
Sogar vom Stadiondach aus springen Base-Jumper in die Tiefe. Fotos: Carola Fietz, Edgar Kraus
B-A-S-E
Base-Jumping bedeutet Fallschirmspringen von fixen Objekten. Die Buchstaben B-A-S-E stehen für Buildings (Gebäude), Antennas (Antennen), Spans (Brücken) und Earth (Erde / Klippen).
Infos unter www.base-berlin.com und www.base-jump.de

Doch am liebsten haben Sie hohe Türme oder Felssprünge. Foto: Helga Kleisny
Sie stürzen sich von Gebäuden, Brücken und Klippen. Aber wenn Base-Jumper springen, haben sie einen Fallschirm im Rucksack. Mag Base-Jumping auch Extremsport sein, chaotische oder lebensmüde Spinner sind die Objektspringer nicht.
„Base-Jumping ist eine Steigerung des Fallschirmspringens. Wer sich da 'ranwagt, sollte schon ein geübter Springer sein“, sagt Jürgen Mühling. „Mahle“, wie ihn seine Freunde nennen, gehört zu den zehn bis 15 Hardcore-Basern in Berlin, die jährlich mehr als 50 Sprünge absolvieren.
Vom Fernsehturm ist er schon gesprungen, einmal auch vom Funkturm – zur Eröffnung einer Messe. Und wenn die "Berlin Thunder" im Olympiastadion Football spielen, springt er mit seinen Kumpels von der Base-Berlin-Connection oder mit Kollegen aus dem Verein Deutscher Objektspringer öfter mal ins Stadion. Für Filmaufnahmen hat er sich vom Park-Inn-Hotel am Alex fallen lassen, sogar vom Hi-Flyer-Ballon ging es für ihn schon rasant abwärts.
Von der Aiger-Nordwand in die Tiefe
Doch seit es die Flugverbotszone über dem Berliner Zentrum gibt, sei das alles nicht mehr so einfach. Gut, dass es da noch diesen Schornstein in Ludwigsfelde gibt. Oder Events wie die Indoor-Base-Jumper-Weltmeisterschaft, zu der sich die Besten aus 18 Nationen in den „Tropical Islands“ im Süden Brandenburgs trafen. „Das ist einfach ein geiles Gefühl“, kam Mahle aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus, als er nach seinem Sprung aus 107 Metern Höhe sanft am weißen Strand der „Südsee“ gelandet war. In der größten freitragenden Halle der Welt von ganz oben springen zu dürfen, das sei eben etwas Besonderes – sagt der Mann, der sich auch schon von der Aiger-Nordwand in die Tiefe gestürzt hat.
Die „menschlichen Knautschzonen“ sind gepolstert
Hört sich ziemlich gefährlich an, oder? „Das kommt drauf an“, sagt Mahle. Vor allem aufs Wetter. „Bei Windstille ist das alles kein Problem. Wenn’s dagegen richtig weht, kann schon der Sprung von einem Hausdach ganz schön heftig werden.“ Aber in jedem Fall seien die „menschlichen Knautschzonen“ ja abgepuffert – mit Knieschonern, Schienbeinschützern und Rückenpanzer.
Mahles niedrigster Sprung war aus 26,8 Metern Höhe – mit einem Spezialschirm. „Der kommt nach dem Absprung ohne Verzögerung mit Wucht aus der Tasche, öffnet sich schlagartig wie ein Segel“, erklärt Mahle. „Da fällt der Freifall natürlich weg. Das ist dann mehr ein Stunt.“ Aber „so richtig gigantisch“ sei´s erst ab 100, besser noch ab 120 Metern.
Tausende Male aus den Wolken gefallen
Am liebsten sind Mahle die Felssprünge. „Da kann ich wenigstens erst mal zehn oder auch 20 Sekunden frei fallen. Und es bleibt genug Zeit, mich selbst im Flug zu erleben – absolut faszinierend.“ Ja, das muss es wohl sein, wenn jemand noch immer so begeistert ist, obwohl er bereits Tausende Male aus den Wolken gefallen ist: Mahle ist im „normalen Leben“ nämlich Berufssprunglehrer und bildet im brandenburgischen Fehrbellin Fallschirmspringer aus.
Gut 8500 Sprünge hat der 41-Jährige auf dem Buckel, immerhin ist er seit 22 Jahren zwischen Himmel und Erde unterwegs. Zum Base-Jumping kam er vor zehn Jahren – und kann auch hier mit 650 Sprüngen schon eine recht stolze Bilanz vorweisen.
Die Formel 1 des Fallschirmspringens
Was den besonderen Reiz des Springens von fixen Objekten ausmacht? „Beim Base ist alles komprimierter, schneller, rasanter. Das ist die Formel 1 des Fallschirmspringens.“ Und dazu muss oft noch zwischen Hindernissen gelandet werden – eine zusätzliche Herausforderung. „Du kannst dich mit diesem Sport völlig an deine Grenzen bringen – und noch ein Stück drüber hinaus“, sagt Mahle. Ob Base-Jumper Adrenalinjunkies seien? „Eher leidenschaftliche Menschen“, meint der 41-Jährige, aber „das Verlangen nach Erlebnis, nach dem Kick“, das spiele schon eine Rolle.
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Autor:
Katrin Starke