"Humor hilft immer gegen Stress", sagt Thomas Hermanns.
Thomas Hermanns...
... ist Moderator, Buchautor ("Für immer d.i.s.c.o") und Erfinder des "QUATSCH Comedy Clubs". Der 47-Jährige wuchs in Nürnberg auf, studierte Theaterwissenschaften und gründete 1992 den QUATSCH Comedy Club in Hamburg, der die Stand-up-Comedy in Deutschland etabliert hat.
Der Start in Berlin
gelang mit Hilfe eines Existenzgründerdarlehens der Berliner Sparkasse: 2002 zog der Club nach Berlin neben den Friedrichstadtpalast. Seit 1996 läuft das Format erfolgreich auf ProSieben und ist damit die am längsten gezeigte Comedysendung im deutschen Fernsehen.
Mehr Infos zum Club unter www.quatsch-comedy-club.de
Wie die Berliner Sparkasse Gründer unterstützt, lesen Sie hier.
Hermanns reist am liebsten nur mit Handgepäck: "Lieber im Urlaub ein T-Shirt mehr waschen als den großen Koffer mitnehmen", rät er.
Thomas Hermanns hat ein neues Buch geschrieben: "Das Tomatensaft-Mysterium". Im Interview mit BerlinerAkzente erklärt der Erfinder des "QUATSCH Comedy Clubs", warum er nach jeder Reise Bäume pflanzt, im Urlaub nicht ohne Geldautomat überlebt und schlechte Zeiten generell gute Zeiten für die Comedy sind.
Herr Hermanns, Sie verdienen Ihr Geld mit Quatsch, verdienen Sie da gut?
Ja, inzwischen verdient man in Deutschland mit Quatsch gut. Es ist aber ein sehr großer Unterschied, ob man ein einzelner Komiker ist oder ob man – wie ich – zwei Theater leitet. Der "QUATSCH Comedy Club" ist inzwischen ein mittelständisches Unternehmen mit mehr als 30 Angestellten.
Eine Berliner Zeitschrift hat Sie auf Platz 60 der "100 peinlichsten Berliner" gewählt. Ärgert Sie das?
Du musst auf einer solchen Liste stehen, sonst kommst du in dieser Stadt nicht vor. 60 finde ich aber zu undefiniert. Ich hätte gern eine Schnapszahl gehabt: 66 oder 77.
Ist Berlin inzwischen die Humor-Hauptstadt? Schließlich sind viele erfolgreiche Comedians Berliner: Cindy aus Marzahn, Mario Barth oder Kurt Krömer.
Früher war das Humorzentrum eher im Rheinland, doch dieser trockene, raue Berliner Humor hat in den letzten Jahren einen irrsinnigen Zulauf gekriegt.
Ist er jetzt in der Wirtschaftskrise einfach zeitgemäßer?
Die Leute wollen natürlich, dass Comedians über das sprechen, was die Menschen beschäftigt. Cindy aus Marzahn steht für eine souveräne Unterschicht, die sich äußert. Cindy hat bei uns im Club angefangen und die Talentschmiede gewonnen. Dass sie so weit kommen würde, war damals nicht zu erahnen.
Aber der Berliner Humor ist jetzt nicht so zum Reißausnehmen, dass Sie ein Reisebuch geschrieben haben?
Nein, ich liebe den Berliner Humor! Der ist hart, aber herzlich. Nicht konfliktscheu und eher trocken. Das Buch habe ich geschrieben, weil ich sehr viel fliege, bestimmt vier oder fünf Mal im Monat.
Klingt nach einer miesen CO2-Bilanz.
Ja, aber die gleiche ich aus: Ich pflanze dafür Bäume in der Dritten Welt. Man kann heutzutage nicht viel fliegen, ohne das auszugleichen. Während dieser Vielfliegerei ist mir aber aufgefallen, dass Fliegen wegen der Sparmaßnahmen und des 11. Septembers immer unkomfortabler geworden ist.
Brauchen wir ein lustiges Buch, um noch Spaß am Fliegen zu haben?
Humor hilft immer gegen Stress. Man kann das Buch ideal im Flieger lesen und gucken, welche der beschriebenen Flugpersonal-Charaktere gerade arbeiten. Es beinhaltet aber auch viele Tipps.
Welche?
Wenn möglich, nur Handgepäck. Lieber im Urlaub ein T-Shirt mehr waschen als den großen Koffer mitnehmen. Der kostet dich mindestens 45 Minuten deines Lebens. Und ich empfehle das gute alte Reisebüro. Buchen Sie nie selbst im Internet. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn aus dem 9-Euro-Angebot nach New York in Sekundenbruchteilen ein 900-Euro-Angebot wird.
Wie fliegt ein Profi-Flieger?
Ich bin der schnellste Ein- und Aussteiger Deutschlands. Ich gehe zügig rein, lasse andere vorbei, halte den Verkehr nicht auf. Ich habe da einen regelrechten sportlichen Ehrgeiz entwickelt und behandle jede Flugreise wie eine olympische Disziplin.
Zücken Sie auf Reisen lieber die Kreditkarte oder das Bargeldbündel?
Ich bin der Kreditkartentyp. Mir kann es sogar passieren, dass ich gar keine Fremdwährung dabeihabe, weil ich denke, da wird es doch einen Automaten gebe. Ich bin schon sehr kartenverwöhnt.
Wegen der Krise wollen die Deutschen weniger verreisen. Glauben Sie, dass die steigende Arbeitslosigkeit ähnliche Auswirkungen auf Comedy-Theater hat?
Ich glaube, dass Comedy gerade in Krisenzeiten stärker gefragt ist. Afghanistan, Finanzkrise und die Gesichter der Politiker – das macht einfach keinen Spaß. Dann wollen viele abends Ablenkung. Schlechte Zeiten sind gute Zeiten für die Comedy.
Thomas Hermanns: Das Tomatensaft-Mysterium – Fliegen in der Comedy Class, Goldmann Verlag, 8,95 Euro
Kontakt zum
Autor:
Jörg Oberwittler
Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010
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Fotos:
Andreas Riedel (3)