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Kinotitel 692

Bild vergrößernLichtblick Wickeltaschenkin

Das "Lichtblick" bietet Kino für Mama, Papa und Baby: in seinem „Wickeltaschenkino“.

Bild vergrößernFilmpalast

Eleganter Schwung, wohin das Auge schaut: der "Filmpalast" am Kudamm heißt mittlerweile "Astor Film Lounge".

Kinogenuss


Sputnik in den Höfen am Südstern, Hasenheide 54, in Kreuzberg, Tel. 61 57 645

ACUD, Veteranenstr. 21 in Mitte, www.acud.de, Tel. 44 35 94 98

Lichtblick, Kastanienallee 77 in Prenzlauer Berg, www.lichtblick-kino.org, Tel. 44 05 81 79

Babylon, Astor Film Lounge, Passage


Babylon Mitte, Rosa-Luxemburg-Str. 30 in Mitte, www.babylonberlin.de, Tel. 24 25 969

Astor Film Lounge, Kurfürstendamm 225 in Charlottenburg, www.astorfilmlounge.com, Tel. 88 38 551

Passage-Kinos, Karl-Marx-Str. 131 in Neukölln, www.yorck.de, Tel. 68 23 70 18

Babylon

Zweimal pro Woche ist auch im Babylon "Kinderwagenkino" angesagt.

Noch mehr Kino


Lesen Sie auch unsere Beiträge "Auf den Spuren berühmter Filme" über Drehorte in der Hauptstadt und "Bevor die erste Klappe fällt" über ungewöhnliche Berufe beim Film.

Kaum eine andere deutsche Stadt bietet eine so außergewöhnliche Kinolandschaft wie Berlin. Hier ist für jeden etwas dabei – für die stillende Mutter genauso wie für den Architektur-Liebhaber. BerlinerAkzente.de lädt zum Leinwand-Hopping ein. Testen Sie doch selbst einmal, es gibt viel zu entdecken.

Für Cineasten mit guter Kondition lohnt sich zum Beispiel der Weg zum Sputnik. Weit über dem Erdgeschoss liegen die Vorführsäle in den Höfen am Südstern in Kreuzberg. Fünfte Etage. Ohne Aufzug.

Nischenkino mit Sofa-Ecken

Doch der Aufstieg lohnt. Oben angekommen geht es an den beiden Kinosälen vorbei ins eigentliche Foyer. Die kleine Bar und die ansprechende Atmosphäre entschädigen für die Mühen des Treppensteigens. Den Rest erledigt das Kinoprogramm. Das Sputnik ist ideal für alle, die sich einen Film abseits des Mainstreams ausgesucht haben.

Dafür ist allerdings ein Preis zu zahlen – neben dem üblichen an der Kinokasse: Denn im Kinosaal Eins sitzt es sich ziemlich unbequem, sieht aber interessant aus. Die Sitzreihen hier sind aus Backstein gemauert. In Kino Zwei haben sich die Betreiber (zum Glück) nicht so viel Mühe gegeben, hier stehen lediglich eine paar Second-Hand-Sofas.

Ungewöhnliche Formate im ACUD in Mitte

Ähnlich weit oben wie das Sputnik liegt das Kino des Kunstvereins ACUD in der Veteranenstraße in Mitte. Doch das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit der beiden Minikinos: Zusammen mit einer ganzen Reihe Berliner Filmtheater sind sie Mitglied in der „Arbeitsgemeinschaft Kino“, kurz „AG Kino“. In deren Häusern laufen kleine Filmproduktionen, Streifen im Originalton mit Untertitel und ungewöhnliche Formate, wie etwa Dokumentationen.

Außerdem beteiligen sich diese Kinos oft an Festivals oder starten eigene Filmreihen. So waren im ACUD etwa anlässlich des Todes von Michelangelo Antonioni dessen Filme zu sehen. Im mehrfach ausgezeichneten Programmkino des ACUD ist klar: Wer hier im Kinosessel sitzt, will Filmkunst genießen.

Geschrei und Gezappel im Lichtblick

Stark eingeschränkten Filmgenuss bieten ein bis zweimal die Woche die Berliner Kinos Lichtblick (Torstraße) und Babylon Mitte (Rosa-Luxemburg-Platz) – und haben damit Erfolg. Denn hinter den Namen „Wickeltaschenkino“ und „Kinderwagenkino“ verbirgt sich ein Angebot, das viele junge Eltern äußerst dankbar annehmen: Kino für Mama, Papa und Baby.

Meist laufen etwas ältere Filme und es darf während der Vorstellung gekrabbelt, geschrien und geschlafen werden – ein Angebot, von dem die Kleinen meist ausgiebig Gebrauch machen. Im Lichtblick haben sie dafür genug Platz in einer gemütlichen Matratzen- und Kissen-Landschaft.

Der Kinosaal als Spielwelt für Kinder

Und solange die Kleinkinder noch nicht laufen können, sind sie damit auch vollständig zufrieden und widmen dem Film kaum Aufmerksamkeit. Zumal der auf Wunsch nicht so laut wie üblich über die Leinwand flimmert und das Kino ein bisschen heller ist als im reinen Erwachsenen-Kino.

Das Reizvollste an Berlins Kinolandschaft ist die Vielfalt, die Besuchern oft schon vor dem Film einen Sinnesgenuss bietet. Dafür sorgen vor allem bestens renovierte historische Kinos. Einen der schönsten und aufwändig saniertesten Vorführsäle Berlins bietet etwa die Astor Filmlounge am Kurfürstendamm, das früher der Filmpalast war. „Kino im Kindl“ oder kurz „Kiki“ hieß das Kino in den Fünfzigerjahren, weil es ursprünglich zu den angrenzenden Bierschänken gehörte.

Das erste Premium-Kino Deutschlands

"Das erste Premium-Kino Deutschlands" soll sie sein, die "Astor Film Lounge" im ehemaligen Filmpalast. So wirbt jedenfalls der Betreiber, der Kinounternehmer und Multiplex-Pionier Hans-Joachim Flebbe, und lockt mit Begrüßungscocktail, Bedienung am Kinosessel und Auto-Park-Service zum Kinogenuss der gehobenen Art. Aufwändig wurde das denkmalgeschützte Haus renoviert, mit Sitzen wie in der ersten Klasse im Flugzeug ausgestattet und mit allerlei Extras aufwertet. Ein Service, der fast so viel kostet wie ein Theaterbesuch – und doch so lohnenswert scheint angesichts der liebevollen Herrichtung des historischen Lichtspielhauses.

Perlen der Kino-Architektur finden sich aber nicht nur am Prachtboulevard Kudamm, sondern auch mitten im Kiezbezirk Neukölln. In der Karl-Marx-Straße betreibt zum Beispiel die Programmkinogruppe „Yorck“ das Passage-Kino. Gemeinsam mit der „Neuköllner Oper“ liegt das Filmtheater im Quergebäude eines großzügig angelegten Hinterhofs, den man durch einen mächtigen Torbogen betritt.

Goldene Zwanziger im Passage-Kino

Sehenswert ist im Passage-Kino vor allem der Saal Nummer Eins. Hier kann man vor dem inneren Auge noch einmal die Goldenen Zwanziger aufleben lassen: Vor dem roten Kinovorhang erstrecken sich nicht nur im Parkett Stuhlreihen, es gibt auch einen großen Balkon an der Rückseite des elegant gestalteten Saals.

Hier steht der Kinogenuss dank modernisierter Technik kaum dem im Multiplexkino nach. Im Gegenteil. Im Passage-Kino lebt, genau wie in allen historischen Kinos Berlins, eine große Tradition fort. Und die begann in Berlin schließlich schon 1895 mit der ersten kommerziellen Filmvorführung weltweit.

Kontakt zum Autor: Markus Münch


Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010