Stadt & Szene

Spätzle to go - oder: Man isst wieder deutsch

Sophie 290x114

Sopien-Eck

Lange Zeit war sie nicht gerade en vogue. Jetzt ist die deutsche Küche wieder im Kommen – auch bei jungen Leuten. Statt jeden Tag Fertigpizza in den Ofen zu schieben oder an der Ecke Döner zu ordern, kehren sie zum Beispiel in Kreuzberg in der Wiener Straße im schwäbischen Imbiss-Restaurant „Spätzleexpress“ ein.

Wie bei Mama im "Spätzleexpress"

Dort bestellen sie zum Beispiel frisch zubereitete (Spinat-)Spätzle mit Käse-, Kraut- oder Champignonrahm, Maultaschen oder vegetarische Schupfnudeln. Dazu ein „Büble Allgäu“, Malzbier, Fassbrause oder Rixdorfer Orange. Da fühlt man sich glatt wieder zu Hause bei Mama im Schwabenländle. Glücklicherweise geizen die Berliner Ines Gattermann und Heiko Herold nicht mit der Größe ihrer Portionen. Es gibt eine „Suppe des Tages“ sowie alles zum Mitnehmen. Die Preise sind schwäbisch: Hauptgerichte kosten zwischen drei und fünf Euro, die Suppe gibt’s für 1,50 bis zwei Euro.

Stuben 290x114

Offenbach-Stuben

Promis treffen in den "Offenbach-Stuben"

Auf Tradition können auch die „Offenbach-Stuben“ in Prenzlauer Berg zurückblicken. „Die Paris-Bar des Ostens“ an der Stubbenkammer Straße eröffnete in den 70er Jahren ihre Pforten. Obwohl die Ecke damals noch als Ostberlins Schmuddelkiez galt, zog das gute Essen wie auch heute die Stars der Komischen Oper und des Friedrichstadtpalastes sowie Prominenz magisch an. Heute kommen Leute wie Joschka Fischer vorbei, um unter dem Konterfei der „Kessler-Zwillinge“ und vergilbten Autogrammfotos zu speisen – Gerichte, wie die „Schöne Helena“ (Kalbsleber mit Äpfeln und Zwiebeln auf Kartoffelpüree für 13,50 Euro) oder „Hoffmanns Erzählungen“ (Gebratenes Zanderfilet auf Blattspinat mit Pommery-Senf-Sauce und Salzkartoffeln für 14 Euro), dazu deutsche und französische Weine. Zum Dessert ganz zünftig: rote Grütze mit Vanillesauce.

Adressen zum Deutsch-Schlemmen


Spätzleexpress, Wiener Str. 14a, Kreuzberg,
Telefon: 69 53 44 63,
Montag bis Freitag 12-22 Uhr, Sonntag 15-20 Uhr.

Joseph-Roth-Diele, Potsdamer Str. 75,
Tiergarten,
Telefon: 26 36 98 84,
Montag bis Freitag 10 bis 24 Uhr,
www.joseph-roth-diele.de

Offenbach-Stuben,
Stubbenkammer Str. 8,
Prenzlauer Berg,
Telefon: 445 85 02,
täglich ab 18 Uhr,
www.offenbachstuben.de

Sophieneck, Große Hamburger Str. 37,
Mitte,
Telefon: 283 40 65,
täglich 12 bis 2 Uhr,
www.sophieneck-berlin.de

Hausmannskost im "Sophieneck"

Im ehemaligen Scheunenviertel, unweit der Hackeschen Höfe, kann im „Sophieneck“ weitergeschlemmt werden. Das gemütlich eingerichtete Ecklokal war schon 1926 eine Kneipe mit deftigen Gerichten. In den 60ern dienten die Räume hingegen als Abstellkammer, bis diese 1986 aufgrund von staatlich angeordneter Restaurierung wie anno dazumal hergerichtet wurden. Aber erst 1994 wurde daraus wieder ein ambitioniertes Kneipen-Restaurant. Heute kann man in einem rustikalen Ambiente aus alten Filmplakaten und emaillierten Werbeschildern bei Kerzenschein speisen. Die Hausmannskost reicht von Eisbeinsülze mit Remouladensauce für 5,60 Euro über Reibekuchen mit Pilzspinat zu 6,40 Euro bis hin zum Bauernfrühstück für 6,20 Euro. Warmer Apfelstrudel mit Vanillesauce rundet das Ganze ab. Wer mag, trinkt dazu Hiddenseer Sanddornsaft. Pizza und Döner? Das war gestern.

Übergroße Stullen in der "Joseph-Roth-Diele"

Etwas lauschiger vom Ambiente her ist die „Joseph-Roth-Diele“ - auch wenn sie an der stark befahrenen Potsdamer Straße in Tiergarten liegt. Dieter Funk und Ulrike Schuster, die Betreiber des Devotionalienladens „Ave Maria“ nebenan, haben dem ehemaligen Sarggeschäft Leben eingehaucht. In den 20er Jahren war hier eine Konditorei mit Hinterzimmer, in der der Schriftsteller Joseph Roth verkehrte. Nach der Renovierung kamen Dielen, dunkle Holzvertäfelungen und goldeingefasste Rundbögen an der Decke zum Vorschein. Deshalb der Name. Leute aus der Nachbarschaft sitzen an den einfachen Holztischen, auf Stühlen, Sofas oder Barhockern: einfache Leute, die ihr Schwarzbier trinken, ältere Damen mit Hut vor Sahnetorte und auch Journalisten aus der Umgebung kommen auf einen Sprung herein, um eine übergroße Stulle mit Schmalz, Käse, Wurst oder Süßem zu verdrücken. Zwei warme Gerichte gibt es pro Tag, alles zu äußerst zivilen Preisen (zwischen einem und drei Euro). Mit einem Programm aus Lesungen, Musik und Kleinkunst wollen die Dielenbetreiber ein wenig an das bunte Leben in den 20er Jahren anknüpfen - als die „Potse“ noch Berlins Amüsiermeile Berlins war.