Stadt & Szene

Poker Bluffen 692

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Das richtige Pokerface aufgesetzt – und schon kann (fast) nichts mehr schief gehen.

Wo in Berlin (legal) gepokert wird


Bad Beat Berlin veranstaltet Poker-Abende
montags ab 19 Uhr in der Sport Bar Cafe 19 an der Frankfurter Allee 248 (hier treffen sich vornehmlich Vereinsmitglieder) und
mittwochs ab 19 Uhr im Safe Berlin, Potsdamer Straße 76.
Nähere Infos unter: www.badbeatberlin.de

Um Geld spielen darf man nur in staatlichen Casinos. Beispielsweise in der Spielbank Berlin am Potsdamer Platz oder im Casino Berlin in der 37. Etage des Park Inn Hotels am Alexanderplatz.

Wo man Pokern lernen kann


Die Grundlagen des Spiels werden in Workshops der Poker-Schule Dioperdona vermittelt, die Henry St. Llamar im Januar dieses Jahres in Berlin eröffnet hat. Dioperdona legt Wert darauf, „den Mythos Poker auf die Wahrheit zu reduzieren“. Heißt: „Wer in diesem Spiel dauerhaft überleben will, muss Überdurchschnittliches leisten“, sagt Henry St. Llamar. In seinem individuellen Pokertraining versucht er, Spieler auf die Herausforderung des Spiels vorzubereiten und sie während ihrer Karriere zu begleiten. Nähere Infos unter: www.dioperdona.com

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Für Greenhorns


Ziel des Spiels ist es, eine möglichst hochwertige Kombination aus fünf Karten auf die Hand zu bekommen.

Kleines Pokerlexikon


All-in: Ein Spieler setzt alle Chips.
Bluffen: Durch seinen Einsatz erweckt der Spieler bei schwachen Karten den Eindruck von Stärke oder bei einem guten Blatt den Eindruck von Schwäche.
Call: den Einsatz mitgehen.
Flop: die ersten drei Karten, die gleichzeitig offen auf den Tisch gelegt werden.
Flush: fünf Karten von beliebigem Wert, aber alle von gleicher Farbe, z. B. fünf Pik-Karten.
Full House: drittbeste Hand. Kombination von Drilling und Paar. Beispiel: drei Asse und zwei Buben.
River: die letzte Karte, die offen auf den Tisch gelegt wird.
Royal Flush: bestmögliche Hand – ein Straight Flush mit dem Ass als höchste Karte. Die Chance, in einem Spiel einen Royal Flush zu bekommen, liegt bei 1 : 65.000.
Straight Flush: zweitbeste Hand. Fünf Karten in Folge und von einer Farbe.
Straße (Straight): fünf Karten von verschiedenen, aber lückenlos aufeinander folgenden Werten. Die Farbe der Karten spielt dabei keine Rolle.
Texas Hold’em: die wohl am weitesten verbreitete der unzähligen Varianten des Pokerspiels. Jeder Spieler bekommt zwei verdeckte Karten. Fünf Karten kommen offen auf den Tisch. Die besten fünf aus diesen insgesamt sieben Karten ergeben das gültige Blatt. Eine weitere beliebte Variante ist Omaha Hold’em.


Das Pokerfieber ist ausgebrochen – und zwar nicht erst, seit Daniel Craig als James Bond in „Casino Royale“ alles auf Sieg gesetzt hat. Nach Schätzungen der „German Poker Players Association“ (GPPA) pokern hierzulande inzwischen acht Millionen Menschen. Auch in Berlin legen immer mehr mit dem Pokervirus Infizierte die Karten auf den Tisch.

Der DJ legt chillige Musik auf. Im Hintergrund läuft eine Fernseh-Quizshow auf der Großbildleinwand. Der Raum ist in rötliches Licht getaucht. Mal geht ein Bier, mal ein Energy-Drink über den Tresen. Alles im Safe-Club deutet auf einen ganz normalen Discoabend hin. Doch etwas ist anders: Niemand tanzt, niemand steht herum. Diszipliniert sitzen die Besucher – unter den rund 120 Gästen nur etwa eine Handvoll Frauen – an wabenförmigen Tischen. Pokertischen. An diesem Abend ist Pokern angesagt im Safe. Gespielt wird Texas Hold’em. Doch das, was man üblicherweise mit Poker verbindet, sucht man hier vergebens.

Bye-bye, Al Capone!

Statt des schwarzen Anzugs mit den von Geldscheinbündeln ausgebeulten Hosentaschen tragen die Gäste Jeans, T-Shirt und ein Basecap mit dem Schirm nach hinten. Niemand raucht dicke Zigarren. Niemand versucht, die nervösen Blicke auf die Karten, die in der Mitte des Tisches aufgedeckt liegen, mit dunklen Sonnengläsern zu kaschieren. Eine neue Pokergeneration trifft sich zum großen Bluffen. Das sind junge Leute, die einfach Spaß haben am Spiel und bei denen nicht das Dollarzeichen in den Augen blitzt, wenn sie ihre „Straßen“ und „Vierlinge“, ihr „Full House“ oder ihren „Flush“ legen.

Alles gesetzt – und verloren

„Es ist eine tolle Möglichkeit, gemeinsam mit Freunden etwas Spannendes zu erleben“, sagt Jörn und schaut auf sein Blatt: Herz Dame und Herz König hat der 21-jährige Informatikstudent auf der Hand. Er entscheidet sich für „all-in“, setzt alle Chips – und verliert. Schweißperlen stehen ihm deswegen nicht auf der Stirn. „Wir spielen nicht um Geld“, macht Stefan Schüttler, Präsident des Pokerclubs Bad Beat Berlin, deutlich – des Vereins, der zusammen mit der Pokerschule Dioperdona und dem Safe die Pokerabende ausrichtet.

Als Gewinn ein Gutschein für die Meisterschaft

Bad Beat Berlin habe das Monopol in der Stadt, erzählt Schüttler – als einziger nichtkommerzieller Pokerverein. Ohne Eintritt geht’s in den Club, ohne finanziellen Obolus erhalten die Spieler ihre Chips – weiße zu 25, rote zu 100, schwarze zu 500 Punkten. Gesamtwert: 2.500 Punkte. Statt des großen Geldes winkt den besten Spielern die Teilnahme an der 1. Offenen Berliner Pokermeisterschaft, die Bad Beat Berlin am 2. Dezember 2007 veranstaltet.

Heraus aus den dunklen Hinterzimmern

Bad Beat Berlin – vor gut einem halben Jahr von einem Dutzend Leuten auf Initiative Schüttlers gegründet und heute schon rund 160 Mitglieder stark – ist angetreten, um das Pokerspiel gesellschaftsfähig zu machen. „Poker ist wie das Leben selbst. Mal hat man Glück, dann meint es das Schicksal wieder gar nicht gut mit einem. Poker bietet eine hervorragende Möglichkeit, spielerisch den Umgang mit einem Schicksalsschlag, aber auch mit Glücksträhnen zu trainieren“, ist Schüttler überzeugt.

So kommt auch der Name des Vereins nicht von ungefähr: Bad Beat steht in der Pokersprache für einen herben Verlust, wenn man das Spiel schon sicher gewonnen zu haben glaubt. Außerdem sei Poker gut geeignet, Selbstbeherrschung zu üben und die Beobachtungsgabe zu schärfen, sagt der 35-jährige Psychotherapeut. „Wer bei uns spielt, muss nicht überzeugt werden. Den hat das Pokerfieber bereits gepackt.“

Im Internet fehlt nicht nur das Pokerface

Schüttler selbst entdeckte vor anderthalb Jahren sein Faible fürs Pokern. „Durchs Fernsehen.“ Bis er sich mit dem Pokervirus infizierte, galt seine Leidenschaft dem Schachspiel. „Beim Schach ist man selbst verantwortlich für den Spielverlauf. Beim Roulette dagegen ist alles nur Glück. Poker steht dazwischen.“ Als Mischung aus Glücks- und Kompetenzspiel, aus Mathematik und Psychologie „und Kybernetik“, betont Schüttler, der vor Gründung von Bad Beat Berlin öfter im Internet gepokert hat. Ob das den gleichen Spaß mache? „Onlinepoker zu Livepoker – das ist wie Onlinesex zu echtem Sex.“

Kontakt zum Autor: Katrin Starke


Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010