Wer internationalen Fußball mag, muss auf keinen Fall den Kontinent wechseln, nicht einmal die Stadt: Auf Berliner Fußballplätzen treten regelmäßig mehr als 30 von Migranten gegründete Vereine an – von der Kreis- bis zur Regionalliga. Clubs wie "Türkiyemspor", "SD Croatia", "SV Deportino Latino" oder der "Club Italia 80" kicken erfolgreich an der Spree.

Mit "S.D. Croatia" kickt auch der Balkan in den Berliner Fußballligen.

Der erfolgreichste Fußball-Verein mit Migranten: Türkiyemspor.
Ein Ball – unzählige Nationen
• Türkiyemspor, Gitschiner Straße 48 (Kreuzberg), www.tuerkiyemspor.info
• SD Croatia Berlin, Bosestraße 21 (Tempelhof), www.sd-croatia.de
• Club Italia 80, Leydenallee 79 (Steglitz), www.clubitaliaberlino.de
• BSV Al-Dersimspor, Waldemarstraße 22 (Kreuzberg), www.bsv-aldersim.eu
• SV Deportivo Latino, www.club-deportivolatino-berlin.de
Alle "Heimatvereine"
auf einen Blick:
Türkiyemspor Berlin (Regionalliga)
Berlin Ankaraspor (Oberliga)
NSCC Trabzonspor I (Berlin-Liga)
SD Croatia Berlin (Landesliga)
TuS Makkabi (Landesliga)
Club Italia 80 (Landesliga)
Berlin Hilalspor I (Landesliga)
BSV Hürriyet Burgund I (Landesliga)
BSV AL-Dersimspor
BSV Hürtükel I (Landesliga)
KSF Anadolu-Umutspor I (Bezirksliga)
FC Internationale I (Bezirksliga)
FC Liria I (Bezirksliga)
1.FC Galatasaray Spandau I (Bezirksliga)
BFC Tur Abdin I (Bezirksliga)
BSC Göktürkspor I (Kreisliga A)
1.SV Galatasaray Ber I (Kreisliga A)
FC Al-Kauthar I (Kreisliga A)
FC Veritas 1996 I (Kreisliga A)
BSC Agrispor I (Kreisliga A)
SpVgg Hellas-NordWest I
FC Besiktas 1 (Kreisliga B)
Berlin Türkspor I (Kreisliga B)
FC Hellas I (Kreisliga B)
SV Fenerbahce I (Kreisliga B)
FC Karame I (Kreisliga B)
BFC Tur Abdin II (Kreisliga C)
Berlin Ankaraspor Kulübü 07 II (Kreisliga C)
SV Deportivo Latino I (Kreisliga C)
SK Yesilyurt 07 I (Kreisliga C)
Samsunspor I (Kreisliga C)
FC Phönix Ayyildiz I (Kreisliga C)
FK Makedonija I (Kreisliga C)
"Nach Hertha BSC und Union sind wir die Nummer Drei in Berlin", sagt Sikret Ceylan voller Stolz. Sein Verein: der Regionalligist "Türkiyemspor Berlin", bei dem er seit 15 Jahren als Manager fungiert. Es ist der erfolgreichste und bekannteste von mehr als 30 Berliner Fußballvereinen, in denen hauptsächlich Spieler mit Migrationshintergrund kicken.
Bindeglied für die italienische Gemeinschaft
Exotische Clubs gibt es in der Hauptstadt zuhauf: "SD Croatia", "FK Makedonija", "SpVgg Hellas Nord-West", "SV Deportivo Latino", "BSV Al-Dersimspor" und beispielsweise "Club Italia 80". Kein Wunder, denn ein Drittel der rund 100.000 Berliner, die in Fußballvereinen spielen, hat ausländische Wurzeln.
Ein sehr traditionsreicher Verein ist auch der "Club Italia", der sich als Bindeglied für die italienische Gemeinschaft in Berlin versteht. Gut kicken können die Mitglieder allerdings auch, immerhin ist Club Italia in der Landesliga vertreten. Zu den Heimspielen am Ostpreußendamm in Lichterfelde verteilt Florian Sinnig, der als erster Vorsitzender die Geschicke des Vereins lenkt, persönlich Pizza.
Herzhafte Leckereien und beherzter Fußball
Beim Kreuzberger-Landesligisten "BSV Al-Dersimspor" gibt es zwar keine herzhaften Leckereien am Spielfeldrand, dafür aber beherzten Fußball. Fraußen-Fußball. Vor zwei Jahren sorgte der Verein für Furore, als die Frauenmannschaft ein Freundschaftsspiel gegen die Nationalmannschaft des Iran austrug. Das Spiel in Teheran wurde als Dokumentation unter dem Namen "Football under cover" verfilmt. In diesem Sommer plant der Klub vom Anhalter Bahnhof ein internationales Frauenturnier mit Mannschaften aus zehn Ländern.
Mehr als 20 Nationen in einem Klub
Mit "FK Madekonija" sowie "SD Croatia" kickt auch der Balkan in den Berliner Fußballligen. Die beiden Vereine sind Überbleibsel einer Jugoslawien-Liga, die in den Achtzigerjahren in Berlin ausgetragen wurde. "Wir sind ein Auffangbecken für alle Kroaten aus Berlin und Brandenburg" sagt Geschäftsführer Ivan Pelivan. Der 33-Jährige spielt selber bei den Senioren und ist seit drei Jahren im Vorstand von "SD Croatia".
Der Klub hat sich gegründet, um Kroaten in Berlin ein Stück Heimatgefühl zu geben. "Wir wollten unsere Kultur und Mentalität beibehalten und sie untereinander pflegen", sagt Pelivan und fügt hinzu, dass "jeder bei uns willkommen ist und wir offen für alle Nationen sind". Einer der aktuellen Spieler, der mit dafür sorgt, dass SD Croatia so hochklassig spielt, ist der ehemalige Bundesligaprofi Davor Krznaric.
Doch der erfolgreichste Migranten-Verein ist "Türkiyemspor". Das kommt nicht von ungefähr, immerhin ist der Klub schon an der Basis gut aufgestellt: "Wir haben mehr als 600 Mitglieder, fünf Frauen-Teams und knapp 20 Jugendmannschaften und mit Hülya Kaya sogar eine türkische Junioren-Nationalspielerin", sagt Sikret Ceylan. Für Nachwuchs ist also gesorgt im Hause Türkiyemspor – und bei Weitem nicht nur für türkischen: "Bei uns sind mehr als 20 Nationen vertreten", betont Ceylan.
Mehrere tausend Zuschauer bei Heimspielen
Der 52-Jährige kennt die Geschichte von Türkiyemspor von Anfang an: 1978 schloss sich eine Gruppe türkischer Gastarbeiter zu einer Hobbymannschaft namens "Kreuzberg Gençler Birligi" – übersetzt "Kreuzberger Junge Union – zusammen und nahm fünf Jahre später unter dem Namen "Izmirspor" am Berliner Ligabetrieb teil.
Prompt marschierte der Klub von der C-Klasse bis in die Oberliga durch. So weit oben angelangt, entschloss man sich, den Namen in "Türkiyemspor" Berlin ("meine Türkei") zu ändern. Damals kamen zu den Heimspielen oft mehrere tausend Zuschauer, der Rekord waren 12.000 im Spiel gegen Hertha BSC Berlin 1987.
Preise für Jugendarbeit und Integration
Für die vorbildliche Jugendarbeit und die Förderung des Mädchenfußballs erhielt der Club im Jahr 2007 den Integrationspreis des Deutschen Fußball Bundes. Auch für den "Avitall-Cup", ein interreligiöses Fußballturnier, gab es einen Preis von der Stiftung für Demokratie.
Auch gegenüber schwulen Fußballern haben die Spieler keine Berührungsängste und kooperieren bei den "Respect Gaymes", einem Sportfestival für Toleranz gegenüber Homosexuellen, mit schwul-lesbischen Sportclubs. Der Verein sei sich seiner Integrationsrolle bewusst, sagt Sikret Ceylan. "Und wir nehmen sie auch an."
Kontakt zum
Autor:
André Tucic
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Zuletzt aktualisiert: 31.05.2011
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Fotos:
colourbox.com, S.D. Croatia, Cetin Özaydin