Stadt & Szene

Drehort Berlin -
Auf den Spuren berühmter Filme

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Lola rennt – durch Berlin.

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Damals: der Potsdamer Platz mit der berühmten ersten Ampel der Welt auf einer historischen Postkarte.

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Das Bundesministerium der Finanzen wurde für die Dreharbeiten von "Mein Führer!" nochmals in das Reichsluftfahrtministerium zurückverwandelt.

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Szene aus "Mein Führer!"

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U-Bahnhof Mohrenstraße, ehemals Otto-Grotewohl-Straße, verkleidet mit Mamor aus der Reichskanzlei.

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London, Paris? – Berlin! Gendarmenmarkt. Unser Autor Markus Münch hat auch ein Buch zum Thema geschrieben: "Drehort Berlin"; www.drehortberlin.de

Egal ob dunkle Seitenstraße oder imposante Sehenswürdigkeit – gedreht wird in Berlin überall gerne. Und das schon seit mehr als einhundert Jahren. Die Hauptstadt ist unumstritten Deutschlands Filmmetropole Nummer Eins.

Rot-weißes Absperrband spannt sich quer über die Straße, rechts und links parken Lastwagen. „Cinemobil“ steht auf dem einen, „Filmcatering“ auf dem anderen. Dazwischen stapeln zwei Techniker Kameraschienen und Scheinwerfer. Selbst ohne den Hinweis auf einem der zahlreichen Parkverbotsschilder weiß jeder sofort, was hier los ist: Filmarbeiten!

Zählt man Serien, Werbung und Spielfilmproduktionen zusammen, fällt in Berlin bis zu 40 Mal pro Tag die Klappe. Die Stadt ist also geradezu übersät mit Drehorten. BerlinerAkzente.de stellt einige von ihnen auf einem Stadtspaziergang vom Anhalter Bahnhof zum Gendarmenmarkt vor.

Peter Falk am Anhalter Bahnhof

Es ist ein traurig anmutender Ort, den Wim Wenders 1986 auf Zelluloid bannt. Winterlich grau hängen dichte Wolken tief über der Brachlandschaft, die einmal das Gelände des Anhalter Bahnhofs war. Ein perfektes Szenario für „Der Himmel über Berlin“. Regisseur Wenders hatte für seine weltbekannte Geschichte um die Menschwerdung eines Engels unter anderem den amerikanischen Schauspieler Peter Falk gewinnen können. Der schrullige Darsteller spielt sich selbst und wird bei seinem Film-Spaziergang über den Anhalter Bahnhof auch prompt erkannt: „Heh, wat denn, is det Columbo?“, fragt in Szene 5033 ein Jugendlicher seine Begleiter. „Nee, der rennt doch hier nicht durch die Pampe!“ entgegnet ein anderer. Die Jugendlichen lassen Falk, der in der gleichnamigen TV-Serie tatsächlich den kalifornischen Kommissar „Columbo“ spielt, unbehelligt weitergehen.

Drehort: Bahnhof

Schon früh ist der Anhalter Bahnhof Drehort. 1927 taucht er zum Beispiel in der musikalischen Collage „Berlin. Die Symphonie der Großstadt“ auf. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg zieht es die Film-Legende Billy Wilder zur Bahnhofsruine. Der erfolgreiche US-Regisseur dreht ausgerechnet im Jahr des Mauerbaus eine Ost-West-Komödie in Berlin. „Eins, Zwei, Drei“ floppt dementsprechend zunächst und wird erst in den 1980er-Jahren zum Kultfilm. Am Askanischen Platz richtet Wilder für „Eins, Zwei, Drei“ einen halb zerstörten Seitenflügel der Bahnhofshalle als Ost-Berliner „Grand Hotel Potemkin“ her.

Ohren auf am Potsdamer Platz

Etwas weiter in Richtung Potsdamer Platz liegt rechts der Stresemannstraße eines der architektonischen Highlights Berlins: der Martin-Gropius-Bau. Das imposante Ausstellungsgebäude im Stil der italienischen Renaissance hat 2005 für „Gespenster“ seine Rückseite gezeigt. Christian Petzolds Drama um ein Waisenmädchen wurde zwischen Gropius-Bau und dem Gelände der „Topografie des Terrors“ gedreht. Weitere Teile des Dramas mit Hauptdarstellerin Julia Hummer spielen hinter dem Potsdamer Platz und im Tiergarten. Dessen Akustik begeisterte Regisseur Petzold besonders. Die Mischung aus Naturgeräuschen und Stadtlärm hat er sich zusammen mit Kollegen schon vor Drehbeginn mit geschlossenen Augen angehört. „Wir müssen wie die Idioten ausgesehen haben“, beschrieb Petzold dieses Probehören später.

Drehort mit und ohne Mauer

Die touristisch attraktive Vorderseite des Potsdamer Platzes zeigt Petzold nicht. Das übernehmen andere Regisseure. Schon 1931 ist Deutschlands ältester Ampel-Turm mitten auf der Kreuzung in „Emil und die Detektive“ zu sehen. Auch das „Veilchen vom Potsdamer Platz“ verkauft hier 1936 seine Blumen, bevor die Mauer 1961 den Platz zerteilt und der Philosoph Homer (Curt Bois) in „Der Himmel über Berlin“ verzweifelt Spuren seiner Erinnerung am Grenzstreifen sucht. Ganz modern wird der wiedervereinigte Ort 2001 in dem Dokumentarfilm „Berlin Babylon“ in seiner Entstehung porträtiert. In vollendetem Zustand begeistert er 2003 einen polnischen Einwanderer in Hans-Christian Schmids „Lichter“.

Ruinen & NS-Kulissen

Während sich noch einige andere Regisseure vom Glanz des Potsdamer Platzes anziehen ließen, suchten nur wenige so trostlose Stadtlandschaften wie Michael Klier für seinen 1991 gedrehten Film „Ostkreuz“. Kurz nach der Wende wurde er dafür in der Leipziger Straße fündig, dort, wo selbst heute noch innerstädtische Brache das Bild dominiert. „Es hat sich einfach aufgedrängt, da einen Film zu machen“, sagt Klier. Etwas weiter östlich liegt ein Drehort, dessen Wahl für Kliers Kollegen Dani Levy sehr naheliegend war. Das 1936 fertig gestellte Gebäude des Bundesfinanzministeriums in der Wilhelmstraße wurde für „Mein Führer“ 2006 zum Double der neuen Reichskanzlei Adolf Hitlers.

Rund um die Friedrichstraße

Weiter nördlich, in der Mohrenstraße, konnte ein anderer Filmemacher auf ein erhaltenes historische Setting zurückgreifen. Für Wolfgang Beckers „Good Bye, Lenin!“ musste lediglich der U-Bahnhof „Mohrenstraße“ wieder DDR-getreu in „Otto-Grotewohl-Straße“ umbenannt werden und schon war die Straßenkreuzung Glinka-/Mohrenstraße perfekt für eine nächtliche Demonstrationsszene aus der Wende-Zeit. Die Dreharbeiten mit Hunderten von unbezahlten Statisten waren hier ungleich komplizierter als Tom Tykwers Arbeit einige Jahre zuvor in der benachbarten Friedrichstraße. Hier war 1997 nämlich nur eine Person zu dirigieren: die Schauspielerin Franka Potente. In „Lola rennt“ überquert sie gleich mehrmals den hergerichteten Pracht-Boulevard.

Berlin ist London und Paris zugleich

Lola rennt auch über den Gendarmenmarkt – auch wenn davon im Film wegen der begrenzten Perspektive nicht viel zu sehen ist. Immerhin ist bei dem deutschen Erfolgsfilm klar: Der Big Ben gehört nicht an die Spree. Das müsste nicht extra klar gestellt werden, hätte nicht 2003 die Filmproduktion von „In 80 Tagen um die Welt“ für Verwirrung gesorgt. Denn hier wurde der Turm des Londoner Big Ben digital in die Skyline Berlins eingefügt, und der Gendarmenmarkt wurde zum englischen Stadtplatz. Gedreht wurde hier die Rückkehr Phileas Foggs (Steve Coogan) von seiner Weltumrundung, die das Resultat einer Wette war. Als Zuschauer lässt man sich von der Stadtkulisse sicherlich gerne täuschen. Hätte Phileas Fogg aber bei seiner Weltreise so geschummelt wie die Filmindustrie, hätte er seine Wette sicherlich verloren.

Kontakt zum Autor: Markus Münch