
Stadtbad Steglitz: In der Jugendstil-Schwimmhalle wird jetzt getanzt und gelesen...

... und die ehemaligen Kabinen wurden zum Café.
Feiern in Ruinen
Die Adressen der skurrilsten
Party-Locations mit Undergroundflair
Friedrichshöhe / Club phb
Landsberger Allee 54 (Friedrichshain), immer freitags und sonnabends von Mitternacht bis open end. Sämtliche Infos unter www.phb-berlin.de
Stadtbad Wedding
Gerichtstraße 65-69 (Wedding), www.stadtbad-wedding.de
Stadtbad Steglitz
Bergstraße 90 (Steglitz), alle Veranstaltungsangebote, das Café sowie Infos zum Mieten der Räume unter www.stadtbad-steglitz.de
Galerie unter Berlin
Saarbrücker Straße 24, Eingang Straßburger Straße 53 (Prenzlauer Berg), www.tanzapartment.de

Die "Friedrichshöhe" bietet Kunst, Clubs und Partys auf einen Schlag.

Das alte Stadtbad Wedding wird zu einer Kultur- und Event-Location.

Ob Tanz-Performance oder Ausstellung: Zur "Galerie unter Berlin" gelangt nur, wer eine Luftschutzbunker-Treppe hinunter steigt.
Still gelegte Schwimmbäder, marode Abbruchhäuser, düstere Luftschutzbunker: Es gibt sie noch in Berlin – die geheimnisvollen Orte, die nur Eingeweihte kennen. Tief unter der Erde feiert das Szenepublikum wilde Partys und unvergessliche Ausstellungseröffnungen.
Am grimmigen Türsteher vorbei, die Kellerstufen runter, den elektronischen Bässen entgegen – schon steht der Besucher mittendrin: im "phb" in Friedrichshain an der Landsberger Allee, einem der derzeit angesagtesten Undergroundclubs der Hauptstadt. Die Einrichtung ist spartanisch: unterkühltes Achtzigerjahre-Ambiente, kaputte, teils gekachelte Wände, über die bunte Lichter von Projektoren flimmern, eine Bar, ein paar alte Sofas und ein DJ-Pult. Trotzdem könnte der Andrang kaum größer sein.
"Wilde" Nutzung für Elektro-Partys
Wer die sogenannte "Friedrichshöhe" an der Landsberger Allee gegenüber dem Volkspark Friedrichshain einmal gefunden hat, bekommt Kunst, Clubs und Partys auf einen Schlag serviert. Einst befand sich in den Gründerzeitbauten die ehemals größte Brauerei Europas, die Patzenhofer-Schultheiß-Brauerei. 1990 wurde der Betrieb eingestellt, jetzt zucken in den alten Backsteinhallen junge Berliner und viele internationale Gäste bis in die Morgenstunden zu elektronischer Musik.
Wer frische Luft schnappen will, geht in den kopfsteingepflasterten Hof. Im Winter wärmen sich die Besucher ihre kalten Hände wie in der New Yorker Bronx an Tonnen mit brennendem Feuer. Im Sommer liegt hier überall Sand, schlürfen aufgedrehte Partygänger an ihren Getränken. Wer sich für Kunst interessiert, stapft einfach die Treppen des vierstöckigen Gebäudes hoch, in dem früher die Braukessel standen. In den hohen Räumen mit den großen Fenstern und vielen Säulen finden Kunstausstellungen und Events statt.
Hier ist es dann auch unüberhörbar – das internationale Stimmengewirr, denn über MySpace, Blogs, Twitter und das Internet hat sich die Partylocation unter Eingeweihten längst weltweit herumgesprochen. Tagsüber finden sich hier Musiker, Designer, Fotografen und Teams von Tonstudios ein, die auf dem Gelände Räume mieten können.
Großes Labyrinth aus düsteren Räumen
Industrielles Flair mit Gruselfaktor konnten Besucher auch im Keller des Stadtbades Wedding erleben. In einem großartigen Labyrinth aus düsteren Räumen, riesigen Röhren und Wasserkesseln wurden unter den Becken des 2002 trockengelegten Bades lange wilde Partys gefeiert. Anlässlich der Fashion Week sowie der Street Art-Ausstellung "Urban Affairs" kamen internationale Künstler nach Wedding. Doch die Badehose bleibt auch künftig getrost zu Hause: Der angesagte Ort in der Gerichtsstraße soll zu einer Kultur- und Event-Location namens "Stattbad" werden – mit Galerien, Ausstellungsräumen und Büros für die Kreativbranche.
Damenbad wird Kunsttempel
Derzeit dient nur die kleine Schwimmhalle – in Zeiten der Geschlechtertrennung den Damen vorbehalten – als Schauplatz der Kunst. Doch das bereits 1908 erbaute und in den 1960er-Jahren erweiterte Gebäude hat noch mehr skurrile Räumlichkeiten für Partys und Vernissagen zu bieten: das große Herrenbad zum Beispiel, oder etliche Wannenbäder, die früher von Weddinger Arbeitern, die zu Hause kein eigenes Badezimmer hatten, zur Körperreinigung angemietet wurden. Auch die Umkleideräume und das Foyer bieten die ideale Hintergrundkulisse für außergewöhnliche Kunst. Das Bad ging sogar in die Filmgeschichte ein: 1956 diente es als Kulisse für den Klassiker "Die Halbstarken" mit Horst Buchholz.
Weniger rebellisch, aber trotzdem schräg geht es im Stadtbad Steglitz zu. Gabriele Berger hat das stillgelegte Schwimmbad 2004 gekauft und trockengelegt. Ihr Traum: Das Jugendstilbad mit der hohen Kuppel schon bald aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken, sobald die Berliner Stadtkasse wieder über Gelder für solche Sanierungen verfügt. Bis die Location der Öffentlichkeit als zweifach genutzter Ort von Bad und Kultur zugänglich wird, finden in der blau gekachelten Jugendstil-Schwimmhalle Lesungen, Tangoveranstaltungen inklusive Tapas-Verzehr und Theateraufführungen statt. Wer ausgiebig feiern möchte, mietet die Schwimmhalle oder schlemmt in den ehemaligen Umkleidekabinen, die als Café fungieren.
Acht Meter in die Tiefe zur Ausstellung
Geradezu unterirdisch geht es in der "Galerie unter Berlin" zu. Ganze acht Meter unter der Erde befindet sich in einem Gewölberaum der neue Ausstellungsort von Vanessa Huber-Christen und Lorenz Huber. Insgesamt 500 Quadratmeter messen die aufregenden, denkmalgeschützten Räume unter dem ehemaligen Brauereigelände "Alte Königstadt" in Prenzlauer Berg. Hier scheint die Zeit angesichts der rauen, unverputzten Wände wie stehen geblieben.
Nachdem der Brauereibetrieb in der Saarbrücker Straße, Ecke Straßburger Straße, eingestellt worden war, parkte hier zu DDR-Zeiten der Fuhrpark des Ostberliner Senats. Sogar die Stasi nutzte einige Räume. Im September wird es richtig losgehen: Dann kommt mit der Konzeptreihe "Frequenzen" als Forum für moderne Kunst wieder Leben in das verwunschene Gemäuer. Der Abenteuerfaktor ist schon jetzt hoch: Wer die Werke betrachten möchte, muss sich trauen, die alte Luftschutzbunker-Treppe zu benutzen.
Kontakt zum
Autor:
Katja Winckler
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Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010
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Fotos:
C. Yunck (4), Café Freistil, tanzApartment