Stadt & Szene

Träumen Flügel geben

Berliner Radfahrschule


Christian Burmeister gibt Radfahrkurse für Erwachsene.

Weitere Informationen:

www.berlinerradfahrschule.de

Wie gehe ich die Realisierung von Träumen an – ohne diese aufzuschieben? Wie nutze ich das Jahr, ohne wieder das Gefühl zu haben, dass die Monate nur so dahinplätschern? Das verraten Berliner, die sich ihren großen Lebenstraum erfüllt haben: Der eine lernt Fliegen, für die andere hat sich der Traum von einer Gesangskarriere verwirklicht. Und der dritte ist als schnellster Berliner den Stadtmarathon gelaufen. Und dann gibt es da noch zwei Berliner, die hauptberuflich Träume in Erfüllung gehen lassen.

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Beruf: Träume erfüllen. David Heberling (links) und David Holetzeck von der Agentur Pling*.

Wer die Agentur pling besucht, wähnt sich im Himmel: weiße Wände, hohe Decken, in der Mitte des kahlen Raumes ein weißer Tisch mit zwei Stühlen. So könnte das himmlische Vorzimmer aussehen. Nur tragen die Glücksengel hier Schwarz, haben einen Dreitagebart und schauen etwas übermüdet drein. Wünsche erfüllen David Heberling, 32, und David Holetzeck, 29, trotzdem.

Internetplattform erfüllt Wünsche

Seit November 2010 gibt ihre Internetplattform Kreativen die Chance, ihre Wünsche, Ideen und Träume zu realisieren. Einen Film drehen, Geld für ein Theaterstück zusammenkriegen, ein Hochglanzmagazin herausbringen. „Wir wollen für kreative Menschen, wie Erfinder, Designer oder Entwickler, ein Finanzierungspartner sein“, erklärt David Holetzeck. Das Zauberwort lautet Crowdfunding: Jeder Besucher der Seite kann mit ein paar Euro ein Projekt unterstützen und erhält als Gegenleistung eine DVD, eine Eintrittskarte oder ein Kunstwerk.

Anstiftung zum Träumen


Fünf Tipps, wie Sie Ihre Träume verwirklichen: Von Karsten Ritschl, Diplom-Psychologe und Coach

1. Zeit zum Träumen nehmen


1. Zeit zum Träumen nehmen
Gönnen Sie sich eine Auszeit vom Alltagsstress, um in Ruhe über Ihre Träume und Ziele nachzudenken. Der Jahreswechsel oder ein Urlaub bieten hierfür eine gute Gelegenheit.

2. Werden Sie konkret
„Mehr Zeit für die Familie, private Hobbys oder mich selbst“ – so allgemein formuliert, sind Ziele schwierig. Besser konkret und positiv formulieren und schriftlich in einem Satz fixieren. Beispiel: »Ich veröffentliche Ende 2013 ein Buch.«

3. Große in mehrere kleine Ziele aufteilen
Zwischenziele formulieren. So motivieren Sie sich auf dem Weg zum großen Ziel mit kleinen Erfolgserlebnissen.

4. Denken Sie nicht nur an Ihren Beruf, sondern auch ans Private: Familie, Beziehung, Freundschaften, die eigene Entfaltung und Gesundheit.

5. Achten Sie auf unbewusste Blockaden und mögliche Konsequenzen Was hindert mich an der Umsetzung? Manchmal gibt es auch gute Gründe, warum man ein Ziel ändern sollte.

In den USA erfreut sich dieses Konzept dank der etablierten Spendenkultur großer Beliebtheit, die Deutschen tun sich wiederum schwer – sowohl mit dem Spenden als auch mit dem Realisieren von Träumen. Uns fehle diese amerikanische Haltung aus dem Nike-Slogan Just do it (Mach’s einfach), vermutet David Heberling. „Wir durchdenken vieles – und machen es am Ende doch nicht.“ Das sei aber genau der Schlüssel: „Angreifen, umsetzen und nicht in die Schublade legen. Der Nike-Slogan heißt ja auch nicht: 'Ich versuch’s mal.'“

"Da hat es mich gepackt"

So wie Leonard Seeger: Seit seinem elften Lebensjahr verfolgt er den Traum vom Fliegen. Bei einem Flug von Paris nach Berlin durfte der Zehlendorfer als kleiner Junge im Cockpit sitzen, während ihm der Pilot alles übers Fliegen erzählte. „Da hat es mich gepackt.“ 2011 begann mit 17 Jahren in einem Alter, in
dem andere den Führerschein fürs Auto machen, an der Berliner Flugschule Leonardo da Vinci die Fluglizenz PPL zu erwerben. Selbst die Geldgeschenke zur Konfirmation flossen in die Ausbildung, die rund 10.000 Euro kostet.

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Leonard Seeger hat sich den Traum vom Fliegen erfüllt.

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Sein Tipp: Das Ziel nicht aus den Augen verlieren.

Fliegen sei einer der ursprünglichsten Träume der Menschheit, sagt Leonard. Schon Leonardo da Vinci habe in einer Maschine durch die Lüfte gleiten wollen. Mit Flugsimulatoren am Computer motivierte er sich all die Jahre, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Und selbst von großen Rückschlägen lässt er sich nicht abhalten. „Berufspilot kann ich leider nicht werden, dafür sind meine Augen zu schlecht. Ich habe die Kurzsichtigkeit meines Vaters geerbt.“ Jetzt will er am Boden bleiben und studieren, um später im Management einer Fluggesellschaft zu arbeiten. „Und das Fliegen bewahre ich mir als Hobby.“

Erfolgsgarantien kann niemand geben

Simone Heinze hat Deutschland gegen Neuseeland eingetauscht: „Na, wie geht's?!“, flötet sie in die Telefonleitung, die 20.000 Kilometer in Sekundenbruchteilen überwindet. Die gebürtige Rudowerin lebt auf der südlichen Insel Neuseelands in Dunedin. Über ihre mehr als 20 Jahre in der Fremde hat die 45-Jährige ein Buch geschrieben: „Auswandern und wie einfach das ist…“ Die drei Pünktchen lassen erahnen: Leicht ist es nicht. „Die vielen Garantien, die manche haben wollen, kann niemand geben.“ Statt allzu großem Planungswahn komme es vielmehr auf Abenteuerlust und eine offene Einstellung an.

Adressen


Plattform für kreative Projekte
www.pling.de

Maik Wollherrs Laufblog
mrunner.wordpress.com

Flugschule Leonardo da Vinci
am Flugplatz Schönhagen-Trebbin
www.flugakademie.de

Mehr von der Band Red On Blue
www.red-on-blue.de

„Auswanderer machen den Sprung ins Ungewisse.“ Das sei nun mal so. Ihre Freunde, ihre Familie und ihre Wurzeln hat sie aufgegeben. Bekommen hat sie eine traumhafte Natur, Platz, Freiheit. Aber es habe lang gedauert, neue Freunde zu finden. Und manches vermisst sie bis zum heutigen Tag: Gummibärchen, Schokoküsse „und das Berliner Wetter“. So nah am Südpol sei es sehr kühl und wechselhaft. Von ihrem Partner, für den die gelernte Hotelfachfrau nach Neuseeland gegangen ist, hat sie sich getrennt. Als alleinerziehende Mutter von drei Kindern im Teenager-Alter sei „die Karriere im Eimer“. Sie muss neu anfangen. Würde sie diesen großen Schritt noch mal wagen? „Auf jeden Fall!“ Sie habe ihrem Entdeckerdrang einfach freien Lauf lassen müssen.

Tipp: Ziele aufschreiben und Zwischenziele setzen

Mit neonfarbenen gelb-grünen Laufschuhen öffnet Maik Wollherr die Wohnungstür. Gertenschlank, blaue Jeans, Karohemd. „Die Schuhe trage ich gerade ein.“ Der 28-jährige Athlet und Trainer betreibt einen Webblog, in dem er unter anderem seine Erfolge festhält. Ein Leben fürs Laufen. Lohn der großen Mühsal sind kleine Zahlen: 42,195 Kilometer in nur zwei Stunden, 31 Minuten und 55 Sekunden. Damit ist der gebürtige Osnabrücker 2011 der schnellste Berliner. Seit 2010 lebt er in Pankow. Der Berlin Marathon war sein erster. Wie schafft man das?

„Auf jeden Fall nicht mit diesen Marathonbüchern, da steht überall derselbe Blödsinn drin“, sagt er und greift zu einem Stück Kuchen. Irgendwoher muss die Energie ja kommen. Maik war bei der Bundeswehr, 2007 deutscher Meister im 3.000-Meter-Hindernislauf, doch der Ruhm blieb aus. Stattdessen kam das große Loch. Überehrgeiz. „Ich bin sehr strukturiert an den Neuanfang gegangen. Ziele muss man aufschreiben, um sie zu erreichen“, sagt er. Immer wieder müsse er über sie stolpern. An der Kühlschranktür, am Badezimmerspiegel.

Bild vergrößernMararthon

Maik Wollherr war der schnellste Berliner beim Berlin-Marathon. Sein Rat: Ziele muss man aufschreiben, um sie zu erreichen.

Sich vom Alter nicht abhalten lassen

Zwischenziele motivieren, ebenfalls kleine Belohnungen. Ein leckeres Essen, schick ausgehen am Samstagabend. „Der Marathon hat mich unglaublich stolz gemacht. Zurückblickend gehört er zu meinen größten Glücksmomenten.“ Sein Hobby ist Hip-Hop-Musik, hierüber kann er vieles ausdrücken. Titel seiner CD, die im Internet zum Gratisdownload bereitsteht: „Viele Träume – wenig Schlaf.“ Wie passend.

Sängerin Bernadette Kube will von ihrer Musik leben. Mit 27 hat sie damit angefangen und seitdem Solo- und Bandauftritte gehabt. Im Oktober 2013 erschien mit A Place of Hope and Mysteries ihr zweites Album, eine Mischung aus Folk, Jazz, Reggae und Pop. Ihr Debütalbum Looking Outside My Window hatte sie mit 39 auf den Markt gebracht. Für eine Gesangskarriere ein Alter, bei dem Castingshow-Juroren nur müde abwinken würden.

Und ganz wichtig: Auf die innere Stimme hören

„Wir sollten uns niemals vom Alter abhalten lassen, unsere Kreativität oder Träume auszuleben“, meint sie. Für ihre Band Red On Blue stellte die alleinerziehende Mutter eines zehnjährigen Sohnes die Musiker zusammen, schreibt selbst die Songs, kümmert sich um die Promotion und Auftritte. Um das alles zu finanzieren, gibt sie Gesangsunterricht.

Ebenso wichtig wie ihre Gesangsstimme ist ihr die innere Stimme: „Auf sie sollten wir bei unseren Zielen und Wünschen hören. Wo liegen meine Stärken? Wir reiten viel zu sehr auf den Schwächen herum“, meint sie und sieht als Verwirklichung ihres Traums nicht nur die Gesangskarriere. „Die Erfüllung meines Traums ist letztlich, selbstbestimmt leben zu können.“

Kontakt zum Autor: Jörg Oberwittler ()


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Zuletzt aktualisiert: 15.01.2014 · Fotos: shutterstock (2), Nicolaus Brade (3)

 

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