Mit dem Reiseführer in der Hand Sehenswürdigkeiten abklappern, das ist eine Möglichkeit, Berlin zu erkunden. Die 38-jährige Ulrike Dettmann bietet eine andere: „Das echte Leben spielt sich in Wohnungen ab“, sagt sie. Genau dort will sie mit ihrer Agentur opendoors-berlin Touristen und Berliner zusammenbringen.
Die Welt zu Gast im Wohnzimmer: Die Agentur opendoors-berlin bringt Berliner und Touristen zusammen.
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Foto: Anja Müller
Die Welt zu Gast im Wohnzimmer: Die Agentur opendoors-berlin bringt Berliner und Touristen zusammen.
Lust auf Besuch
Wohnungsbesuche sind immer sonnabends möglich. Eine Tour kostet 38 Euro. Als Büro von opendoors fungiert der Galerieladen Supalife Kiosk in der Raumerstraße 40 in Prenzlauer Berg. Nicht nur Gäste, auch weitere Gastgeber werden gesucht. Sie erhalten dafür eine Aufwandsentschädigung von 5 Euro pro Gast. opendoorsberlin, Ulrike Dettmann, Telefon 0178/148 17 08.
So lernen die Reisenden ein ganz persönliches Stück Berlin kennen.
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Foto: Anja Müller
So lernen die Reisenden ein ganz persönliches Stück Berlin kennen.
In der Bauwagenkolonie treffen im wahrsten Wortsinn Welten aufeinander.
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Foto: Anja Müller
In der Bauwagenkolonie treffen im wahrsten Wortsinn Welten aufeinander.
Für 38 Euro können sich Touristen bis zu drei Wohnungen anschauen.
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Foto: Anja Müller
Für 38 Euro können sich Touristen bis zu drei Wohnungen anschauen.
Wenn Ulrike Dettmann verreist, geht es ihr um Land und Leute. „Ich finde es toll, wenn Menschen sich begegnen“, sagt die Frau mit den gelockten Haaren und dem offenen Lächeln. Außerdem liebe sie es, Menschen in ihren Wohnungen zu besuchen und zu sehen, wie sie eingerichtet sind. Das brachte sie auf die Idee, Berliner Türen zu öffnen, „damit Reisende ein ganz persönliches Stück Berlin kennenlernen“.
Knapp zwei Dutzend Gastgeber in der Kartei
An die 20 Gastgeber hat sie gefunden. Vom 22-jährigen Studenten bis zur 65-jährigen Rentnerin. Menschen, die im fünften Stock eines Jugendstilhauses ohne Aufzug wohnen oder in einem
Nachkriegsbau. Sie leben allein, mit Partner oder in einer WG. In allen Teilen der Stadt. Innerhalb des S-Bahn-Rings. Das ist Dettmanns einzige Bedingung.
Für 38 Euro können sich Berlin-Touristen die Adressen von drei Gastgebern abholen, um am Samstagnachmittag auf Wohnungsbesichtigung zu gehen. Mit ein paar Grundregeln im Gepäck. Beispielsweise, dass sie bei ihrem Besuch vielleicht die Schuhe ausziehen müssen, weil das in vielen deutschen Wohnungen üblich ist.
Mit dem Kinderarzt auf der Dachterrasse grillen
Wir von BerlinerAkzente sind neugierig geworden: Unsere Redakteurin Katrin Starke meldet uns für die Besuche „im wahren Leben“ an. Ulrike Dettmann notiert Passnummern, heftet uns einen Sticker an, der uns als registrierte Gäste ausweist. Auf einem Zettel unsere erste Adresse: ein mit Stuck verziertes Haus an der Grenze zwischen Prenzlauer Berg und Mitte.
Burkhard Ruppert und seine Lebensgefährtin Romy Schulz empfangen uns in ihrer Dachgeschosswohnung. „Wenn Sie sich umschauen wollen – bitte“, sagt der 52-jährige Kinderarzt. Die Wohnung ist geräumig, durch das verglaste Pyramidendach fallen Sonnenstrahlen auf die weißen Sofas und die Stahlrohrtische mit der Glasscheibe. „Von hier oben sehen Sie, wie sich die Stadt verändert hat. Da noch geschwärzte Brandschutzmauern, dort luxussanierte Wohnungen“, zeigt er in Richtung Fernsehturm. „Gentrifizierung erlebt man hier hautnah.“
„Sie können gern Bücher herausnehmen“
Sich als Gastgeber registrieren zu lassen, sei Burkhards Idee gewesen, sagt die Politik- und Jurastudentin Romy Schulz. Ihr hat sie aber sofort gefallen. Mit seinen Gästen will das Paar auf der Dachterrasse grillen. „Wenn ich in Barcelona oder London bin, frage ich mich oft, wie die Leute leben, was sie für ihre Wohnung bezahlen. Das zu erfahren, macht einen Stadturlaub erst rund“, sagt Burkhard Ruppert. Das will er auch von den Leuten wissen, die bei ihm auf der Matte stehen.
Die zweite Adresse: ein Neubau, nicht weit vom Rathaus Schöneberg. „In den zweiten Stock bitte“, schallt eine Stimme aus der Gegensprechanlage. Ann-Katrin Hardenberg bittet uns in ihre helle Wohnung mit der langen Fensterfront. Ein Strauß Tulpen steht auf dem Esstisch vor der offenen Küche, Bücher füllen die Regale. „Sie können gern welche herausnehmen, dann haben wir gleich ein Thema“, sagt die 33-jährige Freiburgerin. Seit einem Jahr lebt sie in Berlin.
Notfalls wird mit Händen gesprochen
Angst, dass es an Gesprächsstoff mangeln könnte, hat sie nicht. „Wenn einer nur Suaheli spricht – mir egal“, vertraut sie auf die bewährte Verständigung mit Händen und Füßen. „Ich bin neugierig auf Menschen – ob das nun Asiaten sind, Neuseeländer oder Bayern.“ Wenn wir Lust hätten, könnten wir gemeinsam noch ein wenig durch Schöneberg schlendern, schlägt sie vor. Machen wir gern.
Die ersten „echten“ Gäste haben sich für diese Saison schon angekündigt. Einer von ihnen: René Kuiper. Bei seinem Berlin-Trip im Sommer will der 43-jährige Holländer mit Ulrike Dettmanns
Hilfe nicht nur Kontakte mit „echten Einheimischen“ knüpfen, sondern auch endlich die Frage klären, „ob es stimmt, dass fast alle Deutschen Gardinen vor den Fenstern haben“.
Kontakt zum
Autor:
Katrin Starke
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Zuletzt aktualisiert: 16.07.2012
·
Fotos:
Anja Müller (5)
von Astrid
am 18.07.2012 um 11:17
Das ist wirklich eine tolle Aktion!! Bei meinem nächsten Berlin Besuch werde ich es auf jeden Fall ausprobieren! Danke für den Bericht!