Lohnt es sich eigentlich, sich auf einen kalten Winter zu freuen? Ja, unbedingt, denn dann ist es in den zahlreichen Berliner Bars und Restaurants, die regelmäßig einen Kamin anfeuern, richtig gemütlich. Ein feuriger Streifzug.

Der begehrteste Platz im June: Der Sessel vor dem Kamin.
„Wo sind die Menschen in der Urzeit hingegangen, wenn Sie entspannt beisammensitzen wollten?“, hat sich Miguel Leston vor ein paar Jahren gefragt und sich gleich selbst die Antwort gegeben: „Zum Feuer! Das war und ist immer ein Magnet. Egal wie kosmopolitisch wir sind, wir alle lieben das Feuer. Dort fühlt man sich wohl und sicher.“ Diese Erkenntnisse hat der geborene Spanier in das Konzept seiner Bar umgesetzt und ins "June" einen Kamin einbauen lassen.
Seine Idee ist voll aufgegangen, denn die Tische um den von grünem Marmor eingerahmten Kamin sind immer reserviert. Oft sind es Liebespärchen, doch Geschäftsleute schätzen die besondere Atmosphäre ebenso. Deshalb prasselt im Kamin immer ein Feuerchen, manchmal schon im Hochsommer. Auch sonst kann man sich in dem schlicht, aber behaglich gestalteten Raum sehr wohl fühlen. Rote, indirekte Beleuchtung rückt die gradlinigen kunstlederbezogenen Sitzmöbel in ein warmes Licht.
Die Musik bleibt im Hintergrund und überrascht doch - kein Wunder: Sind es doch Geheimtipps und Geschenke von Stammgästen, die zum Teil in der Musikbranche arbeiten. Cocktails aus aller Welt schüttelt oder rührt Miguel Leston oft selbst und bietet sie in der Happy Hour (19-21 Uhr) für 4 bis 5 Euro an.
Fünfzehn Orte am Kamin
June, Sredzkistraße 65, Prenzlauer Berg
Tel. 231 876 84, Bar, tägl. ab 19 Uhr
www.june-bar.de
Tire Le Bouchon im Schlosshotel im Grunewald, Brahmsstraße 19, Grunewald
Tel. 89 58 40, Bar, tägl. rund um die Uhr geöffnet
www.schlosshotelberlin.com
Klipper, Bulgarische Straße, Treptow
Tel. 53 21 64 90, Segelschiffrestaurant, tägl. 10-1 Uhr
www.klipper-berlin.de
Diekmann im Châlet Suisse, Im Jagen 5, Dahlem
Tel. 832 63 62, Restaurant, tägl. 12-1 Uhr
www.diekmann-restaurants.de
Fire Bar, Krausnickstraße 5, Mitte
Tel. 283 85 119, Bar, tägl. ab 20 Uhr
www.fire-club.de
The Lir, Flensburger Straße 7, Tiergarten
Tel. 392 85 02, Pub, tägl. 17-2 Uhr
www.thelir.de
Shochu Bar, Behrenstraße 72, Mitte
Tel. 301 117 333, Bar und Lounge, Mo.-Sa. 18:30-2 Uhr
www.ma-restaurants.de
weitere Adressen
Baccanali, Auguststraße 36, Mitte
Tel. 30 87 20 94, Restaurant, tägl. ab 18 Uhr
www.baccanali.de
Die Fischerhütte am Schlachtensee, Fischerhüttenstraße 136, Zehlendorf
Tel. 804 98 310, Restaurant und Weinhandlung, tägl. 10-23 Uhr
www.fischerhuette-berlin.de
Feuerbach, Schöneberger Straße 14, Steglitz
Tel. 85 07 54 84, Café, Restaurant, Lounge, So.-Do. 9-1 Uhr, Fr. und Sa. 9-3 Uhr
Freischwimmer, Vor dem Schlesischen Tor 2a, Kreuzberg
Tel. 61 07 43 09, Restaurant und Café, Di.-Fr. ab 16 Uhr, Sa. und So. ab 10 Uhr, Mo. geschlossen
www.freischwimmer-berlin.de
Le Gavroche, Oderberger Straße 22, Prenzlauer Berg
Tel. 44 04 47 02, Restaurant und Lounge, Mo.-Sa. ab 11 Uhr und So. ab 10 Uhr
www.le-gavroche.de
Kirk Bar, Skalitzer Straße 75, Kreuzberg
Tel. 695 35 299, Bar und Lounge, tägl. ab 19 Uhr
www.kirkbar-berlin.de
La Raclette, Lausitzer Straße 34, Kreuzberg
Tel. 612 87 121, Bar und Restaurant, tägl. ab 18 Uhr
www.la-raclette.de
Bariton, Weserstraße 23, Friedrichshain
Tel. 700 86 761, Café und Bar, tägl. ab 16 Uhr
www.myspace.com/bariton_bar_berlin
Einen Scotch im dunklen Ledersofa am Feuer nippen
Wer es etwas gediegener mag und vielleicht auch etwas essen möchte, dem sei das "Tire le bouchon" im Schlosshotel im Grunewald empfohlen. Auf einem der tiefen dunklen Ledersofas vor dem eindrucksvollen Kamin mit Reliefverzierung lässt sich stilvoll an dem 30-jährigen Glenfiddich nippen und dabei dem Knistern des Feuers lauschen oder die erlesene Zigarrenauswahl des Hauses genießen.
Aufbewahrt werden die rauchbaren Spezialitäten in dem Humidor direkt neben dem Kamin. Kostbare Teppiche und Holzmöbel, goldene Brokatvorhänge vor den hohen Fenstern, zwei große Ölgemälde und gedimmtes Licht schaffen eine Welt der Geborgenheit und Verlässlichkeit fernab der Hektik der modernen Trends.
Hier lässt man sich am Wochenende in aller Ruhe das Büfett im Wintergarten schmecken oder aber es wird allabendlich mit edlen Champagner-Cocktails (17 Euro) angestoßen. Für Fans der englischen Teatime gibt es am Sonntag von 15 bis 18 Uhr, nebst umfangreichem Teesorten-Sortiment, leckeren Kuchen, Sandwiches und Scones mit Clotted Cream.
Wenn es richtig kalt draußen ist, wird mit Birkenholz gefeuert, denn das duftet am besten. Die Atmosphäre lässt sich dann nicht besser beschreiben als mit Rilkes Worten: „Traut ists, wenn verstohlen heulen im Kamine wilde Winde.“
Gemütlich am Kanonenofen
Wilde Winde haben dem "Klipper" vielleicht früher mal zugesetzt, heute liegt er fest vertäut am Plänterwald und beherbergt ein Segelschiff-Restaurant. Bis zu 90 Personen finden in dem ehemaligen Laderaum und der Roof Platz. Dass man sich nicht beengt fühlt, liegt an dem Glasdach, das viel Licht hereinlässt oder eine virtuelle Reise in den Sternenhimmel möglich macht.
Wenn es draußen regnet, wird es drinnen am gusseisernen Kanonenofen richtig gemütlich. Regen prasselt dann auf das Dach, und durch die Bullaugen knapp über der Wasseroberfläche kann man im Trockenen das Spiel der Wassertropfen beobachten. Die Glastür vor dem Ofen gibt den Blick frei auf die Kraft des Feuers im Innern. Geheizt wird - wie früher auf Segelschiffen üblich - ausschließlich mit Holz.
Das freundliche Personal muss im Klipper nicht nur die frisch zubereiteten Spezialitäten aus dem schiffseigenen Räucherofen oder die leckeren hausgemachten Kuchen gekonnt zu den Tischen bringen, sondern auch dafür sorgen, dass rechtzeitig Holz nachgelegt wird, damit es warm bleibt unter Deck.
Die Gäste blicken von zwei Seiten auf den verglasten Kamin
Im "Diekmann" im Châlet Suisse übernimmt das Restaurantleiter Dominique Claude Marneau gern selber, denn er liebt es, das Feuer in dem schlichten Kamin in Gang zu setzen. „Wir haben den Kamin während der Renovierung 2001 eingebaut, um in der kalten Jahreszeit mehr Gemütlichkeit in die Räume zu bringen. Und tatsächlich sind alle - besonders die Kinder - von dem Feuer fasziniert“, erzählt er mit funkelnden Augen.
Der Kamin ist so gebaut, dass man von zwei Seiten durch Glasscheiben dem Treiben des Feuers zuschauen kann. Aus den anderen Räumen hat man durch die großen Fenster einen tollen Blick in den umliegenden Grunewald. Die Tische sind festlich weiß gedeckt und bieten den richtigen Rahmen für die feinen Speisen aus der Schweiz, Frankreich und der Region. Für Spaziergänger oder Büroflüchtlinge gibt es mittags ein 3-Gänge-Menü für 18 Euro.
Da die Zutaten prinzipiell von Bauern, Jägern und Fischern aus Brandenburg bezogen werden, sind auf der saisonal wechselnden Karte oft Wildgerichte zu finden. Immer im Programm sind Rösti, z.B. mit Züricher Geschnetzeltem oder Graved Lachs, Sahnemeerrettich und Blattsalat, zu Preisen von 12 bis 16 Euro. Und was kann es Romantischeres geben als ein Käsefondue für zwei Personen neben dem warmen Kamin, während draußen die Schneeflocken zu Boden schweben?
Glühender Holzstapel aus Plastik
Die Romantik in der "Fire Bar" ist ganz anderer und sehr eigenwilliger Art: Leuchtende Sonnenblumen, Tulpen in verschiedenen Farben und Palmen aus Plastik zieren die Bar im Souterrain. Die Sofas und Sessel verbreiten den Charme des Wohnzimmers einer älteren Tante, aber dann fällt der Blick auf die Discokugel, die sich unaufhörlich dreht und den Raum durch rote Lichtblitze lebendig werden lässt.
Die beleuchteten Bilder und Lichtobjekte an den Wänden, die zum Teil mit rot-grün gestreifter Tapete überzogen sind, bewegen sich zwischen Kitsch und Avantgarde und verbreiten trotzdem eine Gemütlichkeit, zu der die beiden Fernseher, auf denen in einer Endlosschleife ein Kaminfeuer zu sehen ist, durchaus passen. Auch der glühende Holzstapel aus Plastik, der sich nicht einmal um den Anschein von Echtheit bemüht, schafft eine ganz besondere Atmosphäre.
Stilbruch ist in der Fire Bar Programm und hat durchaus seinen Reiz. Hier kann man in der sonst so schicken Mitte einfach mal auf dem Sofa entspannen, dabei dem spanisch geprägtem Chillout-Lounge-Musik-Mix lauschen und sich beim Feuerchen auf dem Monitor einen leckeren Mojito für 4 Euro gönnen - ein Preis, der auch von keinem der anderen Cocktails überstiegen wird. Auf jeden Fall ist diese Bar bestens geeignet für alle, die sich in dem Ausspruch von Oscar Wilde wiedererkennen und daraus ihre Konsequenzen ziehen: „Leute, die sich die Finger verbrennen, verstehen nichts vom Spiel mit dem Feuer.“
It's a good craic!
Nicht nur von Feuer, sondern auch von irischer Tradition versteht man etwas im "The Lir". Der direkt am S-Bahnhof Bellevue gelegene Irish Pub besteht seit nunmehr über 15 Jahren und ist für all diejenigen der perfekte Anlaufpunkt, die es zum einen gern gemütlich haben, zum anderen aber auch darauf verzichten können, in Klischee zu ertrinken.
So hat es sich die kosmopolitische Bar zum Ziel gesetzt, sich als ein modernes irisches Wirtshaus zu präsentieren, ohne dabei stereotypischen Bildern zu entsprechen. Doch tut dieses Beharren auf Realität dem heimischen Flair keinen Abbruch - eher ist das Gegenteil der Fall: Sobald man als Dürstender beim Betreten der Bar durch das in warmes Licht getauchte, goldgelbe Mauerwerk wandelt, überkommt einen schon das Gefühl von Geselligkeit und Wohlbehagen.

Am Kamin schmeckt der Rotwein noch mal so gut …
Dass der gute Ruf der natürlich-brüderlichen irischen Gastfreundschaft mehr als nur eine Legende ist, davon wird hier schnell überzeugt. Und so lässt man sich schließlich gerne am wohlig-knisternden Kamin nieder, philosophiert über die hier angebotene exklusive Auswahl an Whiskies, oder stößt ganz einfach mit seinem Sitznachbarn und einem frischgezapften Glas Guinness oder Kilkenny an.
Und wer das Verlangen nach traditioneller irischer Kost verspürt, dem wird mit Gerichten wie klassischen Fish'n'Chips oder Shepherd's Pie ausgeholfen - alles zu bezahlbaren Preisen, das versteht sich. Und 'mal ehrlich - wer kann schon etwas auszusetzen haben an einer Bar, deren Motto "Gute Laune" ist? So empfängt einen das Team vom "The Lir" nicht nur mit offenen Armen, sondern auch viel Humor. Authentische irische Stimmung ist daher allabendlich garantiert - oder wie die Iren sagen: "It's a good craic!".
Die Eleganz des Feuers
Ob man sich in Japan einer ähnlichen Redewendung bedient, darüber kann an dieser Stelle nur spekuliert werden. Wer Konkreteres dazu in Erfahrung bringen möchte, könnte sich zum Beispiel an das Team der "Shochu Bar" wenden. Das Etablissement auf der Rückseite des Adlon Hotels hat sich nicht nur beim Design, sondern auch bezüglich seines Angebots vom "Land der aufgehenden Sonne" inspirieren lassen. Damit soll jedoch nicht gesagt sein, dass man hier mit kitschigen Dekorationen, wie sie nur allzu oft in asiatischen Imbissbuden einen Platz finden, zu rechnen hat. Die Einrichtung ist elegant und vor allen Dingen sehr modern gehalten.
Die Wände sind an mancher Stelle mit raumhohen, vergoldeten Paneelen verkleidet oder gar mit Seide bespannt. Die Bar an sich ist, mit Jademosaiken und gelbem Marmor überzogen, ebenfalls sehr stilvoll in Szene gesetzt. Im Zentrum des Sitzbereichs befindet sich der große und beidseitig offene Kamin, der den Raum in mehrere gemütliche Séparées unterteilt.
Auch in Sachen Getränke folgt man dem Motto "Japanese Bartending" mit Präzision: Die Karte bietet die klassischen Rezepturen der Cocktailgeschichte an, präsentiert aber auch spannende Eigenkreationen, die allesamt auf der Basis von Shochu funktionieren. Shochu - der Namensgeber der Bar - ist ein traditionelles japanisches, aus Stärke destilliertes Getränk. Diesem werden kultureigene Aromen wie Nashi-Birne, Sesam, grüner Tee oder Jasminblüte hinzugefügt, und schon steht der etwas andere Cocktail auf dem Tresen - ein Cocktail, der auch schon einmal den respekteinflößenden Namen "Sayonara" tragen kann.
Da die "Shochu Bar" ein separater Teil des zum Adlon gehörenden Restaurantkomplexes ist, geht es dort nicht nur stilsicher, sondern auch dementsprechend kostspieliger zu. Doch wer bereit ist, einmal mehr als zehn Euro für sein Getränk auszugeben, der wird hier so manche Geschmacksüberraschung erleben. Zwischen Holz, Leder und Schiefer genießt man in der "Shochu Bar" die Eleganz des Feuers eben mit Stil.
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Zuletzt aktualisiert: 14.12.2009 · Fotos:
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