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Familienglück in Gefahr

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Berlin hat die höchste Scheidungsquote Deutschlands: viel Arbeit für Familien-Mediatoren.

Familienzoff: Fünf Fakten

  • Berlin hat die höchste Scheidungsquote Deutschlands.
  • Insgesamt geht jede dritte Ehe in die Brüche.
  • Scheidungen werden weit häufiger von Frauen beantragt: 57 Prozent, im Vergleich zu 36% bei den Männern.
  • 2014 wurden in Berlin 13.373 Ehen geschlossen – 6.604 Ehen wurden geschieden.
  • Bei der Mediation geht es nicht um Schuld, sondern um die Entwicklung von Lösungen.

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Sie unterstützen Paare und Familien bei der Lösung von Konflikten.

Was ist Mediation?


Mediation ist ein freiwilliges und außergerichtliches Verfahren. In einem Gespräch werden die Konfliktpartner von einem Mediator dabei unterstützt, Lösungen zu entwickeln und verbindlich zu beschließen. Familiengerichte können Scheidungswillige dazu auffordern, sich mit Hilfe eines Mediators zu einigen.

Dauer und Kosten


Eine Mediation umfasst durchschnittlich zwei bis sieben Sitzungen à 60 bis 90 Minuten. Die Kosten liegen zwischen 90 und 180 Euro. ZiF, das vom Senat gefördert wird, arbeitet mit Spenden. Der empfohlene Beitrag sind zwei Prozent vom Monatsnettoeinkommen.

Mediatorensuche leicht gemacht: Auf www.bafm-mediation.de/mediatorensuche findet sich eine Liste der Mediatoren, die Mitglieder in der Bundes-Arbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation e.V. sind.

Alle Adressen für Familien-Mediation

im Überblick:


Annette Kurz
Clausewitzstraße 6, Charlottenburg
Tel. 25 32 22 66
www.annette-kurz.de

Christa Schäfer
Kluckstraße 8, Mitte
Tel. 25 79 71 93
www.chschaefer.de

Zusammenwirken im Familienkonflikt, ZiF
Mehringdamm 50, Kreuzberg
Tel. 861 01 95
www.zif-online.de

Florian Gommel
Stolzenfelsstraße 5, Lichtenberg
Tel. 856 10 52 50
http://www.sozialesundrecht.de/

Christian Taute
Wildensteiner Straße 26, Karlshorst
Tel. 20 98 64 33
www.ihre-mediation.com

Wenn sich Paare trennen, Väter und Mütter um die Kinder ringen oder sich erwachsene Kinder eingeengt fühlen, hilft eine Mediation. Sie spart den Gang vor Gericht und bewahrt die Streithähne vor dessen Folgen. Im Idealfall herrscht am Ende Frieden.

So hatten Simone und Philipp sich ihr Familienglück nicht vorgestellt: Simone fühlt sich überfordert, seit Linus geboren ist, während Philipp darunter leidet, dass Simone nur noch für das Baby da zu sein scheint. Es kracht dauernd zwischen ihnen und das Wort Trennung ist schon gefallen.

Wenn Erwartungen aufeinander prallen

Sie suchen jemanden, der sie dabei unterstützt, Lösungen für die aktuellen Probleme zu finden. Sie wenden sich schließlich an die Mediatorin Annette Kurz. „Wenn aus Paaren Eltern werden, prallen oft unterschiedliche Erwartungen aufeinander“, sagt die Mediatorin.

Meistens gäben sich dann alle gegenseitig die Schuld. In der Mediation spiele es dagegen kaum eine Rolle, wie es zu dem Konflikt gekommen ist. Vielmehr gehe es darum, die Wünsche und Bedürfnisse der Beteiligten herauszuarbeiten und dann Lösungsvorschläge zu verhandeln. „Die Art, wie wir in der Mediation mit Konflikten umgehen, ist für viele auch ein Modell für den täglichen Umgang miteinander“, so Annette Kurz.

Juristen und Psychologen arbeiten zusammen

Die meisten Elternpaare, die zu „Zusammenwirken im Familienkonflikt“ (ZiF) kommen, befinden sich bereits in einer Trennungssituation, in der sehr vieles geregelt werden muss: das Sorge- und Umgangsrecht, die Betreuung der Kinder und die Finanzen.

Für diese schwierigen Themen müssen die Eltern gemeinsam Lösungen finden. Und das, obwohl sie vielleicht kaum in der Lage sind, einen klaren Gedanken zu fassen. Deshalb arbeiten bei ZiF in Trennungsmediationen Experten mit juristischem und psychosozialem Hintergrund zusammen.

Unabhängig von Richterurteilen bleiben

Auch Rechtsanwalt Florian Gommel hat als Mediator schon etliche Trennungen begleitet. „Der Vorteil einer Mediation gegenüber einem gerichtlichen Verfahren ist, dass die Konfliktparteien sich auf einen rechtlich bindenden Vertrag einigen können, der ihrer speziellen Situation entspricht. Wer sich dagegen vor Gericht begibt, macht sich abhängig vom Urteil des Richters“, sagt er. Voraussetzung für eine Mediation sei aber auf jeden Fall, dass die Beteiligten willens sind, sich zu einigen.

Anderseits gibt es auch Konflikte, für die kein Gericht zuständig ist. Beispielsweise im Fall einer Patchworkfamilie: Dort sollte die strittige Frage geklärt werden, ob der leibliche Vater der Kinder oder der neue Mann der Mutter zur Konfirmationsfeier kommen sollte. Diese Familie suchte Unterstützung bei Christa Schäfer.

Konflikte zwischen Eltern und Kindern

Zu der Pädagogin und Mediatorin kommen aber auch Familien, in denen sich die (fast) volljährigen Kinder von ihren Eltern eingeengt fühlen. Oder umgekehrt. „Eine Mutter wandte sich an mich, weil ihr 20-jähriger Sohn sich nicht am Haushalt beteiligte. Nach drei Sitzungen sind die beiden übereingekommen, dass der Sohn auszieht“, erinnert sich Christa Schäfer.

Bei Simone und Philipp kracht es immer noch ab und zu, aber jetzt suchen sie gemeinsam nach Lösungen für ihre Konflikte.


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AutorIn: Anja Köhler


Zuletzt aktualisiert: 26.11.2015 · Fotos: Barbara Dietl (2), Barbara

 

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