Stadt & Szene

Clubs über den Dächern der Stadt

Bild vergrößernClub Maedel

Posing im 40 Seconds hoch über den Dächern der Potsdamer Straße.
Fotos: Stefan Beetz

Bild vergrößernWatergate

Märchenhafte Atmosphäre beim Feiern im Watergate an der Oberbaumbrücke.

Club-Adressen

40seconds, Potsdamer Str. 58, Tiergarten/Mitte, Fr. und Sbd. ab 23 Uhr, Eintritt: 10 Euro
www.40seconds.de

Watergate, Falckensteinstr. 49 A, Kreuzberg, Fr. und Sbd. ab 23 Uhr, Eintritt: 10 Euro
www.water-gate.de

Solar, Stresemannstraße 76, Kreuzberg, täglich ab 18 Uhr.
www.solarberlin.com


Bild vergrößern40seconds

Sie genießen aus dem 40seconds einen Traumblick über den Potsdamer Platz bis nach Kreuzberg.

Club-Adressen

Showtime, Marlene-Dietrich-Platz, Tiergarten/Mitte, Eintritt: Restaurant und Bar frei, Diskothek: je nach Veranstaltung
www.showtime-berlin.com

Berghain, Am Wriezener Bahnhof, Friedrichshain, Do. ab 23 Uhr, Fr. und Sbd. ab 24 Uhr, Eintritt 10 Euro

Week-End, Alexanderplatz 5, Mitte
Do. bis So. ab 23 Uhr, Eintritt ab 6 Euro
www.week-end-berlin.de

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Hoch über der Stadt Abtanzen: In Berlin an vielen Orten möglich.

ClubGuide

Mit unserem ClubGuide begleiten wir Sie durch die Berliner Partynacht: Tipps für Nachtschwärmer, nach Bezirken geordnet, finden Sie hier.

Die Bässe hämmern, die Tanzfläche bebt, verschwitzte Körper bewegen sich im Rhythmus der Musik, bunte Lichter wirbeln durch den Raum. Wer hier tanzt und trinkt, befindet sich ganz oben. Denn das „40seconds“ an der Potsdamer Straße/Schöneberger Ufer ist keine typische Diskothek in irgendeinem abgedunkelten Untergeschoss, sondern ein schicker Club hoch über den Dächern der Stadt. Berlins hippes Nachtleben steigt auf – außer dem „40seconds“ bieten auch noch einige andere Clubs ihren Gästen besondere Ausblicke auf die Stadt.

In 40 Sekunden am Himmel

Etwa 40 Sekunden braucht der Fahrstuhl bis in den 8. Stock des Bürohauses aus den 30er Jahren, und schon ist man mittendrin – im „40seconds“. Rechts herum zum Dancefloor oder lieber nach links an die zehn Meter lange Bar? Nein, der erste Gang führt an die lange Fensterfront. Von hier haben die Clubgänger einen fantastischen Blick über das Herzstück Berlins – den Potsdamer Platz. Goldgelb leuchtet die Philharmonie, das Dach des SonyCenters wechselt gerade von rosa zu grün, und wer den Blick weiter schweifen lässt, schaut bis nach Kreuzberg.

„War da nicht früher mal ein Flohmarkt?“, mag sich der Mittvierziger in seinem schicken Anzug fragen, der versonnen hinunterschaut, während hinter ihm drei jüngere Frauen auf den weißen Sitz-Elementen Platz nehmen und an ihren Cocktails schlürfen. Hohe Schuhe, enge Röcke und auffälliger Schmuck: Sie sehen nicht aus, als wollten sie diesen Abend früh enden lassen. Derweil füllt sich der Dancefloor, der DJ hat ein gutes Gespür für die richtigen Rhythmen und lockt mit dem House-Sound sogar die beiden Männer an, die sich eben noch im Lounge-Bereich über ihr neues Marketingprojekt unterhielten. Wer sich heiß getanzt hat, kann auf einer der drei Terrassen frische Nachtluft tanken und sich den Sternen etwas näher fühlen.

Märchenhafte Brückensicht

Das "Watergate" befindet sich in einem unscheinbaren Gebäude an einem spektakulären Ort: direkt an der Spree, zwischen Kreuzberg und Friedrichshain. Kein Schild, nur eine blaue Lampe deutet den Eingang an. Auch drinnen ist es konsequent karg, gradlinig und kühl. Lediglich die an die Wand projizierten bunten Tauben wirken ein wenig verspielt. Ganz im Gegensatz dazu steht der Blick, den man durch die vollständig verglasten Fensterfronten hat: die Oberbaumbrücke. Fast märchenhaft wirken die beiden zinnenbekrönten Türme und Ziergiebel der neogotischen Brücke von 1894. Man erwartet eher eine Kutsche als die U-Bahn, die über das Obergeschoss rattert. Die unzähligen blau- und orangefarbenen Scheinwerfer spiegeln sich auf dem Wasser und treiben dort ihr eigenes Spiel.

Doch zurück zu dem Geschehen im "Watergate". Auf den beiden Etagen, dem „Waterfloor“ und dem „Mainfloor“, wird jeweils unterschiedliche Musik gespielt. DJs aus dem In-und Ausland legen freitags und samstags ab 23 Uhr für die Tanzwilligen auf. Das Publikum und die Stimmung hängen sehr von deren Programm ab, deshalb lohnt sich der Blick auf die Homepage des Clubs. Wer lieber schaut als tanzt, dem seien die großen, quadratischen Sitzkissen auf der unteren Ebene empfohlen, denn von dort sieht man die Brücke und die Tanzfläche. Wer den Ausblick gerne ungestört und allein genießen möchte, sollte sich in die letzte Toilette im oberen Geschoss zurückziehen, vis a vis vom Universal-Gebäude.

Im Glas-Aufzug ganz nach oben

Für Schwindelfreie gibt's seit kurzem ein weiteres Highlight der Ausblickszene. Mitte Dezember 2005 eröffnete im 16. Stock des Saskatchewan-Hochhauses am Anhalter Bahnhof das "Solar". Hat man die Auffahrt im gläsernen Außen-Aufzug überstanden, erwartet einen bei klarem Wetter ein grandioser Ausblick über die Stadt. Betreiber Rik Verweyen ließ den 16. und 17. Stock mit einer Wendeltreppe verbinden und bietet neben einem Restaurantbetrieb für dicke und schmale Börsen bequeme Sitzmöbel zum Abhängen und Genießen. Hier wird nicht getanzt sondern bei guter Musik und mit Freunden durch die komplett verglasten Wände der Sonnenauf- und -untergang bewundert.

Essen, Trinken, Tanzen

Auch am Potsdamer Platz kann man seit kurzem mit Blick nach draußen das Tanzbein schwingen. Das "Showtime" befindet sich in dem halbrunden Gebäude gegenüber vom Musicaltheater und bietet seinen Gästen ein außergewöhnliches Ambiente auf drei Etagen. Ganz oben kann man mit Blick auf den Marlene-Dietrich- Platz und die umliegenden modernen Gebäude mediterrane Küche genießen und sich danach über einen kleinen Stopp an der Bar zur Tanzfläche einen Stock tiefer begeben. Die Musik bewegt sich zwischen deutschen Schlagern und guter alter Disco-Musik. Diese Kombination aus Speis, Trank, Tanz und Ausblick lohnt auf jeden Fall auch weite Wege, wie z.B. für die Spandauer Clique und die Touristengruppe aus dem westfälischen Münster, die noch an den Bistrotischen sitzen, aber nur auf den richtigen Song warten, um dann den Tanz durch die Nacht zu beginnen.

Monumentaler Charme im Brachland

Wer sich auf den Weg ins „Berghain“ macht, vermutet hinter den Fassaden des ehemaligen Heizwerks am Wriezener Bahnhof wohl alles andere, nur keinen Panoramablick. Denn die Zufahrt zu dem dreigeschossigen Club führt über einen dunklen, verwinkelten Gewerbehof mit Lagerhallen zu einem unwirtlichen Metallgitterzaun. Dahinter erhebt sich dann das gespenstisch wirkende Industriegebäude, das die Diskothek und Bar beherbergt. Auf den 30 Metern vom Zaun zum Eingang kommt Endzeitstimmung auf – auch wenn die Besucher schließlich dem wild gepiercten, in Leder gekleideten Türsteher gegenüberstehen. Das Publikum fühlt sich wie in der Kulisse eines Matrix- oder Bladerunner-Films.

Wer dann die strenge Sicherheitskontrolle mit Body-Check passiert und 10 Euro Eintritt bezahlt hat, befindet sich in hohen Hallen mit unverputzten Betonwänden, die mit kühlem Licht angestrahlt werden. Gespenstisch wirft ein großer, alter Haken seinen Schatten an die Wand. Diese perfekt inszenierte, fast monumental wirkende Industrieästhetik zieht ein tanzwütiges Publikum über 30 Jahre an – darunter sehr viele in Fitness-Studios gestählte Schwule. Auf zwei Dancefloors setzen sich die körperbewussten Gäste sympathisch-narzisstisch zu Techno- und Elektromusik in Szene. Die Partys dauern gewöhnlich bis in die Mittagsstunden. Zeit genug also, von der „Panorama Bar“ dem Sonnenaufgang entgegenzusehen und mit verquollenen Augen einen Blick auf die Gleisanlagen des Ostbahnhofs und die vorbeirauschenden Züge zu werfen.

Tanzen überm Alex

Deutlich jünger als 30 ist der typische Besucher im "Week-End" am Alexanderplatz. Ist der Clubgänger an den recht willkürlich auswählenden Türstehern vorbeigekommen, fährt er mit dem Fahrstuhl hoch hinauf in die 12. Etage des ehemaligen Haus des Reisens. Dort angekommen bietet sich den überwiegend 18- bis 25-Jährigen ein Rund-um-Blick über Berlin bei Nacht bis in die Randbezirke. In dem geräumigen Club mit seiner im Mittelpunkt stehenden riesigen Bar haben die Besucher die Möglichkeit, es sich auf den Lounge-Podesten mit ihren Drinks gemütlich zu machen – und zu posen. Die Tanzfläche füllt sich im "Week-End" erst weit nach Mitternacht, wenn die Bässe der House- und Elektromusik so hart werden, dass die Clubgänger nichts mehr auf den in langen Reihen angeordneten Liegelandschaften hält.