Stadt & Szene

"Petri-Golf-Heil"

Video: Ingmars Ausflug zu den Angelgolfern


Wer angelgolft denn da? Für den V-Blog hat Ingmar Thorsten Waschnig und seine Mitstreiter getroffen – und ausgefragt.

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Ob Golfplätze, Turnhallen oder Parks: Ihren Sport können Angelgolfer an vielen Orten ausüben.

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Den Ball an der Angel: Hierfür gab's den Innovationspreis des Berliner Sports.

So wird gespielt


Die Regeln dieses neuen Trendsports sind ganz einfach:

Weit werfen – genau zielen


• Der Sportler wirft mit der Angelrute das Gewicht so weit er will und kann.
• Sobald das Gewicht gelandet ist, wird von diesem Punkt aus weiter geworfen.
• Das Ziel ist erreicht, wenn der Golfball im Zielbereich des Loches – markiert durch das Tuch – gelandet oder im Loch verschwunden ist.
• Für jeden Wurf wird dem Spieler ein Punkt angerechnet.
• Gewinner ist der Spieler mit den wenigsten Versuchen.

Wer die Zone rund um das mit dem Tuch markierte Loch erreicht, hat die Bahn beendet. Wird der Ball direkt im Loch versenkt, gibt’s einen halben Punkt extra.

Mehr Infos unter www.fun-casting.eu

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Und er hat's vor drei Jahren erfunden: Thorsten Waschnig.

Wundern Sie sich bitte nicht, wenn auf der grünen Wiese demnächst Ihr Sitznachbar die Angel auspackt und einen Golfball an die Spitze hängt. Der will nur spielen – und zwar Angelgolf. Über Berlins derzeit innovativste Sportart, spöttelnde Vereinskollegen und Aschenbecher mit Wischtüchern im Rasen.

Mitten auf der Wiese wirft eine Gruppe gut gelaunter Männer und Frauen ihre Angelruten aus. Kein See weit und breit, noch nicht mal ein Bächlein. Geschweige denn ein Fisch. "Petri-Golf-Heil", rufen sie sich auch noch zu. Willkommen bei Berlins skurriler neuer Sportart: Angelgolfen. Thorsten Waschnig (43) hat sie vor drei Jahren erfunden. Und das kam so:

Anfangs Spott von Sportler-Kollegen

Prusten und Spötteln erntete Thorsten Waschnig vor drei Jahren, als er den Sport mit der Rute seinen Vereinskollegen der "Spandauer Anglervereinigung 1947" vorstellte, in dem er von Kindesbein an Mitglied ist. Das Lachen ist den Mitsportlern längst vergangen – spätestens seit November 2009, als der Berliner Landessportbund das Angelgolfen als tolle Erweiterung des Sportangebots lobte und Waschnigs Erfindung mit dem erstmals vergebenen "Innovationspreis des Berliner Sports 2009" auszeichnete und zweitausend Euro auf das Vereinskonto überwies.

Wie viele seiner Anglerkollegen war auch Waschnig begeisterter Casting-Sportler. "Das ist der Sport der Angler", erklärt er. Den gebe es bereits seit mehr als 130 Jahren. "Dabei kommt es darauf an, mit der Angel kleine Gewichte möglichst dicht an vorgegebene Ziele zu werfen." So trainieren die Angler ihre Zielgenauigkeit. Auf die kommt es neben dem nötigen Quäntchen Geduld ebenfalls an, wenn der Fisch anbeißen soll.

Mehrere Ziele gleichzeitig bewerfen

Nachteil dieser Wettkämpfe: "Zwischen den einzelnen Würfen muss man manchmal ziemlich lange warten." So zum Beispiel bei den Deutschen Meisterschaften im Turnier-Wurfsport 2006 in Kassel. 130 Teilnehmer harrten aus, bis die Bahn für den nächsten Durchgang wieder frei war. Waschnig begann sich zu langweilen – und überlegte, dass man doch mehrere Ziele haben müsste, auf die die Sportler gleichzeitig werfen könnten. Wie beim Golfen. Dann könnte auf jeder Golfbahn eine Gruppe starten.

Kurzerhand schraubte er eine Öse in einen Golfball und hängte ihn anstelle der beim Casting-Sport üblichen Kunststoff- oder Metallgewichte an die Angelrute. "Ich hatte keine Ahnung, wie sich die Angel mit dem Ball vorne dran verhält, wie der Ball rollt", erinnert sich Waschnig.

Als Löcher dienen Aschenbecher

Danach ging's ab auf die Wiese. Zum Test mit Freunden. Als Löcher dienten zunächst Aschenbecher. Darüber ein Tuch mit einem Loch in der Mitte als Zielmarkierung. Die Kunst der Improvisation blieb bis heute: "Einfache Wischtücher eignen sich dafür hervorragend und kosten nicht viel", sagt der Leiter einer Lohnsteuer-Beratungsstelle.

Auf einer ganz normalen Wiese in der Nähe von Mahlsdorf fand dann ein Jahr später das erste Turnier im Angelgolfen statt. Mit acht aktiven Spandauer Angelgolfern, selbst gebastelten Positionsfähnchen und reichlich Golfbällen mit Ösen. Besorgt hatte er sich die Bälle übers Internet. "Bei Ebay hab’ ich ’ne Kiste mit 200 Bällen ersteigert, das Stück 40 Gramm schwer", erzählt Waschnig. Ein Gewicht, für das schon eine recht stabile Angelschnur mit einer Stärke von mindestens einem Viertel Millimeter notwendig ist. Eine 25er-Schnur, mit der Waschnig üblicherweise Weißfische oder Aale angeln würde.

Von der grünen Wiese auf den Golfplatz geschafft

Die Zeiten der grünen Wiese sind längst vorbei. Zur ersten deutschen Meisterschaft im Angelgolfen lud Waschnig im September 2009 auf einen "echten" Golfplatz ein, auf die Anlage des Potsdamer Golfclubs im brandenburgischen Tremmen bei Ketzin. 30 Angelgolfer gingen an den Start, aus Berlin, Brandenburg und Rheinland-Pfalz. Die meisten davon Männer, aber auch drei junge Mädchen warfen die Angel aus und drei erwachsene Frauen, die älteste davon schon jenseits der 70.

Mieteten die Spandauer Angelgolfer in Tremmen zunächst den halben Platz inklusive neun Löchern, haben sie ihre Aktivitäten inzwischen auf den Sechs-Loch-Platz verlegt. "Da ist die längste Bahn immer noch 110 und die kürzeste 40 Meter lang", sagt Waschnig. "Es geht ja beim Angelgolfen nicht um Weitwurf, sondern um Zielgenauigkeit."

Insgesamt schätzt er die Angelgolfer-Community erst auf rund 50 Aktive deutschlandweit. Aber das kann ja noch werden. "Immerhin gibt es 5.000 aktive Casting-Sportler in Deutschland." Na dann: Petri-Golf-Heil.


Mehr Infos unter www.fun-casting.eu

Kontakt zum Autor: Katrin Starke


Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010 · Fotos: colourbox, wikipedia.org (2), Katrin Starke