Stadt & Szene

Beim Ritter der Blutwurst

Bild vergrößernBlutwurst1

Macht die Blutwurst zum Kultobjekt: Marcus Benser.

Bild vergrößernBlutwurst2

Wo sonst Würste und Schweinehälften hängen, finden auch Lesungen statt.
Fotos: K. Starke

Bis auf die Speisekarte von Berliner Spitzenrestaurants schafft sie es: die Blutwurst aus der Manufaktur von Marcus Benser in Neukölln. Der Ort, an dem die deftige Leckerei entsteht, begeistert auch die Kunstszene.

Eine Zerlegehalle als Schauplatz einer Lesung, Wurstbilder statt Schweinehälften an den Wänden – mit solch ungewöhnlichen Aktionen hat Fleischer Marcus Benser seiner Blutwurstmanufaktur in Neukölln zu einem hohen Bekanntheitsgrad verholfen.

Die Zerlegehalle als Kulturattraktion

Die Manufaktur erfreut sich bei Kulturschaffenden wachsender Beliebtheit. Mit ihrem leichten Desinfektionsgeruch, dem gekachelten Boden und den stetigen Kondenswasser-Tropfen, die an der Wand entlang perlen, sorgte sie zum Beispiel für die richtige fröstelige Atmosphäre für Stephen Kings Kurzgeschichte „Autopsie Raum 4“.

Inzwischen hat auch Wurstpoet André Kudernatsch in der Metzgerei gelesen („Die Rache der Blutwurst“). Erst kürzlich gab es die erste Kunstausstellung in der Wurstküche. Wo sonst Schweinehälften baumelten, hingen Wurstbilder von Angelika Duft.

Wurstpoeten und Wurstbilder

„In der Kultur sollte immer auch etwas Platz sein für Fantasie“, sagt Fleischermeister Benser, der sich für die Zukunft die verschiedensten Veranstaltungen in seiner Zerlegehalle in einem Hinterhof am Karl-Marx-Platz vorstellen kann – wobei es zwischen Messern und Fleischsäge nicht nur um Blutrünstiges gehen muss. Auch ein Konzert wäre denkbar. Immerhin 300 Besucher finden hier Platz. Und gute Musik würde sicher rasch Herzen und Hände erwärmen in dem kühlen Ambiente.

Längst ist die Zerlegehalle auch zur Touristenattraktion geworden. Spätestens seit Bensers Fernsehauftritten, zum Beispiel bei Starkoch Tim Mälzer, verschlägt es Touristengruppen abseits von Fernsehturm und Brandenburger Tor nach Neukölln. Tag für Tag werden dort in der Hinterhof-Fleischerei 150 Kilogramm Blutwurst produziert. Ein Produkt, das inzwischen so mancher Tourist bei seiner Abreise mit in den Koffer packt.

Sieger beim Blutwurst-Wettbewerb

Bereits mehrfach trug der 33-Jährige beim wohl bedeutendsten Blutwurst-Wettbewerb der Welt, ausgerichtet von der Confrérie des Chevalier du Goute Boudin, Siege davon. 2004 schlug ihn die renommierte Gourmet-Organisation sogar zum „Ritter der Blutwurst“. Als einen der jüngsten in ihren Reihen.

Blutwurstmanufaktur, Karl-Marx-Platz 9-11, 12043 Berlin, www.blutwurstmanufaktur.de, Tel. 68 72 004.

Kontakt zum Autor: Katrin Starke


Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010