Hinaus in die weite Welt

Robert Gaudin war in Amerika.
Ein Schuljahr im Ausland macht Jugendliche selbstständiger und ist ein wichtiger Karrierebaustein.
„Nach zwei Monaten hatte ich meinen ersten Traum auf Englisch“, sagt Robert Gaudin, der elf Monate lang eine Schule im amerikanischen Bundesstaat Virginia besucht und bei einer amerikanischen Familie gelebt hat. Die erste Zeit sei hart gewesen, er habe wenig verstanden, bis 22 Uhr Hausaufgaben machen und sich an die neue Familie gewöhnen müssen, erzählt der gerade nach Berlin Zurückgekehrte.
Ein leichter amerikanischer Akzent ist geblieben
Der 18-Jährige hat seine Gastfamilie über Bekannte gefunden. Flugbuchung, Anmeldungen in der Schule, Betreuung vor Ort und die Erledigung von Formalitäten hat Ayusa-Intrax übernommen – eine von rund 70 Austauschorganisationen in Deutschland.
Die meisten Schüler zieht es in die USA. „Die Jugendlichen möchten den Riesen auf der anderen Seite des Ozeans kennen lernen, von dem sie schon so viel gelesen und gehört haben“, sagt Julia Birnstein, die für Ayusa-Intrax in Berlin arbeitet und selbst ein Schuljahr in den USA verbracht hat. Bewerben kann sich jeder Schüler, der zwischen 15 und 17 Jahre alt ist und mindestens einen befriedigenden Notendurchschnitt hat. Bewerbungsschluss ist jeweils der 31. März für den Beginn des Auslandsschuljahres im Sommer. „In Interviews schauen wir auch auf die kommunikativen Fähigkeiten, auf soziales Engagement und die Bereitschaft, sich auf andere Kulturen wirklich einzulassen“, betont sie. Denn das seien unverzichtbare Voraussetzungen für einen erfolgreichen Aufenthalt und ein gutes Auskommen mit der Gastfamilie. Die Bewerbungen werden dann an Partnerorganisationen in Amerika geschickt, die sich um die Aufnahme in einer Gastfamilie bemühen. Für 115 Berliner Schüler konnte Ayusa-Intrax im Schuljahr 2006/2007 einen Platz in den USA vermitteln, 30 weitere Schüler zog es in andere Länder, z. B. nach Japan, Argentinien oder Portugal.
Infos gegen Fernweh
Bücher
USA, Herausgegeben von der Stuttgarter Aktion Bildungsinformation, Preis: je 13 Euro (zzgl. 3 Euro Versandkosten)
Ein Schuljahr in den USA – Austauschorganisationen auf dem Prüfstand, Christian Gundlach und Sylvia Schill, Preis: 14,90 Euro
Als Gastschüler in den USA., Max Rauner, Preis: 14,90 Euro
Infos im Internet
www.abi-ev.de
www.schueleraustausch.de
www.schueleraustausch.net
Stipendien
www.nordlicht-stipendium.de
www.bundestag.de/jugend/ppp
www.auslandsbafoeg.de
Organisationen
AFS, Schillerstraße 59, Tel.: 030 - 49 78 56 10, www.afs.de
Ayusa-Intrax, Giesebrechtstraße 10, Tel.: 030 - 84 39 39 0, www.intrax.de
"Ich war so etwas wie ein Ersatzsohn"
„Familien in den USA, die Schüler bei sich aufnehmen, bekommen dafür kein Geld“, sagt die Sachbuchautorin Sylvia Schill. Deshalb suchen sich die Familien ihren Austauschschüler aus und nicht umgekehrt. Die meisten leben in ländlichen Gebieten und das Interesse am gemeinnützigen Kulturaustausch motiviere sie zur Aufnahme von ausländischen Kindern, ergänzt die Expertin. Robert Gaudin bestätigt das. Seine Gastfamilie gehöre zu den Besserverdienenden, ehrenamtliches Engagement sei wichtig und bringe gesellschaftliche Anerkennung in dem 2.000-Einwohner-Ort. „Für den Vater war ich so etwas wie ein Ersatzsohn. Er wollte oft mit mir zum Jagen, was er mit seinen drei Töchtern nicht machen konnte“, erzählt er.

Fotos erinnern Robert Gaudin an seine Zeit in den USA.
Manchmal stimmt die Chemie nicht
Nicht immer läuft alles so harmonisch. Es komme schon vor, dass die Chemie zwischen der Familie und dem Schüler nicht stimmt, aber das sei in der Regel kein Drama, so Julia Birnstein von AYUSA. „Dann suchen unsere Repräsentanten vor Ort eine andere Familie.“
Die Vorstellung, das eigene Kind einer fremden Familie fernab der Heimat zu überlassen, ist für viele Eltern nicht einfach. Umso wichtiger ist es ihnen, mit professionellen und vertrauenswürdigen Anbietern zusammenzuarbeiten. Aber woran soll man diese erkennen? „Besonders wichtige Qualitätsmerkmale sind das persönliche Bewerbungsgespräch und ein mindestens zweitägiges Vorbereitungsseminar vor der Abreise“, so Sylvia Schill, die regelmäßig Vorträge über das Auslandsschuljahr hält (Termine unter www.schueleraustausch.de).
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Lesen Sie zur VISA Prepaid-Karte auch den Beitrag "So zahlt man heute".
Bis zu 7.300 Euro kostet das Auslands-Schuljahr
Dort informiert sie u.a. auch über die Möglichkeiten eines Stipendiums. Denn nicht jeder schüttelt die ca. 5.500 bis 7.300 Euro, die ein Schuljahr im Ausland kostet, einfach so aus dem Ärmel. Einige der Organisationen finanzieren einen Teil der Kosten aus einem eigenen Studienfonds. So auch AYUSA, die finanziell bedürftige und sozial engagierte Schüler mit bis zu 3.000 Euro unterstützt. AFS, die ebenfalls einen Sitz in Berlin haben, konnten nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr eine Million Euro für Teilstipendien ausgeben. Außerdem sei es möglich, ein Auslandsbafög zu beantragen, so Sylvia Schill.
Robert vermisst das Gemeinschaftsgefühl
Sie ist davon überzeugt, dass sich ein Jahr im Ausland auf jeden Fall auszahle und als Karrierebaustein immer wichtiger werde. Das findet auch der Charlottenburger Schüler Robert Gaudin: „Ohne Freunde und Familie in einer fremden Umgebung bei null anzufangen macht selbstständiger und verantwortungsbewusster. Ich habe viele Freunde gefunden und kann mir vorstellen, in Amerika zu studieren.“ Nun allerdings muss er sich erst mal wieder in das deutsche Schulsystem einfinden. Er vermisse das Gemeinschaftsgefühl und die wohlwollende Unterstützung seiner Lehrer. Der Sprung in die 12. Klasse habe geklappt, so dass er kein Jahr verloren, aber ganz viel Erfahrungen gewonnen habe.
Damit auch Kinder aus anderen Ländern die deutsche Kultur kennen lernen können, suchen einige der Organisationen auch Familien in Berlin, die einen Schüler aufnehmen möchten, sagt Michael Pahl von AFS: „Das bietet sich insbesondere für Eltern an, deren Kinder selbst ein Jahr im Ausland verbringen.“
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Zuletzt aktualisiert: 15.07.2011