Objektschilder lesen, sondern sich aktiv einbringen, Vorgegebenes kritisch hinterfragen – und einen eigenen Zugang zu den Kunstwerken entwickeln.“

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Alternative Standortpläne führen die Besucher durch die Ausstellungsräume. Bild: Sebastian Knott

Bereits die Ausstellungspläne, mit denen die Besucher die einzelnen Museen entdecken können, sind anders als gewohnt: Neben einem Notizbuch und einem Kranz steht auch eine Drehscheibe zur Auswahl, die über die Symbolik der Farben aufklärt. Blau steht zum Beispiel für den Himmel, für Keuschheit und Reinheit. Ein Rätsel führt die Besucher zu mittelalterlichen Glasmalereien. Das „Team Dialog“ hat ein Booklet erarbeitet, das dazu animiert, Vorgegebenes kritisch zu hinterfragen und KunstRaum anders zu erkunden: „Finde ein Bild, dass du dir zuhause aufhängen würdest.“ Oder: „Beschreibe einer Person ein Bild deiner Wahl – ohne, dass sie das Bild dabei ansieht.“

Weiter geht’s ins Kupferstich-Kabinett im ersten Stock. Den Schwerpunkt der Sammlung bilden europäische Zeichnungen und Druckgrafik vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Kupferstiche und junge Menschen – wie wird das wohl zusammen passen? Gut, wie die zweite Station des Abends zeigt.

Eine junge Studentin sitzt an einem großen Tisch und zeichnet den Kupferstich einer großen Vase ab. „Ich bin mit zwei Freundinnen hier und bin über Mund-zu-Mund-Propaganda auf die Aktion aufmerksam geworden. Ich fand das Motiv schön und zeichne gern“, sagt Klara Loges, BWL-Studentin aus Potsdam. Große Kupferstiche zum Beispiel von Wassily Kandinsky sind auf Tischen ausgelegt. Kandinsky galt als Wegbereiter der abstrakten Kunst des 20. Jahrhunderts.

Als krönender Abschluss folgt die Gemäldegalerie. Auf dem Boden liegen weiße Schilder mit typischen Fragen von Museumsgästen. Studierende führen Performances auf: Ein Student mit Putzhandschuhen wirbelt zum Beispiel von Gemälde zu Gemälde. Die Museumswärter schauen erneut recht besorgt. Ein Video-Screen zeigt die Kunstwerke einer verstorbenen Künstlerin und Studierende lesen Gedichte vor.

Nach drei Stunden treffen sich Besucher und Akteure im Foyer: Der DJ spielt ruhige House-Musik, die Gäste tauschen Eindrücke aus – und auf einem großen Tisch liegt ein riesiges osmanisches Ornament zum Aufessen. „Die Kunst ist nur vollends erfahrbar, wenn sie verzehrbar ist“, sagt der Berliner Sebastian Körbs, der das Kunstwerk aus bunten Mosaikteilen aus Mürbeteig geschaffen hat.

Viel Kunstgenuss für einen Abend.

Die Reihe About the Museum geht weiter. Folgende Termine stehen bereits fest:

Wanderlust – Von Caspar David Friedrich bis Auguste Renoir
Alte Nationalgalerie, 17. Mai 2018, 17 bis 19 Uhr

Hello World, Revision einer Sammlung
Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin
14. Juni 2018, 17 bis 19 Uhr

Unvergleichlich: Kunst aus Afrika im Bode-Museum
Bode-Museum
14. Juli 2018, 15 bis 17 Uhr

Weitere Termine auf der Internetseite:
www.smb.museum/bildung-vermittlung/studierende.html

Ihre Erlebnisse halten die Studierenden überdies in einem Blog fest:
Museum and the City

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