Spielen wie die Wikinger

„Man muss nur Spaß daran haben, mit Klötzen in der Gegend ’rumzuwerfen“, sagen die Berliner Kubb-Profis.

König, dich krieg ich auch noch! Kubb kommt aus Schweden und wird „Köbb“ ausgesprochen.
Was ist Kubb?
Kubb ist ein Wurfspiel, das dem Boule ähnlich ist, aber auch Verwandtschaft zum Schach hat. Das taktische Gesellschaftsspiel wird im Freien – auf einer Wiese, am Strand, im Schnee – gespielt.
Die Spielregeln
Für Kubb braucht man folgende hölzerne Spielfiguren: einen König (Grundfläche etwa 9 x 9 cm, Höhe 30 cm), zehn Kubbs (Grundfläche etwa 7 x 7 cm, Höhe 15 cm), sechs runde Wurfhölzer (Durchmesser 4-5 cm, Länge 30 cm) und möglichst noch vier Eckstäbe (aber es geht auch mit vier Rücksäcken).
Die Spielfeldgröße variiert zwischen 4,5 x 9 Metern (so wird es in Berlin gespielt) und 5 x 8 Metern. Zwei Mannschaften von jeweils ein bis sechs Spielern treten gegeneinander an.
Ziel ist, zunächst die gegnerischen Kubbs mit den Wurfhölzern umzuwerfen. Anschließend muss der König, der in der Mitte des Spielfeldes steht, gefällt werden. Wer alle Kubbs der Gegenpartei und den König getroffen hat, gewinnt das Spiel. Wurfhölzer dürfen nur am Ende gehalten und nur aus dem Unterarm von unten nach vorne geworfen werden. So genannte Hubschrauberwürfe sind verboten.
Wenn runde Hölzer auf rechteckige Holzklötze treffen, dann sind die Wikinger im Spiel: Das bouleähnliche Wurfereignis "Kubb" aus dem hohen Norden hat schon viele Berliner infiziert. Sie spielen es im Park und sogar auf zugefrorenen Seen – und immer geht es darum, den König der Gegner "umzulegen".
Eigentlich war Magnus Sinn im Sommer 2000 nach Roskilde gefahren, um Rockmusik zu hören. Doch als er vom Open-Air-Festival aus Dänemark nach Berlin zurück kam, waren es gar nicht die Bands, von denen er erzählte – er schwärmte nur von diesem Spiel, das in Berlin damals kaum jemand kannte: Kubb. Schuld daran waren ein paar junge Schweden, die auf dem Festival stets und ständig Kubb gespielt und Magnus mit dem Spiel-Virus infiziert hatten. Fortan hatte er nur noch mit Rundhölzern nach rechteckigen Holzklötzen – den Kubbs eben – geworfen. Als die Schweden ihm zum Abschied eine komplette Spielausrüstung schenkten, konnte sich das Virus hemmungslos ausbreiten – die Geburtsstunde des Kubb-Spielens auf Berliner Grünflächen hatte geschlagen. Heute ist „Kubbsport Berlin“ ein eingetragener Verein, der Turniere ausrichtet und deutschlandweit an Wettkämpfen teilnimmt.
Erst die Kubbs fällen, dann den König
Zwei Teams kämpfen beim Kubb um einen König – den größten Holzklotz, der in der Mitte des Spielfeldes „thront“. Wer ihn umwirft, hat gewonnen. Doch darf man den König mit seinen Wurfhölzern nicht sofort attackieren – zunächst gilt es, die gegnerischen fünf Kubbs zu „fällen“. „Ähnlich wie beim Schach“, erklärt Antje Claus (33) von Kubbsport Berlin, „da stehen ja auch die Bauern davor“.
Wer hat's erfunden? Die Schweden
Seinen Ursprung hat Kubb in Schweden – deshalb wird’s auch „Köbb“ gesprochen. „Die spielen das seit Jahrhunderten. Schon die Wikinger vor 2000 Jahren sollen es gekannt haben – daher wird es auch Wikingerschach genannt“, weiß Vereinskollege Oliver Lange (39). Auf der Insel Gotland werden sogar Weltmeisterschaften ausgetragen. Kein Zufall also, dass Magnus sein Spiel gerade von Schweden geschenkt bekam.
Ein "gewichtiges" Spiel
„Aber auch in Dänemark kann man überall Kubbspiele kaufen – in Baumärkten und bei Aldi“, erzählt Oliver, der mit seinen Mitstreitern auf der Wiese vorm Reichstag oder im Spreebogenpark spielt. In Deutschland haben eher gut sortierte Holzspielzeugläden Kubb im Sortiment und Online-Shops. 30 bis 60 Euro kostet ein Spiel – je nach Anspruch. „Zum Ausprobieren reicht jedes Feld-, Wald- und Wiesenspiel“, sagt Magnus. Aber wer Feuer gefangen habe für das Spiel von Hägars Nachfahren, sollte sich für ein Hartholzspiel entscheiden. Aus Buchenholz zum Beispiel. „Das splittert kaum und sieht länger gut aus“, erklärt der 37-Jährige. Da müsse man allerdings gute zehn Kilo Gewicht mit sich herumschleppen – und möglichst nicht die Füße der Mitspieler treffen.
Mit Klötzen in der Gegend ’rumwerfen
Besonderes sportliches Geschick sei fürs Kubbspielen nicht nötig, meint Magnus. „Man muss nur Spaß daran haben, mit Klötzen in der Gegend ’rumzuwerfen.“ Als erweiterte Picknick-Variante bewertet Antje das Spiel, „als Alternative zum schlichten Herumsitzen auf der Wiese – so wie Federball, nur kommunikativer“. Gute Nerven müsse man allerdings schon haben, um ein Spiel durchzustehen, ergänzt Oliver – mit verschmitztem Lachen. Zu einem echten Kubbwettkampf gehöre nämlich der „Trash talk“. „Das heißt, wir reden jede Menge Müll, um die gegnerische Mannschaft zu irritieren“, klärt Magnus auf.
Zum Eiskubb auf den Schlachtensee
Der Spaßfaktor steht eben im Vordergrund – weshalb die Kubbsportler auch mal unkonventionelle „Spielfelder“ wählen. „Im vorletzten Winter waren wir auf dem Schlachtensee zum Eiskubb – mit Schlittschuhen und Glühwein“, erzählt Magnus und hofft, dass der See in diesem Winter endlich wieder zufriert.
Die deutschen Kubb-Meister sind Berliner
„Wäre schön, wenn du schreibst, dass wir amtierender Deutscher Meister sind“, meint Magnus abschließend. Aha – ganz ohne sportlichen Ehrgeiz wird bei Kubbsport Berlin also doch nicht gespielt. Auch dass zu den Turnieren nach Berlin 30 bis 40 Mannschaften kommen, sei erwähnenswert. Da haben die Teams sogar Namen, heißen „Welthölzer“ und „Kubbinieure“. Oder „the holz pistols“, ergänzt Antje und deutet stolz auf den Schriftzug auf ihrem T-Shirt.
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Autor:
Katrin Starke
Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010