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Titel2 Interview Korb Buch 692

Es ist peinlich, hochgradig unangenehm, und kein Mann will gern darüber sprechen: Die Rede ist vom "Korb kriegen". Von der berüchtigten "Abfuhr". Sebastian Leber hat über die Erfahrungen von 32 Männern ein Buch geschrieben. Die gemeinsten Körbe, die größten Fehler, und wie man(n) in Würde kapituliert – das berichtet der 32-Jährige aus Prenzlauer Berg im Interview mit BerlinerAkzente.

Video-Interview:
Ingmar trifft Leber


Für den Video-Blog hat Moderator Ingmar sich Sebastian Leber vors Mikro geholt und den Autor von "Abgeblitzt" um Tipps für seine nächsten Flirtversuche gebeten – zum Interview.

Bild vergrößernSebastian Leber By Nico Klein Allermann

Buchautor Sebastian Leber: "Ich vermeide viele Körbe von vornherein."

Abgeblitzt


"Abgeblitzt" von Sebastian Leber ist bei Schwarzkopf&Schwarzkopf erschienen, hat 240 Seiten und kostet 9,90 Euro.

Bekommen Männer öfter einen Korb als Frauen?

Sie kriegen öfter einen Korb, weil sie leider immer noch öfter die Initiative ergreifen müssen. Ich glaube allerdings auch nicht, dass mir eine Frau etwas derartiges so offen erzählen würde, obwohl mich die Frauenperspektive echt sehr interessieren würde. Aber das müsste dann eine Frau aufschreiben.

Gehen Männer anders mit Körben um als Frauen?

Definitiv. Männer verdrängen und verleugnen das, sie machen die Frau möglichst mies und bauen sie nachträglich zu einem Monster auf – was ich durchaus legitim finde, wenn es einem hilft. Ich habe den Eindruck, was ich so von Frauen erzählt bekomme, dass es da anders läuft, dass Frauen das sezieren, im Nachhinein noch einmal durchgehen, auch mit Freundinnen. Bei Männern würde das niemals vorkommen.

Warum eigentlich nicht?

Ich glaube, vom Mann wird noch immer erwartet, dass er sich durchboxen muss, dass er austeilt, niemals einsteckt. Ein Mann und Verlieren, das passt nicht ins Bild, das wird ihm nicht zugestanden, was ich sehr schade finde. Schwäche zu zeigen ist auch was sehr Cooles. In Würde zu kapitulieren, das ist meine Traumvorstellung, wie man mit Körben umgehen sollte. So wie die Gallier in den Asterix-Heften, die ihre Waffen Cesar vor die Füße werfen und sagen: Ich habe verloren.

Wer gibt denn die gemeineren Körbe?

Im Buch ist das natürlich parteiisch aus Männersicht aufgeschrieben. Klar, dass die Frauen da als gemeine Täterinnen dastehen. Aber ich gehe davon aus, dass die allermeisten ja nur einen Korb geben, weil die Männer vorher die Signale nicht gesehen oder ignoriert haben. Deshalb sind die Männer natürlich selber schuld, und es ist voll okay, wenn die Frauen dann aggressiv und brutal sind. Eigentlich geben Frauen die besseren Körbe, weil sie ehrlicher sind. Männern fehlt die Courage, die sagen verlogene Sachen wie „Ich bin jetzt nicht reif für ’ne Beziehung“ oder „Ich muss erst lernen, mit mir selbst klarzukommen“. Da würde mich mal interessieren, ob irgendeine Frau diesen Schwachsinn schon mal geglaubt hat.

Wie sieht der ideale Korb aus, der die Männerseele nicht gleich völlig zerstört?

Wir können sehr gut mit „Ich habe einen Freund“ leben, egal ob es gelogen ist oder nicht. Am besten, ihr lasst das in einem Nebensatz fallen. Und bitte möglichst frühzeitig. Leider neigen Frauen dazu, das hinauszuzögern. Sie akzeptieren Flirtverhalten von Männern, obwohl sie wissen, mit dem Typ werden sie niemals was anfangen, aber in dem Moment fühlen sie sich geschmeichelt.

Bild vergrößernKorb

Auf dem Sportplatz das Ziel, aber im Café der Horror: der berüchtigte Korb.

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Wenn man die Geschichten liest, die Du aufgeschrieben hast, dann hat man das Gefühl, dass Männer Abfuhren selten gut verkraften. Selbst Jahre später erinnern sie sich noch an Details. Kann es sein, dass ihr einen Korb einfach überbewertet?

Ja, in dem Sinne, dass man es für schlimmer hält, als es am Ende ist, auch was die Konsequenzen für das Leben angeht. Es kratzt ja nicht nur am eigenen Ego, oft hat man Angst, dass das Kreise zieht, dass sie es allen Freunden weitererzählt – das passiert tatsächlich häufig, habe ich auch schon erlebt, das ist nicht spaßig. Da sind Gelassenheit und Souveränität nicht so einfach.

Nachdem Du viel über fremde Körbe und ihre Vorgeschichte gehört hast. Was sind die schlimmsten Fehler, die ein Mann beim Kennenlernen einer Frau machen kann?

Die Liste ist lang. Nur weil ich mit 32 Männern gesprochen habe, bin ich natürlich in keiner Weise ein Experte für Flirttechnik, das wäre anmaßend, und ich fürchte, ich mache auch immer wieder die gleichen Fehler.

Welche?

Dass man zu lange wartet, zu viel reininterpretiert in kleine Zeichen. Ich kann nur davon abraten, zu viel zu trinken. Am Anfang senkt es die Hemmschwelle, aber danach führt es dazu, dass man nicht mehr einschätzen kann, flirtet die Frau oder macht sie sich wahnsinnig über einen lustig. Außerdem ist prolliges Verhalten von gestern, aber auch jämmerlich rüberkommen, so die Softie-Masche, davon würde ich dringend abraten, das kommt auch zwanzig Jahre zu spät. Und man sollte zumindest versuchen zu gucken, welche Signale sendet eine Frau aus. Wenn man davor nicht ganz die Augen verschließt und sich ein bisschen zurücknimmt, dann kann das ganz hilfreich sein. Schlimmer als die Fehler beim Flirten ist es aber eigentlich, einen Korb als Riesenkatastrophe zu sehen.

Du erzählst in dem Buch auch von einem eigenen Korb. Wie viele musstest Du bisher einstecken?

Ich schwöre, ich führe da nicht Buch drüber, ich habe das nur mal für den Verlag gezählt. Es sind acht. Ich finde das ist kein guter Schnitt, denn da ich ein ängstlicher Mensch bin, vermeide ich viele Körbe von vornherein.

Drehen wir den Spieß mal um. Wie viele Körbe hast Du selbst schon gegeben?

Wesentlich weniger. Aber die habe ich nicht gezählt.

Wie kamst Du eigentlich auf die Idee, Dich mit den Körben anderer Männer zu beschäftigen?

Abgeblitzt ist jeder schon mal, aber das wird nicht thematisiert. Das ist etwas, worüber man nicht redet, das ist peinlich und unangenehm, niemand will über seine eigenen Blamagen reden, zumindest Männer nicht. Daher fand ich es interessant, da mal nachzubohren.

Siehst Du Deine eigenen Abfuhren inzwischen anders?

Ja. Als Mann kann man aus dem Buch lernen, dass es immer noch schlimmer geht. Von Frauen höre ich, sie hätten nie gedacht, dass Männer sich so viele Gedanken machen und das so ernst nehmen. All die hanebüchenen Pläne, die Männer schmieden, die sehen sie nicht. Frauen sehen oft nur das erbärmliche Ergebnis. Wenn sie nur ein Fünkchen davon mitbekommen, was Männer schon im Vorfeld durchmachen, dann wäre ich sehr glücklich.

Kontakt zum Autor: Eva Dorothée Schmid


Fotos: Nico Klein Allermann (2), colourbox.com