Verkannter Tiergarten: Gegenüber Trendbezirken wie Prenzlauer Berg, Mitte und "Kreuzkölln" braucht sich Moabit-Tiergarten nicht zu verstecken. Längst haben trendige Clubs, Strandbars, Galerien und Schlemmer-Tempel die Vorteile der Lage direkt an der Spree erkannt. So könnte ein idealer Abend aussehen.

Draußen im Sand chillen, drinnen feiern: "The Box".

Sandstrand für Berlins Westen: "Beach at the box".
Bezirk mit vielen Gesichtern
Clubs, Bars, Kneipen in Moabit-Tiergarten: Hier finden Sie unsere
Weggehtipps
Tape Club Heidestraße 14, www.tapeberlin.de, Tel.: 28 48 48 73, keine festen Termine außer alle zwei Wochen ab 23 Uhr die Gaypartys "Horse Meat Disco" und "pag"
Restaurantschiff Patio Helgoländer Ufer/Kirchstraße, www.patio-berlin.de, Tel.: 40 30 1700, Mo-Fr 11:30-1 Uhr, Sa/So 9-1 Uhr, Mittagstisch
Beach at THE BOX und Club "THE BOX", Englische Str. 21-23, www.beachberlin.com, Tel.: 25 04 15 15, Strand: Mo-Fr 12-23 Uhr, Sa/So 12-24 Uhr. Club: Fr/Sa 23-open end,
Lir Flensburger Str. 7, www.thelir.de, Tel.: 392 85 02, täglich 17-2 Uhr
ProbierMahl Dortmunder Straße 9, www.nola.de, Tel.: 399 69 69, Mo-So 16-1 Uhr, So zusätzlich Brunch von 10-15 Uhr, Montags-Special: Drei Gerichte probieren, zwei bezahlen! Bieten auch Catering an.
Schleusenkrug Müller-Breslau-Straße, www.schleusenkrug.de, Tel.: 313 99 09, im Sommer 10-20 Uhr

Im "Tape Club" macht die Deko dem Clubnamen alle Ehre...

Auch Vernissagen-Partys finden im "Tape Club" statt.
Zwischen Speditionen, Gebrauchtwagenhändlern und Lagerhallen leuchtet oberhalb des Hauptbahnhofes in der Heidestraße bereits von weitem eine grüne Kassette. Mitten im Industrie-Ambiente hat sich der angesagte "Tape Club" niedergelassen. Und hier beginnt unser Streifzug durch Moabit-Tiergarten.
Ein Club als Kunstplattform
Über Kopfsteinpflaster, vorbei am Türsteher, den mit Kassetten tapezierten Gang entlang – schon stehen Besucher im schlichten Tanzraum mit DJ-Pult und schummrig beleuchteter Bar. House- und Disco-Musik wummert aus den Boxen, das Publikum ist international und im Schnitt Mitte Zwanzig.
"Wir wollten eher eine Kunstplattform als einen Club etablieren", sagt einer der zwei Betreiber, Jonathan Margulies (32). "Uns schwebte eine Großraumdisco vor, in der man sich aber wohl fühlt – mit Sofas, Teppichen und viel Holz. Und wir wollten mitten in der Stadt sein, dazu im Dunstkreis der Kunst", sagt Margulies, der aus dem Musik- und Kunstbereich kommt.
Internationale Vernissage-Partys
Das Konzept ist den beiden gelungen: Der Tape Club überzeugt mit einer auffallend entspannten und freundlichen Atmosphäre. Raucher können sich in einer Raucher-Lounge mit extra Bar und DJ fläzen. Für Frischluft-Fans steht eine Terrasse bereit, auf der auch gelegentlich der Grill qualmt.
Als der "Tape Club" vor drei Jahren aufmachte, war die Gegend noch ein richtiger Geheimtipp. Heute haben sich hier sogar Galerien angesiedelt, zum Beispiel im schräg gegenüberliegenden Fertighaus "Haunch of Venison", "Galerie Schuster" und "Wendt + Friedmann". Club und Kunst arbeiten eng zusammen: Sechs Mal im Jahr veranstaltet der Club unter dem Motto "Tape modern" Vernissagen-Partys. Dann gibt sich die internationale Kunstszene in der Heidestraße ihr Stelldichein.
Ungewöhnliches Probier-Konzept
Wer sich vor dem Discobesuch noch stärken möchte, fährt am besten in die Elberfelder Straße. Hier hat das ehemalige Nola’s seit anderthalb Jahren als "ProbierMahl“ ein neues Konzept. Gäste können viele kleine Portionen bestellen und ausprobieren – von mediterranen bis hin zu regionalen und auch vegetarischen Gerichten. Montags gibt es ein nettes Special: Drei Gerichte bestellen, zwei bezahlen!
Weiter geht's an der Spree in Richtung Südosten. Fast direkt am Bundesinnenministerium hat vor drei Jahren das Restaurantschiff "Patio" des Gastronoms Mathias Böhme angedockt. Das ehemalige Wohnschiff hat er in ein Design-Objekt verwandelt. Edles Holz, viel Glas, im Bauch des Schiffes wartet eine gemütliche Lounge mit Clubsesseln.
Cocktails schlürfen und Aussicht genießen
Gäste können hier abends Cocktails schlürfen und international speisen: Italienisch, Japanisch und Vietnamesisch. Dabei lässt sich dann gleich auch prima die Aussicht auf das gegenüberliegende Ufer genießen. "Dieser Platz war meine erste Wahl, denn die Gegend bietet beste Voraussetzungen: Sie ist mitten in der Stadt, aber zugleich eine Oase der Ruhe. Tagsüber herrscht durch das Bundesinnenministerium und die Kanzleien viel Leben, abends dagegen ist Entspannung angesagt", erklärt Mathias Böhme.
Irisches Ambiente mitten im Tiergarten
Wir ziehen weiter über die Bärenbrücke, marschieren an den S-Bahn-Bögen entlang und gelangen nach einiger Zeit zum "Lir". Seit mehr als 16 Jahren beweist die irische Kneipe, dass es von der Einrichtung her auch ohne die üblichen Irland-Klischees geht. Statt wild gemustertem Teppichboden, schummrigem Ambiente und überdekorierten Wänden findet das Kiez-Publikum zwei helle, gemütliche, aber schlicht gestaltete Räumen vor. Im Sommer sitzt es auf der Terrasse unter Palmen und genießt Guiness, Murphy's, Kilkenny oder Cider. Das absolute Muss: Fish and Chips oder Chicken Wings, mit Sprüchen garniert vom Koch persönlich.
Schick, aber nicht versnobt geht es nun weiter ans Spree-Ufer: ins vor einem Jahr eröffnete "Beach at the box", zu dem ebenfalls der Club "The Box" gehört. Hier, unweit der Mercedes-Filiale und der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM), steht Geschäftsführer Alexander Freund und sagt, dass er sich keinen besseren Ort vorstellen könne. "Die Erreichbarkeit durch die Lage mitten in der Stadt ist einzigartig in Berlin. Der Westen brauchte dringend einen schönen Sandstrand, und wir haben die Lücke geschlossen."
Auch Promis lassen sich gerne blicken
Von mittags bis nachts fläzen sich Anwohner, Mitarbeiter der umliegenden Firmen, Touristen und Familien auf der hundert mal sechzig Meter großen, mit feinstem Sand bestreuten Fläche in Liegestühlen oder auf Daybeds. Sie schlürfen tropische Drinks und Cocktails und holen sich vom Block-House Gegrilltes. Samstags und sonntags tanzt im Club die Westberliner Szene. Ab und zu lassen sich auch Promis wie Sängerin Sarah Connor oder Adel Tawil von "Ich+Ich" sehen.
Sonne, Bier und Spree
Ein echter Oldie ist unsere letzte Station: der Schleusenkrug. Zu Zeiten des kalten Krieges und der Mauer verlief hier die Grenze. Während im unteren Teil des Gebäudes die DDR-Genossen für einen reibungslosen Schiffsverkehr sorgten, genossen oben die Westberliner Sonne, Bier und die deftige Küche.
Heute können Besucher von früh bis spät einkehren: Die Speisekarte bietet Frühstück, Mittag, Kaffee und Kuchen sowie abends Gegrilltes. Und ab und zu weht ein leichter Duft vom Elefantenhaus herüber – denn im Tiergarten ist der Zoo ja gleich nebenan.
Kontakt zum
Autor:
Katja Winckler
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Zuletzt aktualisiert: 29.06.2011
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Fotos:
colourbox.com, Promo (4)