Afrika im Kiez

Mark Kofi Asamoah begeistert Kinder für Afrika.

Traditionsschmuck und Tuch aus Afrika gibt's zum Beispiel in Charlottenburg.
Hier ist Afrika
Bejte Ethiopia, Äthiopische Küche, Zietenstraße 8, Schöneberg, Tel.: 262 59 33, www.bejte-ethiopia.de
Cape Times, Moderne Möbel und Accessoires aus Südafrika, Rykestraße 41, Prenzlauer Berg, Tel.: 44 03 71 70, www.capetimes.de
weitere Adressen
Massai-Berlin, Ostafrikanische Spezialitäten, Lychener Straße 12, Prenzlauer Berg, Tel.: 48 62 55 95 und
Goltzstraße 35, Schöneberg, Tel.: 21 91 21 90, www.massai-berlin.de
Galerie Dogon, Afrikanische Kunst, Bleibtreustraße 50, Charlottenburg, Tel.: 312 85 64, www.galeriedogon.de
Mark Kofi Asamoah, Musiker, Dozent und Entertainer, Tel.: 813 60 57, www.asamoah.de
Afrika Haus Berlin, Veranstaltungsort, Bochumer Straße 25, Tiergarten, Tel.: 392 20 10, www.afrikahaus-berlin.de
Lo’Nam – das deutsch-afrikanische Magazin
www.lonam.de

Konzerte, Lesungen: afrikanische Kultur pur im Afrika-Haus in Moabit.
Afrikanische Weisheiten
"Ein großer Stuhl macht noch keinen König." Sudan
"Je kleiner die Eidechse, desto größer ist ihre Hoffnung, ein Krokodil zu werden." Abessinien
weitere afrikanische Weisheiten
"Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, war vor 20 Jahren. Die nächstbeste Zeit ist jetzt." Uganda
"Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht." Sambia
"Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich." Südafrika
"Ganz egal wie lange ein Baumstamm im Wasser liegt, er wird kein Krokodil werden." Mali
"Die kleinen Sterne leuchten immer, während die große Sonne untergeht." Senegal
"Nur ein Lügner ist in Eile, nimm einen Stuhl und setz dich!" Togo
"Tadle Gott nicht, dass er den Tiger erschaffen hat. Aber danke Gott, dass er ihm keine Flügel gab." Zaire

Moderne südafrikanische Wohnaccessoires gibt es im "Cape Times" in Prenzlauer Berg.
In Berlin spiegeln sich ganz unterschiedliche Gesichter Afrikas. Wer genau hinsieht, entdeckt viel Neues und trifft hier und da auch Afrikaner, die in Berlin heimisch geworden sind.
In Äthiopien wird der Kaffee nicht einfach nur gekocht und getrunken, sondern zelebriert. Die Zeremonie beginnt mit dem Rösten der noch grünen Bohnen über einem kleinen Holzkohlefeuer. Haben die Bohnen die richtige Farbe, werden sie in einem Mörser zu grobem Kaffeepulver zerstoßen und in eine bauchige Kanne mit heißem Wasser gegeben. Berliner müssen nicht nach Afrika reisen, um das mitzuerleben: Der würzige Geruch von frisch geröstetem Kaffee zieht jeden Freitag und Samstag durch die beiden Restaurants "Massai" in Prenzlauer Berg und in Schöneberg.
Den Gästen wird der Kaffeeduft zugefächert
Im Lokal "Bejte Ethiopia" bereitet Asegedech Bogale, in Landestracht gekleidet und auf einem kleinen Hocker sitzend, jeden Abend den Kaffee zu, anschließend geht ihr Mann mit dem Metalltopf von Tisch zu Tisch und fächert den Gästen den Kaffeeduft zu. Da in ihrer Heimat die Kaffeezeremonie vor allem eine Geste der Gastfreundschaft und der Versöhnung ist, bietet das Paar jedem Gast ein kleines Schälchen mit dem starken Kaffee an.
Das ist der perfekte Abschluss eines typisch äthiopischen Essens: Huhn-, Lamm-, Rind- und Gemüsegerichte von mild bis scharf serviert mit Injera. Das sind leicht säuerliche Brotfladen aus Hirse und Roggen. Geübte nehmen die Soßen mit dem Injera auf und essen mit den Händen, aber die Wirtsleute bringen auch gerne Messer und Gabel. Im Hintergrund spielt unaufdringlich landestypische Musik.
Aus Kleinem entsteht Großes
Wenn die Berliner Band Ketewa auftritt, stehen schwarze und weiße Musiker immer gemeinsam auf der Bühne. Ketewa bedeutet: Aus Kleinem entsteht Großes. Das ist hier durchaus wörtlich gemeint. Als die Band sich vor zwölf Jahren bei einem Trommelworkshop mit dem Ghanaer Mark Kofi Asamoah zusammenfand, war der jüngste Trommler drei Jahre alt. Aus den Kindern sind Jugendliche geworden und der Spaß an traditionellen und modernen afrikanischen Rhythmen ist ihnen geblieben. Gemeinsam mit dem Saxophonisten Norbert Mattes haben sie bereits zwei CDs veröffentlicht und begeistern regelmäßig ihr Publikum in der Neuköllner Werkstatt der Kulturen und an anderen Orten in Berlin und ganz Deutschland.
Trommel-Unterricht in der Schule
Mark Kofi Asamoah kennen viele Berliner Kinder aus der Schule. Seit 18 Jahren trommelt er mit Schülern, erzählt von seiner Kindheit in einem kleinen Dorf und von dem Alltag in Ghana. Im vergangenen Jahr besuchte Asamoah rund 250 Schulen in ganz Deutschland.
Auch an der Sonnen-Grundschule in Neukölln ist er häufiger und gern gesehener Gast. Die Musiklehrerin Edith Rinnscheidt hat ihn vor Jahren auf einem Straßenfest für ihre Schüler "entdeckt". Die 20 Kinder der dritten Klasse hocken im Kreis auf dem Fußboden, jedes hat in der rechten Hand ein Holzklötzchen. Mit einem Schlag auf den Boden geben sie es im Rhythmus an ihren Nachbarn weiter.
Dazu singen sie "Ebe ebe ta ta le". Alle! Mit seinem gewinnenden Lachen macht Asamoah klar, dass es hier etwas Schönes und Wichtiges zu lernen gibt. Das Quartiersmanagement Neukölln und der Deutsche Entwicklungsdienst finanzieren diesen Beitrag zur gelebten Integration.
Afrika-Haus lockt mit vielen Veranstaltungen
Ebenfalls um Völkerverständigung, auch der afrikanischen Länder und Kulturen untereinander, geht es Oumar Diallo aus Guinea in dem vom ihm gegründeten Afrika-Haus in Moabit. Seit 1993 veranstaltet er dort Konzerte, Lesungen, Ausstellungen, Vorträge und Theateraufführungen. "Ich möchte mit kulturellen Angeboten Brücken bauen zwischen den Völkern und Nationen.
Dabei soll Integration vor allem Spaß machen", sagt der Soziologe und verweist stolz auf den Integrationspreis der BVV Mitte, den er 2003 erhielt. Ein Blick in das Programm verrät, dass es ihm sowohl um die jüngere Geschichte Afrikas als auch um aktuelle politische und soziale Probleme sowie um die Zukunft des Schwarzen Kontinents geht.
Schmuck für Schutz und Fruchtbarkeit
Monika Edelmaier hingegen beschäftigt die alte Kultur Afrikas. In ihrer Galerie Dogon in Charlottenburg bietet sie alte Kult- und Gebrauchsgegenstände, Schmuck und Stoffe verschiedener afrikanischer Stämme an. "Die meisten Objekte dienen dem Schutz, der Fruchtbarkeit oder der Ahnenverehrung", erläutert sie und zeigt auf eine Holzmaske. Die Proportionen des Gesichts sind stark verfremdet und doch in sich stimmig.
"Bei den Maskentänzen sollen die Geister besänftigt und so Unheil von der Gemeinschaft abgewendet werden", so Monika Edelmaier. Manche der schmiedeeisernen Objekte in den weißen Regalen wirken wie moderne Kunst und sind doch alte Zahlungsmittel, die im Feuer der Schmiede magische Kräfte bekommen haben sollen. "Aber das alles ist eine vergangene Welt", fügt sie etwas wehmütig hinzu.
Wohnaccessoires aus Südafrika
Zwischen den alten Kultobjekten und den Wohnaccessoires im Cape Times liegen Welten, aber in Berlin nur ein paar Kilometer. Der kleine Laden, den der Südafrikaner Benjamin Rüggeberg in Prenzlauer Berg im Sommer 2007 eröffnet hat, vermittelt einen Eindruck von der modernen südafrikanischen Wohnkultur. Jedes Teil im Cape Times ist ein Einzelstück. Die meisten Möbel und Accessoires sind in sozialen Projekten und aus recycelten Materialien produziert.
Die Schalen aus Telefondraht mit faszinierend schrillen Farbkompositionen strahlen Lebensfreude aus und sind gleichzeitig Zeugnisse prekärer Lebenslagen. Die über ihnen hängenden Fotos zeigen die Behausungen, in denen die Frauen der Kwa-Zulu-Natal die Schalen aus Drähten der Telekom herstellen. Die Bilderrahmen sind aus Fenster-, Tür- und Fußleisten gemacht, die von Obdachlosen gesammelt wurden. So erzählen sie Geschichten von Arm und Reich. "Der soziale Aspekt ist mir wichtig", so Benjamin Rüggeberg. "Aber begeistert bin ich vor allem von der Kreativität, der Fantasie und der Schönheit der kleinen Kunstwerke … und Afrikas".
Kontakt zum
Autor:
Anja Köhler
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Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010