Stadt & Szene

Heiß auf Schokolade

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Fotos: Andreas Riedel

Viele neue Schokoladen-Geschäfte mit Mini-Café bereiten der gemeinen Supermarktschokolade den Garaus. Ein hoher Kakaoanteil verspricht nicht nur mehr Genuss und Aroma, sondern auch nette "Nebenwirkungen".

Schokolade macht glücklich. Schokolade macht schön. Schokolade macht schlau. Sagt Lara Aref Omar. Sie muss es wissen. Die 37-Jährige betreibt seit anderthalb Jahren in der Bleibtreustraße in Charlottenburg ihr Schokoladengeschäft Nibs cacao. Irgendwann hatte die Medienwissenschaftlerin beschlossen, mit der süßen Leidenschaft ihren Unterhalt zu verdienen. Eine Rechnung, die aufgeht, denn der handtuchschmale Laden floriert.

Edle Geschäfte mit Lifestyle-Flair

Delikates aus der Kakaobohne bietet offensichtlich einen Markt, denn in Berlin haben sich in den unterschiedlichsten Stadtteilen edle Schokoladen-Geschäfte mit Lifestyle-Flair angesiedelt. Sie bieten nicht nur einfach Süßes an, sondern qualitativ hochwertige Schokolade und Pralinés – auch zum sofortigen Verzehr. Dazu sitzt man an schlichten Tischchen im Asia-Look oder auf verschnörkelten Stühlchen und schlürft dickflüssige Trinkschokolade aus kleinen Tassen.

Süße Orte


Nibs cacao, Bleibtreustraße 46, Charlottenburg, Telefon: 030 - 263 767 40, Montag bis Samstag 11-20 Uhr, Sonntag 13-18 Uhr, www.nibscacao.de

Mamsell, Goltzstraße 48, Schöneberg, Telefon: 030 - 921 229 00, Montag bis Freitag 10-19 Uhr, Samstag 10-16 Uhr, www.mamsellberlin.de

Olivia, Wühlischstraße 30, Friedrichshain, Telefon: 030 - 605 003 68, Montag bis Freitag 10-19 Uhr, Samstag 10-18 Uhr, Sonntag 12-18 Uhr, www.olivia-berlin.de

Schoko-Junkies seit der Kindheit

Die Betreiber dieser süßen Oasen sind meist schon seit ihrer Kindheit Schoko-Junkies. So auch Lara Aref Omar. "Doch durch Reisen nach Italien und Frankreich entdeckte ich, was es jenseits von Milka und Ritter Sport noch so alles gibt." Sie begann, sich intensiv mit Schokolade zu beschäftigen und erfuhr, dass Schokolade nicht gleich Schokolade ist: Je höher der Kakaoanteil, desto stärker und aromatischer ist der Geschmack. "Deshalb braucht man davon auch viel weniger als von herkömmlichen Schokoladen, um zu seinem Lustgewinn zu kommen", sagt Lara Aref Omar. Zudem enthalte Kakao wichtige Mineral- und Nährstoffe sowie Theobromin, das Glücksgefühle auslöse, und eine anregende Wirkung hat. Kakao verbessere die Cholesterinwerte und beuge sogar Hautalterung vor, schwärmt sie. Schlemmen für die Gesundheit – was will man mehr.

Schokobrunnen für echte Profis

Schokoladen mit einem Kakaoanteil bis über 60 Prozent führen alle neuen Schoko-Läden. Bei Lara Aref Omar gibt es beispielsweise Bitterschokoladen vom Berliner Traditionsunternehmen Erich Hamann, italienische Domori-Schokolade sowie spanische Enric Rovira. Der Nibs-cacao-Klassiker jedoch sind Churros – frisch frittierte spanische Weizen-Maismehlsticks, die man in dickflüssige Schokolade tunkt. Zur kalten Jahreszeit gehen besonders gut Lebkuchenkakao oder als Winterfondue, Apfelringe in Kakao getunkt. Zum neuen Jahr locken Duftkalender mit wohlriechenden Rubbelflächen. Außerdem gibt es Kosmetika aus Kakaobutter. Echte Profis legen sich übrigens den mehrstöckigen, metallenen Schokoladenbrunnen zu. Statt Wasser läuft wie im Schlaraffenland Schokolade die Etagéren herunter.

 
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Schokoladenbonbons mit Minze

Iris Henderkes und Stefanie Strack setzen in ihrem gut sortierten Schöneberger Laden "Mamsell" zusätzlich auf das Prinzip "Do-it-yourself". Sie bieten nicht nur Marken aus Italien, Frankreich und San Francisco, sondern auch Schokoladenseminare unter Leitung von Experten an. Genauso gibt es Schokoladenbonbons mit Minze, Liköre, Kosmetika sowie feine Wohnaccessoires, etwa Porzellan, Küchenutensilien, Schächtelchen und Kerzen.

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Teeschokolade mit Ingwerstückchen

Die 41-jährige Olivia Kaufmann, die in Friedrichshain auch das Feinkostgeschäft Proviant betreibt, setzt mit ihrem Lädchen Olivia der Sache noch eins drauf. Neben Schokolade von ausgesuchten Plantagen mit Orange-Geranie- oder Rosen-Geschmack gibt es Torten mit Zutaten aus biologischem Anbau und Pétit fours. In der kalten Jahreszeit besonders beliebt: die Schwarzwälderkirsch-, Schokotrüffel- oder Mousse au chocolat-Torte. Ein Renner ist außerdem dunkle Teeschokolade mit Ingwerstückchen oder Pralinés mit unterschiedlichstem Grappa angereichert.

Keine Chance für die Supermarktschokolade

Bei so einer Vielfalt – da ist sich Olivia Kaufmann sicher – werden viele Kunden der Supermarktschokolade in Zukunft die kalte Schulter zeigen. So ging ihr es schließlich auch. "Wer einmal wirklich gute Schokolade gekostet hat, kommt davon nicht mehr los."

Schokolade in der Kürbissuppe? Ungewöhnlich? Ja, aber sehr lecker. Rezepte für Fisch, Fleisch und Gemüse mit Schokolade finden Sie hier.