Absacker mit Wasserblick

Blick auf die untergehende Sonne: Die "Alte Liebe" hat an einer besonders romantischen Stelle der Havel festgemacht.
Auf der Hoppetosse vor der Arena Berlin können die Gäste essen, trinken und Partys feiern.
Am Urbanhafen buhlen gleich mehrere Restaurantschiffe um Gäste.
Berlin, deine Gastro-Schiffe
Adressen und Kontakt
Patio, Café, Bar, Restaurant, Kirchstraße / Helgoländer Ufer, Tel. 40 30 17 00, Mo. - Fr. 10 bis 1 Uhr, Sa. und So. 9 bis 1 Uhr, www.patio-berlin.de
Iskele [z.Zt. geschlossen], Am Planufer 82, Kreuzberg, Tel. 0177 311 00 55, tgl. 12 bis 1 Uhr, www.iskele-berlin.de
Van Loon, An der Baerwaldbrücke, Carl-Herz-Ufer, Kreuzberg, Tel. 692 62 93, tgl. 10 bis 1 Uhr, www.vanloon.de
Klipper am Plänterwald, Ende der Bulgarischen Str., zwischen Plänterwald und Treptower Park, Treptow, Tel. 53 21 64 90, tgl. 10 bis 1 Uhr, www.klipper-berlin.de
Hoppetosse, Eichenstraße 4, Treptow, Tel. 53 32 03 40, Mo. - Fr. ab 12 Uhr, Sa. ab 14 Uhr, So. und Feiertage ab 11 Uhr, www.arena-berlin.de
Spreearche, Müggelschlösschenweg am Wald, Köpenick-Friedrichshagen, von April bis Oktober werktags ab 15 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen ab 12 Uhr, Tel. 0172 304 21 11, www.spreearche.de
Alte Liebe, Havelchaussee 107, Höhe Am Postfenn, Charlottenburg, Tel. 304 82 58, tgl. 12 bis 22 Uhr, www.alte-liebe-berlin.de
Das Schiff "Iskele" ist berühmt für seine große Fischkarte und türkische Spezialitäten.
An Bord fast aller Restaurantschiffe herrscht reges Treiben – ob schwimmende Blockhütte, Edel-Lounge oder Partyschiff – die Berliner feiern, schlemmen und trinken dort. Mit einer traumhaften Aussicht auf Natur und Sonnenuntergänge. Doch zuweilen ist Seetauglichkeit gefragt.
Das leichte Schunkeln verrät, dass sich die elegante Lounge nicht auf festem Terrain befindet. Oder liegt es vielleicht doch an den köstlichen Cocktails, dass man beschwingt in seinem Clubsessel sitzt? Egal. Das Patio, einen Katzensprung vom Schloss Bellevue entfernt, ist eine feine Adresse. Angedockt hat hier Mathias Böhme. Fünf Jahre hat es gedauert, bis der 39-jährige Gastronom, der bisher als Barkeeper und Barista gearbeitet hatte, sich seinen Traum vom Restaurantschiff erfüllen konnte.
Mitten in der Stadt, aber zugleich Oase der Ruhe
„Für so ein Projekt braucht man einen langen Atem, aber die Mühen haben sich gelohnt“, sagt der gelernte Gastronom, der das Schiff mit Hilfe des KompetenzCenters Gründungen und Unternehmensnachfolge der Berliner Sparkasse finanziert und das Design aus edlem Holz, viel Glas, grünem Gestühl und braunen Clubsesseln selbst kreiert hat. „Dieser Platz war meine erste Wahl, denn die Gegend bietet beste Voraussetzungen: Sie ist mitten in der Stadt, aber zugleich eine Oase der Ruhe. Mir gefällt, dass tagsüber durch das Bundesinnenministerium und die Büros viel Leben herrscht, abends dagegen Entspannung angesagt ist.“
Ein Sushimeister fertigt die Reisröllchen
Das umgebaute Wohnschiff ist eine Augenweide: Hier ist alles rund oder geschwungen. Die Aussicht aufs Wasser und die hochherrschaftlichen Gebäude auf der gegenüberliegenden Seite: traumhaft. Im oberen Teil des Schiffs befindet sich das Tagesrestaurant, überdacht von einem gewölbten Glasdach. Zwei Sonnendecks laden zum Relaxen bei gutem Wetter ein. Wer will, startet am Wochenende früh um 9 Uhr mit Frühstück. Außerdem werden kleine Snacks und Mittagsgerichte angeboten. Und für die süßeren Gelüste kann man sich dann nachmittags auf diverse Kaffeespezialitäten und schmackhaften Kuchen freuen.
Wer die Stufen in den unteren Teil des Kahns heruntersteigt, entert das für abends eingerichtete Restaurant mit eigener Bar. Betont „loungig“ ist hier die Atmosphäre. Eine Front aus Panoramafenstern mit Schiebetüren lockt zum oben erwähnten Cocktailschlürfen mit direktem Wasserblick. Ab 18 Uhr können die Gäste dort ihren Absacker nach Büroschluss trinken und an den edel eingedeckten Tischen speisen.
Zu türkischen Fischspeisen noch eine Wasserpfeife
Schon seit vielen Jahren in Sachen schwimmende Gastronomie ist das auf türkische Fischspezialitäten setzende Iskele dabei – ein echter Klassiker. Das mehr als 100 Jahre alte Schiff fungiert am Urbanhafen bei seinen Fans als Café, Bar, Restaurant und Biergarten. 21 Sorten Fisch und andere Meeresbewohner wandern dort in die Pfanne und auf den Tisch – von Muscheln über Oktopus bis hin zum Seeteufel. Jedes Jahr im Sommer tummeln sich hier bis zu 300 Menschen, die marinierte Sardellenfilets, gebackene Auberginen oder Babysteinbutt genießen wollen. Das i-Tüpfelchen nach einem langen Arbeitstag: eine Wasserpfeife. Aufgrund eines Brandvorfalls im letzten Jahr, befindet sich das Restaurantschiff zurzeit leider in der Renovierungsphase, doch schon ab Ende Sommer sollen sich hier die Luken wieder für alle Feinschmecker und Landratten öffnen können.
Szenekahn mit Schwestern
Wer von Schiffen immer noch nicht genug hat, kann, nur einen Katzensprung entfernt, ein weiteres Restaurantschiff entern. An der Baerwaldbrücke, am Carl-Herz-Ufer, liegt die Van Loon. Der ausgediente Kahn wurde mit einer hölzernen Plattform verbunden und bereits vor Jahren zum Szene-Treff erklärt. Schon morgens kommen Fans zum Frühstücken. Mittags gibt es mediterrane Gerichte und abends werden Cocktails serviert oder Bier getrunken. Wer es bewegter braucht, steigt einfach auf die Schwesterschiffe Philippa oder Josephine um. Die Josephine ist von Ostern bis Mitte Oktober im Einsatz und die Philippa sogar das ganze Jahr über. Dabei bieten beide regelmäßig kulinarische Rundfahrten zum Brunchen oder Lunchen an.
Direkt am Gastroschiff anlegen
Doch auch weiter im Osten haben Schiffe angelegt. Etwa der Klipper, ein umgebauter Wattenmeer-Frachtsegler von 1890, der an der Insel der Jugend, zwischen Plänterwald und Treptower Park, vor Anker gegangen ist. Deutsche, gutbürgerliche Küche wie Helgoländer Krabbencocktail, hausgemachte Serviettenknödel auf vegetarischer Pilzpfanne und Filet vom Kräutermatjes erwarten die hungrigen Gäste. Ein Schmankerl: Der Fisch ist selbst geräuchert und der Kuchen selbstgebacken. Und wer mit seinem Sportboot anreist, braucht nicht über die Brücke zu laufen, er kann sogar direkt am Schiff anlegen.
Traumhafter Sonnenuntergang inklusive
Einen hohen Szene-Faktor indes kann die Hoppetosse für sich verbuchen. Das Salonschiff von 1934 blickt auf eine spannungsreiche Vergangenheit zurück: Im Zweiten Weltkrieg zunächst als Lazarettschiff genutzt, im Kriegsverlauf zerstört, ging es schließlich auf Grund. Dann wurde es geborgen, wieder seetauglich gemacht und dient heute als Party- und Veranstaltungsschiff von Arena- und Admiralspalast-Chef Falk Walter. Gleich vor seiner Arena gelegen, dient es tagsüber als Café und Restaurant. Seine Besucher schätzen das geräumige Deck, das mit weißen Sitzbänken edel eingerichtete Unterdeck und natürlich die großzügigen Sonnenterrassen. Abends haben hier feierwütige junge Leute freie Fahrt, die zu Indie, Latin House, Reggae und Ragga bis in die frühen Morgenstunden tanzen. Der Ausblick auf das nächtliche Berlin – mit Oberbaumbrücke, Universal und dem blinkenden Alex - ist inklusive. Und wer sich morgens nach durchtanzter Nacht erfrischen möchte, springt einfach ins kühle Nass des schwimmenden Badeschiffs, das ab acht Uhr morgens geöffnet hat und an der Strandbar Latte Machiato mit Croissants anbietet.
Schwimmendes Blockhaus in Köpenick
In der Spree-Arche in Köpenick geht es dagegen richtig rustikal zu. Frank Cotte hat das schwimmende Blockhaus eigenhändig gezimmert und mit ihm auf der Müggelheimer Seite der Spree angelegt. Spaziergänger, Wanderer und Bootsfahrer kehren hier im Unterdeck, an Deck und auf der Sonnenterrasse ein, um Gegrilltes aus Berliner und Brandenburger Gewässern, Scampi-Spieße, Steaks oder Soljanka zu speisen. Nachmittags gibt es „ganz solide“ Kaffee und Kuchen.
Klingeln – und rauf geht's aufs Schiff
Auf der Spree-Arche ist allerdings – anders als bei ihren anderen Artgenossinnen – Seetauglichkeit vonnöten: Wer nämlich das schwimmende Blockhaus entern will, muss am Ufer ein Klingelknöpfchen bedienen. Dann braust Müggelspree-Pirat Cotte mit seinem motorisierten Ruderboot an und schippert seine Gäste schließlich zu den gut gefüllten Tellern.
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Autor:
Katja Winckler
Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010