Stadt & Szene

Balanceakt auf schwankendem Gummiseil

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Einen Gurt von Baum zu Baum gespannt – fertigt ist das Slacker-Paradies.

Die Ausrüstung


Die Ausrüstung fürs Slacklining gibt es in Kletter- und Ourdoorläden. Es sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass das Equipment CE- oder UIAA-zertifiziert ist wie die im Klettersport üblichen Produkte.

Enorme Spannung


Denn eine Slackline steht unter enormer Spannung, und wenn das elastische Seil reißt, kann es zu einem lebensgefährlichen Geschoss werden. Benötigt werden neben dem Gurtband, das in unterschiedlichen Längen oder auch als Meterware angeboten wird, Rundschlingen, Karabiner und eine Ratsche zum Spannen.

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Sie tun es im Park. Und sie tun es immer öfter. Einfach einen Gurt von Baum zu Baum gespannt – fertigt ist das Slacker-Paradies. Slacklining, der Balanceakt auf dem schwankenden Gummiseil, hat auch in Berlin schon viele Anhänger. Unsere Autorin war hautnah dabei.

Ursprünglich war das Balancieren auf dem Gurtband nur eine Übungsmethode für Kletterer - um den Gleichgewichtssinn zu trainieren. Doch inzwischen entwickelt sich „Slacklining“ zur eigenständigen Trendsportart. Und das nicht nur in den USA im berühmten Kletterparadies Yosemite Valley, wo die Slack-Pioniere zu Hause sind. Längst ist der Trend über den großen Teich nach Deutschland geschwappt – und damit natürlich auch nach Berlin, in den Volkspark Friedrichshain beispielsweise. Fast täglich spannen hier die Slacker ihre Gurte von Baum zu Baum.

Vom Slacklining-Fieber gepackt

Einer von ihnen ist Raul Roque. Eher zufällig stieß der 30-jährige Mexikaner auf die Slacker-Community. Vor zwei Jahren entdeckte er seine Liebe zum Klettern. „Der Felsen mitten im Volkspark Friedrichshain bietet einfach eine gute Möglichkeit zum Trainieren.“ Und während er versuchte, an den glatten Felswänden Halt zu finden, spannten die Slacker um ihn herum munter ihre Seile. Eine ganze Zeit lang schaute Raul ihnen nur zu – bis ihn selbst das Slacklining-Fieber packte.

Zwei Tonnen trägt das blaue Band

Als er vor einem Jahr die ersten Schritte auf dem zweieinhalb Zentimeter breiten Schlauchband wagte, klappte es überhaupt nicht. „Am Anfang hatte ich das Gefühl, dass meine Füße nicht gerade, sondern schräg sind“, erzählt er und lacht. Doch er ließ sich nicht entmutigen – sondern kaufte statt dessen gleich ein 30 Meter langes Seil. In bester Qualität: Zwei Tonnen trägt sein blaues Band. Raul ist zwar längst noch nicht so weit, dass er die volle Länge brauchen würde – „aber zu wissen, dass ich die Ausrüstung dafür hab‘, spornt an.“

45 Meter über die Sandgrube

Nur ein paar Meter von Rauls zwischen zwei Eichen gespanntem Seil entfernt rüstet sich Mickie für seinen Gummiseilakt. Er ist sich nicht ganz sicher, ob er heute „mental in der Lage“ ist, sein selbst gestecktes Ziel zu erreichen. Über die Sandgrube – die sonst den Beachvolleyballern als Spielfeld dient – hinweg will er balancieren. Distanz etwa 45 Meter. Was er dafür braucht: Körperbeherrschung, Konzentration, Reaktionsvermögen und die Fähigkeit, das Gleichgewicht zu halten.

Schwingt das Seil zu heftig, gibt es keine Chance mehr

„Es kann schnell passieren, dass die Line anfängt, heftig zu schwingen“, kennt der 24-jährige Lehramtsstudent die Schwierigkeiten des Long-Distance-Slacklinings. Denn anders als beim Laufen auf einem stramm gespannten Drahtseil ist die Slackline in ständiger Bewegung. Leichte seitliche Schwingbewegungen sind sogar notwendig, um den Slacker im Gleichgewicht zu halten. Aber ist das Seil einmal zu heftig in Schwingung geraten, gibt es kaum mehr eine Chance, sich darauf zu halten. Nein, schlimm sei es nicht herunterzufallen, sagt Mickie. Schließlich ende der „freie Fall“ ja nach schlimmstenfalls zwei Metern im Sand. Es würde ihn einfach „bloß ärgern“.

Der echte Kick: auf der Highline zwischen zwei Hochhäusern

Ob Slacklining nicht gefährlich sei? Mickie schüttelt den Kopf. Nicht mehr als andere Sportarten auch, meinen er und Raul. Und am Anfang könne man ja eine Wäscheleine in Schulterhöhe spannen, um sich daran festzuhalten. Man dürfe sich eben nur nicht überschätzen. Klar reize es ihn, mal auf einer Highline zwischen zwei Hochhäusern zu balancieren, gibt Mickie zu. Dass wäre schon der echte Kick, zu wissen, dass sich da unter ihm ein „ganz schöner Abgrund“ auftue.

"Innerlich singen" hilft beim Training

"Aber erstens muss ich dafür noch verdammt viel trainieren. Und zweitens wird dann ja auf jeden Fall ein zweites Seil zur Sicherung gespannt.“ Auch Raul möchte gerne mal hoch hinaus – aber auch er weiß, dass er vorher noch reichlich auf der „Lowline“ üben und dabei „immer nach vorne schauen“ muss. Das hilft ihm, das Gleichgewicht zu halten. Zwar hat er kein Patentrezept, wie das Slacklining am besten zu erlernen sei, aber einen Tipp: Vielleicht sollte man „innerlich singen“. Nur wenn es „in Berlin ewig regnet“, ist Mickie ein wenig genervt, und Raul ergänzt: „Zu Hause üben – das geht bei diesem Sport eben nicht.“

Kontakt zum Autor: Katrin Starke


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Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010