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08.04.08_stadt/A_U-Boot-Touren

Bild vergrößernNemo Unter Wasser

"Nemo" in der Tiefe: Im U-Boot geht's in die Tiefen des Helenesees.

Abtauchen


Die Nemo-Substation Helenesee befindet sich direkt im Zentrum des Freizeit- und Campingparks Helenesee. Dieser liegt im Landschaftsschutzgebiet des Oder-Spree-Seengebietes, etwa acht Kilometer südlich von Frankfurt (Oder). Der Helenesee hat eine Fläche von rund 250 Hektar und Tiefen bis über 50 Meter. Der ehemalige Braunkohlentagebau ist heute einer der saubersten Seen Brandenburgs. Infos: Nemo Tauchtouristik GmbH & Co. KG; www.nemo-100.de

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Das Boot ist innen geräumiger, als es von außen scheint.

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Dreieinhalb Meter lang und bereit zur Tauchfahrt: der Prototyp von "Nemo".

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Auge in Auge mit dem Hecht.

Zum U-Boot-Kapitän fehlt eigentlich nur noch ein wenig Mut: Im Helenesee bei Frankfurt/Oder kann jeder wie Kapitän Nemo die Welt unter der Wasseroberfläche entdecken – im U-Boot „Nemo 100“, einem Unterwasser-Zweisitzer.

Der in leuchtendem Orange lackierte Prototyp war bereits bei mehreren Fachmessen der Hingucker schlechthin, und auch betuchte Privatleute haben bereits Interesse bekundet, dass sie "Nemo" vielleicht für eine Yacht haben möchten – quasi als Spielzeug.

Abtauchen im Helenesee

Ihre U-Boote haben Nemo-Geschäftsführer Jürgen Herrmann und seine Mitstreiter am Helenesee südlich von Frankfurt/Oder sowie am Kulkwitzer See im Westen von Leipzig stationiert. Und in der kleinen Nemo-Werft an der Karl-Liebknecht-Straße in Frankfurt (Oder) entwickelt Thomas Breinig ständig weiter. Ein einstündiger Ausflug in die Unterwasserwelt inklusive technischer Einweisung ist ab 219 Euro zu haben. Wer die halbstündige „Kleine-Nemo-Tauchfahrt“ bucht, ist ab 119 Euro dabei.

Wem es nicht am nötigen „Kleingeld“ mangelt, der kann bei der ersten und in Deutschland bislang einzigen zivilen U-Boot-Werft natürlich auch ein U-Boot kaufen. Interessenten gibt es aus aller Welt. „Sehr ernsthafte Interessenten“, wie Jürgen Herrmann versichert. Aus Brasilien beispielsweise oder aus der Türkei kamen schon Anfragen für das drei Knoten schnelle Klein-U-Boot.

Anfragen auch aus der Industrie

Weil auch Kontakte zur Industrie bestehen, denken die Nemo-Leute inzwischen sogar über den Bau eines zweiten U-Boot-Modelles nach. Aus „Nemo 100“ wird dann das Modell „Tourist“. Und für industrielle Zwecke sowie gut betuchte Privatleute ist der „Explorer“ konzipiert – ausgelegt auf Tauchtiefen bis zu 100 Metern und rund eine viertel Million Euro teuer. „In der Offshore-Industrie kann man sich gut vorstellen, ein solches U-Boot für Kontrollzwecke einzusetzen“, berichtet Herrmann von ersten Gesprächen.

Klingt gut, aber wie fühlt es sich an? Unsere Autorin ist mit "Nemo" auf Tauchstation gegangen.

Beide Luken des fast vier Meter langen und knapp zwei Meter breiten Bootes sind geöffnet, etwas ungelenk klettere ich auf den Rücksitz. Thomas Breinig wird das Steuer übernehmen – der Mann, der maßgeblichen Anteil an der „Nemo-Tauchtouristik“ hat. Aber auch als Co-Pilotin kann ich das Boot mal steuern – dank einer Doppellenkung, ähnlich der in Fahrschulautos.

Platzangst weicht Neugierde

Doch bevor wir das Gespräch weiter vertiefen, geht’s erst einmal mit „Nemo 100“ in die reale Tiefe. Das Boot ist innen geräumiger, als es von außen scheint. Die Sorge, womöglich Platzangst zu bekommen, war unbegründet. Breinig schließt die Luken - zwei runde Kapseln aus Acrylglas, die einen herrlichen Rundumblick ermöglichen. Eine dritte Kuppel befindet sich am Bug.

Nemo setzt sich in Bewegung – und schon beginnt die Sinkfahrt. Sechs, sieben, acht Meter tief sinkt das Boot, dann erstreckt sich sandiger Untergrund unter dem Rumpf. An dieser Stelle. An anderen ist der See, ein ehemaliges Tagebaurestloch, deutlich tiefer. Bis zu 67 Meter. So tief kann „Nemo 100“ nicht hinab. Aber 30 Meter sind kein Problem. Weil die Fahrgastzelle ein geschlossener stählerner Druckbehälter ist, bleibt der Innendruck bei allen Tauchtiefen konstant – wie im Flugzeug.

Plötzlich zwei Taucher vor dem Bug

Schlechte Sicht? Da hat Thomas Breinig (50) beim Start reichlich tief gestapelt. In der „Schönen Helene“ mit einer Sichttiefe von bis zu sieben Metern mangelt es auch zu dieser Jahreszeit nicht an Weitblick. Durch die Acrylglaskuppel entdecke ich Schwärme von silbrig schimmernden Fischen und Sträucher. Und Bäume – als Nicht-Taucher wusste ich gar nicht, dass unter Wasser Bäume wachsen. Plötzlich taucht direkt vor uns ein Stop-Schild auf. Gibt es für das kleine U-Boot etwa schon eigene Verkehrsregeln? „Ein Hinweis für Taucher“, erklärt Breinig. Sagt’s, und wie bestellt gleiten am Bug des Bootes zwei Gestalten in Neoprenanzügen ins Bild.

Die Taucher winken zu uns herein. Überrascht scheinen sie nicht zu sein. Kein Wunder, kennen sie doch Thomas Breinig, diesen stillen Mann mit dem etwas längeren, grau durchsetzten Haar. Der Kameramann und gelernte Fahrzeugschlosser taucht seit 30 Jahren, viele Jahre als Mitglied des Frankfurter Unterwasser-Clubs „FUC Helene“. Des Vereins, in dem auch die beiden anderen geschäftsführenden Gesellschafter der „Nemo-Tauchtouristik“ aktiv sind: Fernsehjournalist Jürgen Herrmann und Elektroingenieur Lutz Cordts.

Im heimischen Pool getestet

Durch Zufall stießen die drei Hobbytaucher vor knapp drei Jahren auf den Potsdamer Tüftler Reinhard Küster. Der hatte damals nach mehr als vierjähriger Bauzeit gerade ein kleines U-Boot fertig gestellt und im Pool im heimischen Garten zu Wasser gelassen, um die Unterwassertauglichkeit zu testen. Mit Frau und Sohn an Bord. „Der hat genau so eine Macke wie wir“, sagt Jürgen Herrmann.

Aber Küster hatte kein Interesse daran, seine Erfindung zu vermarkten. Anders als Herrmann und Breinig, die schon seit Urzeiten für U-Boote schwärmen und gemeinsam U-Boot-Filme gedreht haben. „Der Küster ist bis heute quasi unsere Forschungs- und Entwicklungs-Abteilung“, sagt Herrmann. Wenn es auch eigentlich Breinig war, der Küsters Boot systematisch weiterentwickelt hat – zu dem 1,7 Tonnen schweren Klein-U-Boot mit dem Brennstoffzellenhybridantrieb, das da heute im Helenesee seine Kreise zieht.

Wenn die künftigen U-Boot-Piloten auch nicht „20.000 Meilen unter dem Meer“ unterwegs sein werden wie der Held bei Jules Verne: Das Käpt’n-Nemo-Feeling stellt sich schon ein paar Meter unter der Wasseroberfläche ein – das hat unser Unterwasserausflug bewiesen. Doch Vorsicht ist angesagt, es besteht akute Suchtgefahr.

Kontakt zum Autor: Katrin Starke


Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010