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Wenn das Herz zu brechen droht …

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Beziehung kaputt. Am Boden zerstört. Wie soll es weitergehen?

Liebeskummer – da denkt man oft an zwei Teenies, die ein bisschen rumknutschen, bis einer plötzlich keine Lust mehr hat und der andere unter Herzschmerz leidet. Aber Erwachsene und Liebeskummer? "Das wird bisweilen nur belächelt – bis es einen selber eiskalt erwischt und einem den Boden unter den Füßen wegreißt", erzählt Silvia Fauck. Die staatlich geprüfte psychologische Beraterin betreibt in Wilmersdorf Berlins erste Liebeskummer-Praxis.

Bild vergrößernSilvia Fauck

Silvia Fauck hilft, wenn es keinen Ausweg zu geben scheint.

Nach ihrer Ausbildung an der Hamburger Paracelsus-Schule eröffnete sie vor sechs Jahren ihre erste Praxis für psychologische Beratung in der Hansestadt. Sie beriet bei alltäglichen Lebenskrisen wie Mobbing, Krankheit oder Tod des Partners sowie beim Burn-out-Syndrom. Doch die meisten ihrer Klienten kamen mit Beziehungsproblemen. Und selbst bei denen, die erst über ihre Arbeit klagten, stellte Silvia Fauck oft fest, dass es eigentlich nicht im Job, sondern in der Beziehung knirschte. Da lag es nahe, sich ganz auf Liebeskranke zu konzentrieren. Seit ihrem Umzug nach Berlin berät sie in ihrer Praxis am Hohenzollerndamm 199.

Männer weinen hemmungslos

Zu ihr kommen Menschen zwischen Anfang 20 und Mitte 70. In der Mehrheit Männer, manche völlig aufgelöst. "Weil die sich in ihrem Umfeld nicht aussprechen, vor Freunden die Heile-Welt-Fassade aufrecht erhalten", weiß Fauck. Erst in ihrer Praxis lassen die Männer ihren Kummer raus, weinen hemmungslos. Anders die Frauen. Die haben vorher bei Freundinnen ihr gebrochenes Herz ausgeschüttet, bei Kolleginnen, bei ihrer Friseurin. „Frauen kommen erst, wenn sie merken, dass sich alle privaten Gespräche im Kreis drehen“, sagt Silvia Fauck. Dafür bleiben sie länger und kommen bis zu einem Dutzend Mal in die Liebeskummerpraxis. Männer dagegen legen ihren Herzschmerz durchschnittlich nach sechs Besuchen ad acta.

 
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Und beim nächsten Mal? Frauen versuchen, aus gescheiterten Beziehungen zu lernen.

Der Nächste, bitte


Eine Sitzung in der Liebeskummer-Praxis schlägt mit 50 bis 150 Euro zu Buche. Bevor das gebrochene Herz zum Notfall wird, kann allerdings auch telefonisch Rat eingeholt werden unter 0900 - 510 23 74 (1,89 Euro/Min.). Infos: www.liebeskummer-praxis.de

Außerdem Hat Silvia Fauck zusammen mit Helga Felbinger einen Ratgeber geschrieben: "Liebeskummer – Wenn das Herz zu brechen droht", Kreuz-Verlag, 14,95 Euro.

Sex beschleunigt den Heilungsprozess

Silvia Fauck hört zu, gibt praktische Tipps. "Ich helfe meinen Klienten, ihre Gedanken zu ordnen, gebe ihnen Kraft und Motivation, um ihr Problem zu lösen", sieht sie sich als eine Mischung aus Psychologin, Mutter, Pfarrerin und Freundin. Nach der Trauerarbeit gehe es darum, dass die Klienten wieder Vertrauen zu sich und anderen fassen – und Mut zu einer neuen Partnerschaft finden. "An diesem Punkt sind die Männer oft schon wieder weg", erklärt Fauck. Sie seien bedeutend schneller in der Lage, wieder sexuelle Kontakte aufzunehmen, "Beziehungshopping" sei für sie ganz normal. "Während bei Männern Sex den Heilungsprozess beschleunigt, sind Frauen gar nicht in der Lage, sich auf einen neuen Partner einzulassen, so lange sie noch trauern." Und: "Frauen wollen aus der gescheiterten Beziehung lernen – damit sie nicht in gleiche Muster verfallen."

Junge Singles scheitern in der Liebe

Aber es sind nicht nur die Betrogenen oder frisch Verlassenen, die in der Liebeskummer-Praxis Rat suchen. Oder diejenigen, die durch eine jahrelange Beziehung zu einem verheirateten Partner zermürbt sind. Es kommen auch die, die ihren Partner betrügen – "die nach langen Ehejahren eine Affäre haben, in die sie gar nicht viel Gefühl investieren wollten und dann merken, dass sie sich verliebt haben und plötzlich zwischen zwei Stühlen sitzen". Und es sind auch Singles zwischen Anfang und Ende 30 unter den Klienten, die "toll aussehen, im Beruf Erfolg haben, gut verdienen" und in der Liebe immer wieder scheitern. "Eine Zeiterscheinung", sagt Silvia Fauck und führt das Phänomen darauf zurück, "dass sich Rollenbilder verändern und die erfolgreiche Managerin vielleicht nicht mehr das brave Schnuckelchen ist".

Schlussstrich per Fax

Auch Silvia Fauck hatte in der Liebe nicht immer Glück. Als sie vor einigen Jahren von ihrem Partner verlassen wurde, informierte der sie über den Schlussstrich per Fax. "Ich weiß, was es heißt, betrogen zu werden, ohne etwas zu ahnen. Mich hat es knallhart getroffen – davon profitieren meine Klienten", sagt Silvia Fauck heute und fügt hinzu: "Ein Faxgerät gibt es bei mir seit der Erfahrung von damals nicht mehr."

Kontakt zum Autor: Katrin Starke


Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010