Stadt & Szene

Wo war die Mauer?

Bild vergrößernMauer2 320

An vielen Stellen erinnern nur noch in den Boden eingelassene Tafeln an die Berliner Mauer.

Stadt ohne Mauer


Wie sieht es heute eigentlich in den Straßen aus, die bis 1989/90 von der Mauer durchzogen wurden? Machen Sie sich ein Bild über die Veränderungen in Tiergarten, Mitte und Kreuzberg - unsere Bilderstrecke zeigt Straßenzüge und Plätze des Grenzgebietes, wie Fotografen sie in den 80er-Jahren dokumentiert haben, und vergleicht sie mit ihrem heutigen Zustand.

Bild vergrößernMauer4 320

Auf Spurensuche: Bei Kinderführungen erfahren die Kleinen anschaulich, wie es zum Mauerbau kam.

Mehr Infos und Buchtipps

… gibt's hier


StattReisen Berlin, Malplaquetstraße 5, 13347 Berlin, www.stattreisenberlin.de

Gedenkstätte Berliner Mauer, Bernauer Straße 111, 13355 Berlin, Tel. 4 64 10 30, www.berliner-mauer-gedenkstaette.de

Mauermuseum – Museum Haus am Checkpoint Charlie, Friedrichstr. 43-45, 10969 Berlin-Kreuzberg; täglich von 9 bis 22 Uhr geöffnet; www.mauermuseum.de

Weitere Links:
www.stadtentwicklung.berlin.de
www.chronik-der-mauer.de
www.berlinermaueronline.de

Buchtipps:
• Mauerreste–Mauerspuren – Axel Klausmeier, Leo Schmidt, Westkreuz-Verlag, 14,90 Euro
• Berliner Mauer-Radweg – Bikeline Radtourenbuch – Michael Cramer, Esterbauer Verlag, 9,90 Euro
• Die Berliner Mauer – Geschichte eines politischen Bauwerks – Thomas Flemming, Hagen Koch, Bebra Verlag, 16,90 Euro

Eine Spurensuche für Kinder und Familien

Die Berliner Mauer ist Geschichte. Seit ihrer Öffnung 1989 verschwand sie nach mehr als 28 Jahren schneller wieder aus dem Stadtbild als von den für den Bau verantwortlichen Politikern geplant. Dennoch verbindet wohl jede Berliner Familie eine ganz eigene Geschichte mit der Mauer. „Zu unseren Kinderführungen ,Vor der Mauer – hinter der Mauer‘ kommen viele Eltern mit ihren Kindern, weil sie dem Nachwuchs zeigen wollen, was die Mauer für sie bedeutet hat“, sagt Tobias Nahlik, der Touren für den Sightseeing-Anbieter StattReisen leitet.

Tag und Nacht im Scheinwerferlicht

An dem einzigen vollständig erhalten und 1990 unter Denkmalschutz gestellten Mauerstück an der Bernauer Straße erklärt er, dass es sich nicht einfach nur um eine Mauer handelte, sondern um einen mindestens 30 Meter breiten Grenzstreifen mit Signalzaun, Hundelaufanlage, Kontrolltürmen, einem Kolonnenweg und zwei Mauern, der Tag und Nacht hell erleuchtet wurde von riesigen Scheinwerfern.

Haus im Osten, Bürgersteig im Westen

„Aber warum gab es denn eigentlich eine Grenze, wenn auf beiden Seiten Deutschland war?“, möchte die achtjährige Hannah aus Zürich wissen. Tobias Nahlik holt seinen eigenen alten DDR-Reisepass, DDR-Geld und alte Stadtpläne heraus und erklärt anschaulich, wie es nach dem Zweiten Weltkrieg zur Teilung Deutschlands, zur Besetzung durch die Alliierten und zum Mauerbau kam. Dann weist er die Kinder auf die Häuserschneise entlang der Bernauer Straße hin und erklärt mit Hilfe alter Fotos, dass früher Häuser auf dem heutigen Mauerstreifen standen, deren Gehweg schon zum Westteil der Stadt gehörte. Ein Vater erinnert sich an die Geschichte seines Onkels, der in Ostberlin wohnte: „Am Abend des 12. August 1961 hatte er sein Auto in einer Straße geparkt, die im Westen lag. Am nächsten Morgen war vor seinem Haus alles mit Stacheldraht abgezäunt und das Auto für ihn nicht mehr zu erreichen.“

Diskussionen für die ganze Familie

Solche und ähnliche Geschichten erzählen die Eltern häufig während der Touren, so der Erziehungswissenschaftler Tobias Nahlik. Oft entwickeln sich daraus Gespräche mit der ganzen Familie, die immer sehr bewegend seien. Die Tour endet nach anderthalb Stunden an der Kapelle der Versöhnung, die auf dem Grundstück der 1985 gesprengten Versöhnungskirche steht.

Durch den Fluchttunnel in den Westen

Den Spuren der Mauer kann man aber von hier aus auf der Bernauer Straße noch weiter folgen. Zwischen wildem Gebüsch erkennt man den Kolonnenweg, und im Straßenboden ist der Verlauf der Mauer durch eine Doppelreihe Kopfsteinpflaster sichtbar gemacht. Die Schautafeln „Geschichtsmeile Berliner Mauer“ erzählen von Sprüngen aus Fenstern und über Stacheldrahtzäune und von Fluchttunneln, Rettern und Verrätern. Anschließend lohnt sich noch ein Bummel durch den Mauerpark. Wo früher Wachhunde der DDR-Grenztruppen an hunderte Meter langen Leinen hin- und herliefen, buddeln heute Kinder im Sandkasten. Daneben spielen Jugendliche auf der Gitarre, und Nachwuchsjongleure werfen Bälle in die Luft. Wer den Blick in Richtung Jahn-Stadion schweifen lässt, erkennt unmittelbar davor ein etwa 100 Meter langes Stück der ehemaligen Hinterlandmauer.

Wem nach so viel Geschichte der Sinn nach einem leckeren Stück Kuchen und einem Milchkaffee oder nach einer Käsestulle mit Limo steht, dem sei das Café Niesen in der Schwedter/Korsöer Straße empfohlen. Kinder sind hier sehr willkommen, für die Kleinen liegen Spielzeug und Bücher bereit. Frisch gestärkt oder an einem anderen Tag könnte die Mauerspurensuche dann zur Mühlenstraße nach Friedrichshain führen.

Gefühl der Unüberwindbarkeit

Dort ist ein rund 1,3 Kilometer langer Abschnitt der Mauer erhalten geblieben – die sogenannte East Side Gallery. Durch die bunten Bilder und Graffitis bekannter und unbekannter Künstler hat die Mauer zwar von ihrem Schrecken verloren, aber sie vermittelt noch immer das Gefühl der Unüberwindbarkeit. Dass sie dann doch fiel, löste in der ganzen Welt Freude aus. So spendeten die Japaner eine Million Euro, um den ehemaligen Grenzstreifen mit Kirschbäumen zu bepflanzen. 1996 wurden etwa tausend dieser Bäume zwischen Teltow und Lichterfelde Süd gepflanzt und bilden heute eine wunderschöne Allee. Aber Spurensucher finden in dieser Idylle noch Zäune und Betonpfeiler, die vom Kapitel der deutschen Teilung zeugen.

Mit dem Rad der alten Mauer folgen

Wer sich mit seinen Kindern auf eigene Faust auf die Suche nach der fast verschwundenen Mauer machen will, findet viele Informationen und Fotos, die sich zum Erklären und Zeigen der historischen Entwicklungen eignen, in Büchern und im Internet. Darüber hinaus bietet die Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße verschiedene Führungen und Fahrradtouren an.


Hier geht's zur Bilderstrecke mit alten Mauerfoto, die Sie zur Stadtentdeckungstour einladen.

Kontakt zum Autor: Anja Köhler


Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010