Wochenmärkte und Markthallen machen den Einkauf zum Erlebnis: Im Sommer ist die Auswahl riesig, das Angebot unschlagbar und die Preise sind günstiger, als so mancher denkt. Und zum herzhaften Gemüse gibt’s immer das herzliche Gespräch. Über die schönsten Märkte, die Geheimtipps der Stadt und warum Gutes aus der Region derzeit in aller Munde ist.
Marktverkäufer haben gut lachen: Die Wochenmärkte profitieren von der Ökowelle.
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Foto: Marco Warmuth
Marktverkäufer haben gut lachen: Die Wochenmärkte profitieren von der Ökowelle.
In aller Munde
Haben Sie Lust auf Markt bekommen? Hier haben wir für Sie alle Adressen der vorgestellten Märkte und Markthallen zusammengestellt.
Buntes Markttreiben
Winterfeldtplatz Schöneberg
Mi. 8 – 14 Uhr
Sa. 8 – 16 Uhr
Karl-August-Platz
Charlottenburg
Mi. 8 – 13 Uhr
Sa. 8 – 14 Uhr
Eberbacher Straße/
Rüdesheimer Platz
Wilmersdorf
Di. / Fr. 8 – 13 Uhr
Türkischer Markt am Maybachufer
Neukölln
Di. / Fr. 11 – 18.30 Uhr
Kollwitzplatz Prenzlauer Berg
Sa. 9 – 16 Uhr
Markthalle Neun
Eisenbahnstraße 42/43 Kreuzberg
Fr. 12 – 19 Uhr
Sa. 9 – 16 Uhr
Arminiusmarkthalle Moabit
Arminiusstraße 2
Tiergarten
Mo.–Sa. ab 7.30 Uhr
Marheineke Markthalle
Marheinekeplatz 15 Kreuzberg
Mo.–Sa. ab 8 Uhr
Markthalle Berlin-Tegel
Gorkistraße 15
Reinickendorf
Mo.–Sa. ab 8 Uhr
200 Käsesorten statt 20: Stände, wie der von Conny Oeser, punkten mit einer großen Auswahl.
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Foto: Marco Warmuth
200 Käsesorten statt 20: Stände, wie der von Conny Oeser, punkten mit einer großen Auswahl.
Seit nachts halb drei Uhr auf den Beinen: Ayse Andic und ihre Familie führen das älteste Fischgeschäft Berlins.
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Foto: Marco Warmuth
Seit nachts halb drei Uhr auf den Beinen: Ayse Andic und ihre Familie führen das älteste Fischgeschäft Berlins.
Bei den Culinary Misfits kommt Gemüse auf den Tisch, das in Supermärkten nicht verkauft wird.
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Foto: Marco Warmuth
Bei den Culinary Misfits kommt Gemüse auf den Tisch, das in Supermärkten nicht verkauft wird.
So gehe das ja nicht, mahnt die Marktverkäuferin, schickt den Fotografen auf die andere Seite des Stands, greift kurz in ihre Tasche und zieht sich den Lippenstift nach. Jetzt darf er fotografieren. „Der Markt auf dem Winterfeldtplatz in Schöneberg ist mein Lieblingsmarkt“, verrät Conny Oeser anschließend. „Hier merke ich, dass die Leute gerne kommen.“
„Man quatscht dusseliges Zeug“
Hier haben sie und ihr Vater ihren Eier-und-Käse-Stand. Wolfgang Oeser, 73, steht schon seit 40 Jahren hier. Der Rudower berichtet, dass sogar Spandauer und Brandenburger eigens zum Einkaufen auf den Markt nach Schöneberg fahren. Weil hier der Stand 200 Käsesorten statt 20 hat. Weil hier zum herzhaften Einkauf ein herzlicher Plausch geboten wird: „Hallo, Conny!“ – „Hallo, meen Kleener!“, ruft Conny Oeser dem Kunden zu, während sie den französischen Brie ins Papier wickelt. “Wie heißt es so schön in Berlin: Man quatscht mal dusseliges Zeug.“
Der Markt am Winterfeldtplatz zählt zu den schönsten der Stadt, steht ganz oben in den Reiseführern. Auch Engländer, Italiener und Polen flanieren gerne an den Ständen vorbei. Nicht nur gut betuchte Schöneberger füllen hier ihre Bastkörbe, auch der Kunde mit kleinem Portemonnaie findet so manches Schnäppchen: 50 Tulpen für 5 Euro, zwei Schalen Himbeeren für 2 Euro.
Märkte punkten mit großer Vielfalt
Der eine kauft das Kilo Spargel aus Brandenburg für 11,90 Euro, der andere den aus Griechenland für die Hälfte. Die Märkte hätten sich auf das Preisbewusstsein ihrer Klientel eingestellt, sagt Ayse Andic vom ältesten Fischgeschäft Berlins "Fisch-Schmidt". Und die Händler hätten erkannt, dass sie nur „überleben“ können, wenn sie Vielfalt bieten. Sogar die Schuhe kann man sich auf dem Markt mittlerweile putzen lassen.
Nachts um halb drei ist Ayse Andic aufgestanden, um 8 Uhr musste alles aufgebaut sein. Bis 11 Uhr sei die ruhigste Zeit zum Einkaufen. Wer es noch ruhiger mag, kann auf kleinere Märkte ausweichen. Als Geheimtipps gelten zum Beispiel der Markt auf dem Karl-August-Platz in Charlottenburg oder der am Rüdesheimer Platz in Wilmersdorf. Wer es im Ostteil weniger touristisch mag, geht zum Arkonaplatz in Mitte oder auf den Markt am Antonplatz in Weißensee.
Renaissance der Markthallen
Mehr als 100 Wochenmärkte gibt es in Berlin. Hinzu kommen vier Markthallen: zwei in Kreuzberg sowie jeweils eine in Moabit und in Tegel. Frisch renoviert erleben sie aktuell eine regelrechte Renaissance. Eine eigene Fanseite auf Facebook hat zum Beispiel die Markthalle Neun an der Kreuzberger Eisenbahnstraße. Jahrzehntelang fristete die Halle ein trauriges Dasein. Lediglich ein Lebensmittel- und ein Kleidungsdiscounter sorgten für Kundenverkehr.
Wie sich die Halle seit ein paar Jahren verändert hat, kann Inge Wruck erzählen. Mitten im Trubel des Samstagseinkaufs steht ihr holzvertäfelter Stand für Kaffee und Knacker. Links von ihr sitzt das alte Stammpublikum und blättert im Discounterprospekt. Rechts stehen die jungen Kreuzberger am Kuchenstand Schlange, probieren bei „Culinary Misfits“ Möhren, die wegen ihrer Größe von Supermärkten verschmäht werden.
Verkäufer haben die Möhren selbst gezogen
Zum kulinarischen Angebot an zwei Wochentagen kommen kulturelle Events: kulinarisches Kino, Thementage, Gärtnerworkshops. Eine auffällig junge Klientel lernt auf diese Weise Gutes aus der Region schätzen: Männer in Jeanshemd und mit tätowierten Unterarmen schicken ihre Kinder in die Spielecke mit Holzmurmelbahn, Frauen in gepunkteten Sommerkleidern bestellen an der Kochecke Buchweizen-Rosmarin-Wraps und Polenta-Kokos-Bällchen mit karamellisiertem Rhabarber.
So mancher Standverkäufer hat die Möhre am Vortag selbst noch aus der Erde gezogen oder die Marmelade selbst gekocht. Der Markt bietet die Transparenz, die vielen Supermärkten fehlt.
„Die Markthalle stand kurz vor dem Sterben“, sagt Inge Wruck und räumt die Spülmaschine ein. Die drei Betreiber der Markthalle hätten ein Wunder vollbracht: der Halle neues Leben mit junger Kundschaft eingehaucht.
Die Geiz-ist-geil-Mentalität bröckelt
Die Markthalle Neun verdeutlicht, wie die Geiz-ist-geil-Mentalität beim Lebensmitteleinkauf zu bröckeln beginnt. Doch es ist eine langsame Entwicklung, sagt die 56-Jährige. „Für viele gilt weiterhin: Das Benzin kann ruhig teurer werden – aber wehe, die Kartoffel.“
Als Markt mit den „meisten Verkaufsmetern“ und damit als größter gilt der Wochenmarkt am Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg. Es duftet nach frischen Gewürzen, nach Bio-Öl und Öko-Seife. Schweden, Japaner und Russen mischen sich unter die Bewohner in Prenzlauer Berg, probieren getrocknete Papaya aus Thailand, frisch geernteten Spinat aus Brandenburg oder herzhafte Aufstriche mit griechischem Schafskäse.
Märkte profitieren vom Gesundheitsbewusstsein
Außer mit Obst, Gemüse und Käse punktet der Markt mit selbstgemachter Handwerkskunst. Auch die junge Generation steht in den Startlöchern: Vincent Veltjens verkauft Marmelade aus dem Spreewald, die seine Mutter und seine Oma gekocht haben. „Die Märkte profitieren eindeutig von der Öko-Welle“, sagt er. 35 Marmeladensorten in offenen Gläsern laden zum Probieren ein.
Ein gutes Vertrauensverhältnis, Produkte aus der Region, eine immense Auswahl und die Nähe zum Kunden – das sind und bleiben also die unschätzbaren Vorteile der Märkte.
Kontakt zum
Autor:
Jörg Oberwittler
(Website)
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Zuletzt aktualisiert: 02.07.2012
·
Fotos:
Marco Warmuth (5)
von Kathleen von Monticelli
am 10.07.2012 um 04:57
Ich glaube die Botschaft ist angekommen... Ich habe kein virtuelles Ich und ich *** auf Facebook. So jetzt kann mein Kommentar gelöscht werden.
von Kathleen
am 10.07.2012 um 09:38
Hallo Kathleen, wir haben Ihren Kommentar diesmal nicht gelöscht, sondern nur bearbeitet (s. Sternchen). Wir bitten Sie aber, in Zukunft nur höfliche und konstruktive Kommentare ohne Sprachentgleisungen zu posten. Sonst müssen wir den Kommentar ganz löschen, s. Hinweis links. Grüße von der BerlinerAkzente-Redaktion.