Zwischen Schule und Shooting

Begehrter Darsteller in Werbespots und Filmen: Jungschauspieler Noah.
Kinder, die zum Film wollen, brauchen ein aufgeschlossenes Wesen und natürlich viel Spaß am Schauspiel. Neben einer natürlichen Ausstrahlung sind auch äußerst flexible Eltern Pflicht.
Noah muss neue Fotos von sich an seine Casting-Agentur schicken, denn ihm ist gerade der zweite Milchzahn herausgefallen. Jetzt zeigt sich eine breite Lücke, wenn er lacht. Und er lacht viel und gern. Es macht ihm aber auch keine Schwierigkeiten, auf Aufforderung zu lachen, was er als Darsteller in Werbespots und Filmen immer wieder unter Beweis stellt. Auf die Frage, ob er auch auf Bestellung weinen könne, sagt der Siebenjährige: “Klar, ich frage nach dem Grund zum Weinen, und dann weine ich, einfach so“.
Casting-Agenturen
Younger Models GmbH, Casting für Kids und Teens, Hackescher Markt 3, Mitte, Telefon 030-280 919 01, www.youngermodels.de
Agentur GESICHTER, Karin Müller-Grunewald, Am Wall 80, 14532 Kleinmachnow, Telefon 033203-827 12, www.agentur-gesichter.de
Casting-Agentur Irene Heyroth und Jacqueline Rietz, Dieselstr. 18, 14482 Potsdam, Telefon 0331-748 10 10, www.rietz-casting.de
Ixme Aydiho Agentur und Casting, Linienstr. 213, Mitte, Telefon 030-612 00 40, www.ixme.de
Seine ersten Filmerfahrungen sammelte er vor einem guten Jahr bei der Fernsehserie „Unter den Linden“ als Komparse. Er fiel einer Schauspielagentin auf, die ihn in ihre Agentur „Gesichter“ aufnahm. Seitdem wird er regelmäßig zu Castings eingeladen und für Rollen besetzt. „Ich spiele am liebsten auf der Bühne, weil es da Applaus gibt“, sagt er, und seine hellbraunen, großen Augen funkeln. Anfang des Jahres war er neben Nina Hoss im Deutschen Theater zu sehen.
Mit Zwang läuft nichts
Von einer solchen Karriere träumen viele Kinder – und noch mehr Eltern. „Uns ist es deshalb wichtig, herauszufinden, ob die Kinder selber Spaß am Modeln beziehungsweise Schauspielen haben oder ob die Eltern sie dazu drängen“, sagt Cecilia Ragan-Rabini, Geschäftsführerin der Agentur „Younger Models“. Etwa 630 Kinder zwischen null und 17 Jahren hat sie zurzeit in ihrer Kartei. „Die wichtigste Voraussetzung, um bei uns aufgenommen zu werden, ist ein aufgeschlossenes und natürliches Wesen“, betont sie.
Nichts für Schüchterne
Natürlich sei wichtig, dass die Kinder etwas Besonderes hätten, beispielsweise knallrote Haare oder auffallende Augen, aber wenn sie schüchtern seien oder vor Fremden Angst hätten, sei das nicht das Richtige für sie. „Das merken wir gleich beim ersten Casting, zu dem wir die Kinder bitten, deren Bewerbungsfotos uns gefallen haben“, so Cecilia Ragan-Rabini. Gegen eine Aufwandsentschädigung von 30 Euro stellt sie dann Set-Cards zusammen und schickt diese an Film-, Fernseh- und Werbeproduktionen.

Hat etwa 630 Kinder in ihrer Datei: Cecilia Ragan-Rabini von "Younger Models".
Wie sich Kids fit machen
Erfahrungen oder Unterricht im darstellenden Spiel sind keine Voraussetzung, erweisen sich aber oft als Vorteil. Schauspielkurse für Kinder ab sieben Jahren bietet unter anderem die Kinderschauspielschule an. In kleinen Gruppen lernen die Kinder, zu vorgegebenen Themen zu improvisieren oder altersgemäß auch mit Text zu arbeiten. In Camera Acting-Workshops können sie ein Wochenende lang die Arbeit vor der Kamera üben. „Dabei steht immer der Spaß und die Freude am Spiel im Vordergrund. Wenn die Kinder den nicht haben, gehen sie schnell wieder“, sagt Susann Amir-Moazami, die die Kinderschauspielschule vor zwei Jahren gegründet hat.
Wenn sich eine Film- oder Theaterproduktion für eines der Kinder von Younger Models entscheidet und der Auftrag zustande kommt, übernimmt Cecilia Ragan-Rabini die bürokratischen Angelegenheiten, wie Verträge und Rechnungen. Dennoch sei eine enge und zuverlässige Zusammenarbeit mit den Eltern wichtig, denn sie oder eine andere Vertrauensperson müssen die Kinder zu den Shootings begleiten – und das kann bis nach Südafrika gehen.
Eltern müssen ganz schön flexibel sein
Ganz so weit ging es für Noah noch nicht. Trotzdem bedeutet seine kleine Karriere für seine Mutter viel Hin- und Herfahrerei, und sie ist froh, einen flexiblen Arbeitgeber zu haben. „Wir nutzen die Zeit im Auto oft zum Text lernen“, erzählt sie, während Noah ein Lied auf dem nagelneuen Klavier spielt. Er hat es sich gerade von seiner Gage gekauft, welche er auf einem Konto bei der Berliner Sparkasse angespart hat.
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Autor:
Anja Koehler
Zuletzt aktualisiert: 07.06.2011