Stadt & Szene

Fahr Dich glücklich!

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Durch den Frühling "gerollert": Die drei Vespa-Fahrer erkunden auf ihren Scootern das Areal rund um den Hauptbahnhof. Fotos: Andreas Riedel

Roller-Clubs


Vespalinge (Die Mitglieder treffen sich regelmäßig, um Touren ins Um- und Ausland zu machen), Telefon: 030-775 12 66, www.vespalinge.de

Morlocks Scooter Gang www.hardmod.de

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In Berlin gibt es mehrere Vepa-Clubs. Deren Mitglieder treffen sich zum gemeinsamen "Rollern" durch die Stadt.

Verkauf neuer Roller


Roller-Scholz, Wiesendamm 37–39, Spandau, Telefon: 030-30 30 84 0. Weitere Filialen in Mariendorf, Friedrichshain, Treptow-Köpenick und Marzahn www.roller-scholz.de

Rollerparadies, Spandauer Damm 61, Charlottenburg, Telefon: 030-32 60 26 69, www.rollerparadies.de

Oldtimer


Vespino, Kastanienallee 40, Mitte, Telefon: 030-21 46 41 25.

Vespas und andere Motorroller stehen nicht nur für ein hippes Lebensgefühl. Sie sind auch ein praktisches und kostengünstiges Fortbewegungsmittel. Ob Oldtimer oder hochmodernes Zweirad – der Flirtfaktor an der Ampel ist groß.

Thomas Wludarczyk ist seit 25 Jahren süchtig. Seine Einstiegsdroge: ein „PX 80er” Vespa-Roller. Seitdem er 18 ist, fährt er Roller. Das sei für ihn besser als jede Therapie: „Wenn ich Stress habe, setze ich einfach den Helm auf und fahre los. Geht das mal aus Zeitgründen nicht, bekomme ich Entzugserscheinungen.“

Mit Gleichgesinnten, die wie er auf italienisches Lebensflair stehen, traf er sich immer sonnabendnachmittags am Theodor-Heuss-Platz. „Von dort fuhren wir unsere Roller in der Gegend spazieren oder zu Rollertreffen mal nach Hamburg rüber“, erzählt der Lichtenrader. Seit Anfang der neunziger Jahre ist er Mitglied im Roller-Club „Vespalinge“, einem Verein von Leuten zwischen 20 und 70, die sich regelmäßig treffen und Fahrten ins Um- und Ausland machen.

Jeder Roller fährt sich anders

Rund ein Dutzend Roller ist der 43-Jährige, der heute als Beamter arbeitet, in all den Jahren gefahren. Noch immer hat er mehrere Roller in der Garage stehen: Seine „PX200” aus den Achtzigern ist fürs tägliche Fahren. Die „Rally“, Baujahr 1974, liebt er wegen ihres besonders weichen Fahrgefühls. „Außerdem hat sie durch ihre vielen Gebrauchsspuren und Dellen eine gewisse Patina.“

Die „GS/4“ aus den Sechzigern indes mag er wegen ihrer geschwungenen Formen. Und seine alte „Sprint“ hat er persönlich in der Garage wieder auf Vordermann gebracht. Wludarczyk schwört auf Retromodelle - die man in den letzten Jahren verstärkt durch Berlins Straßen knattern hört.

Schwalbe, Simson oder Vespa?

Der Roller boomt. Ob Schwalbe, Simson oder Vespa: Immer mehr trendbewusste Leute steigen auf die flotten Zweiräder um. Wer im Anzug oder in Stilettos zum Job oder zum Date will, sieht auch nach der Fahrt mit dem Roller aus wie „aus dem Ei” gepellt. Und zum nächsten Badesee kommt man ebenfalls ohne weiteres. Ganz zu schweigen vom hohen Flirtfaktor an jeder Ampel.

Seit mehr als 60 Jahren gibt es diese stilvolle Möglichkeit der Fortbewegung. Und die Nachfrage nach den geschwungenen Gefährten steigt und steigt, sagen die Rollerhändler der Hauptstadt.

Die Qual der Wahl: Oldtimer oder Neuroller

Das Interesse an Originalrollern ohne Automatikschaltung steigt seit einigen Jahren stetig. Auf Oldtimer spezialisierte Läden in Berlin und Umgebung vermelden einheitlich ein verstärktes Interesse ihrer Kunden an klassischen Modellen. Besonders eines scheint dabei klar: Viele wollen nicht nur eine schicke Vespa oder Lambretta erstehen, sondern auch das dazugehörige coole Lebensgefühl.

Zu Guido Syska von „Roller-Scholz“ in Spandau oder zum „Rollerparadies“ in Charlottenburg kommen Leute, die einen modernen Roller mit Automatikschaltung wollen. Syska sieht den Trend zum Roller aus Kostengründen: „Die Deutschen wollen sparen. Und Rollerfahren ist im Vergleich zum Bus, Taxi oder Auto die günstigere Alternative. Außerdem findet man immer einen Parkplatz.“

Vorsicht vor asiatischen Billigrollern!

Doch er warnt vor der Welle von asiatischen Billigrollern, den sogenannten China-Krachern, die derzeit den Markt überschwemmen und für rund 750 Euro zu haben sind. „Wir haben viele Kunden, die mit ihren kaputten Billigrollern zu uns kommen und sich dann erst mal einen ordentlichen Markenroller für etwas über 1.000 Euro holen, denn alles Preisliche darunter ist Augenwischerei.“

Ohne Chrom geht gar nichts

Besonders beliebt sind die „Fuffziger“, die 50-Kubikzentimeter-Roller, denn die kann man als Besitzer eines normalen Pkw-Führerscheins fahren und kommt trotzdem gut durch den Berufsverkehr oder in die nähere Umgebung. Und schnittiger geht's immer: Der Laden „Vespino“ in Mitte bietet trendige Accessoires für den Roller an – vom Klemmspiegel über coole Vespa-Helme bis hin zu verchromten Einzelteilen.

Frauen ziehen nach

Noch sind die Rollerfahrer überwiegend männlich. Doch die Frauen ziehen nach. Beispielsweise die 42-jährige Annette Bojanowski, die wie Thomas Wludarczyk Mitglied bei den „Vespalingen“ ist. Mit 19 fuhr sie eine Primavera. Vor einigen Jahren erwachte die Lust, ihre Vespa-Leidenschaft wieder aufleben zu lassen. Jetzt fährt sie eine GT 125. Mit der war sie sogar für zweieinhalb Tage bei einem Vespa-Treffen im italienischen Turin. „Rund 5.000 Vespa-Fans hatten sich dort getroffen, um sich kennenzulernen, ihre Maschinen zu bestaunen und zu fachsimpeln. Außerdem sind wir im Korso durch die Stadt gefahren. Abends gab es ein Galadinner“, erzählt sie begeistert. Die erstaunlich bequeme Fahrt von Berlin nach Italien war für sie der Inbegriff von Freiheit.

Kontakt zum Autor: Katja Winckler


Zuletzt aktualisiert: 15.04.2011