Stadt & Szene

Eine Meisterleistung nach der anderen

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Weltmeister der Jungköche: Florian Neumann

So kocht ein Weltmeister


Mit diesem Hauptgericht überzeugte Florian Neumann bei der WM in der Disziplin "Unbekannter Warenkorb":

Gefüllter Lammrücken


mit Zwiebelkruste, Blattspinat, Kürbispüree, Speckbohnen und gebratener Polenta:

Lammrücken: 1 Lammrücken, 1 große Zwiebel, 1 Ei, 150 g Butter, Semmelbrösel oder frisches Weißbrot, 100 g Kalbfleisch, 100 ml Sahne, Salz, Pfeffer, Thymian, Kräuter, Butter zum Anschwitzen, Öl zum Anbraten
Spinat: 300 g Blattspinat, 1 Schalotte, Pfeffer, Salz, Muskat, Butter zum Anschwitzen
Kürbispüree: 250 g Kürbis, 100 ml Gemüse- oder Hühnerbrühe, Gewürze (Lorbeerblatt, etw. Zimt, Pfefferkörner, evtl. Nelken), Salz, Zucker, Butter zum Anschwitzen
Speckbohnen: 20 Keniaböhnchen, 4 Speckstreifen, Butter zum Braten
Polenta: 2 Teile Milch oder Hühnerbrühe, 1 Teil Polenta, Salz, Pfeffer, geriebener Parmesankäse, Butter zum Nachbraten

Zubereitung


Lammrücken: Zwiebel in feine Würfel schneiden, in Butter anschwitzen. Semmelbrösel/Brot, Eigelb und Butter mischen, Zwiebelwürfel hinzugeben, mit Salz, Pfeffer und Thymian abschmecken.

Den Lammrücken...


... von Haut, Fett und Sehnen befreien. Eine Tasche hinein schneiden. Kalbfleisch mit der Sahne im Mixer zu einer Farce verarbeiten, mit Salz, Pfeffer und Kräutern abschmecken. Die Farce in die Fleischtasche füllen. Den gefüllten Lammrücken anbraten, die Zwiebelmasse auftragen. Im Ofen bei 140 Grad ca. 12–15 Minuten fertig garen.

Spinat: Spinatblätter putzen, Schalotte würfeln und in Butter anschwitzen, Spinat zugeben und garen, mit Pfeffer, Salz und Muskat abschmecken.

Kürbispüree: Kürbis in Würfel schneiden und in Butter anschwitzen, mit Brühe ablöschen, Gewürze zugeben. Im geschlossenen Topf ca. 15–20 Minuten garen, bis der Kürbis weich ist. Pürieren und mit Zucker und Salz abschmecken.

Speckbohnen: Bohnen in Salzwasser blanchieren, je 5 Bohnen mit einem Speckstreifen umwickeln, die Enden auf eine Länge schneiden. Bohnenbündel ca. 7–8 Minuten in der Pfanne braten, bis der Speck knusprig ist und die Bohnen gar sind.

Polenta: die Milch bzw. Hühnerbrühe aufkochen, Polenta einrühren, so lange kochen, bis die Flüssigkeit aufgesogen ist. Mit Salz und Pfeffer abschmecken, geriebenen Parmesankäse unterziehen. Die Polenta abkühlen lassen, in den Kühlschrank stellen. Wenn sie kalt ist, in Stücke schneiden und in der Pfanne anbraten, damit sie eine schöne Farbe erhalten.

Guten Appetit!

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Yo-Yo-Meister Dennis Schleussner.

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Professor Raúl Rojas und seine Fußball-Roboter-Mannschaft.

Was einen Würfelstapler mit einem Jungkoch verbindet? Und drei Bartträger mit vier sportlichen Robotern? Sie sind Berliner und Weltmeister. Zumindest diejenigen, in deren Brust ein "echtes Herz" schlägt. Wenn sich die kleinen Roboter auch im Finale geschlagen geben mussten und "nur" Vizeweltmeister sind: Im nächsten Jahr, da werden sie es der Konkurrenz schon zeigen.

Lutz Giese (67) war acht Jahre alt, als ihm die Oma ein Foto vom Urgroßvater zeigte – "einem Mann mit wahnsinnigem Schnauzbart". Der kleine Lutz war begeistert, konnte es kaum noch erwarten, bis auch auf seiner Oberlippe erste Haare sprießen würden.

Bartpracht: Waschen, legen, fönen

Heute ist Giese mit seinem englischen Schnurrbart – Spannweite 46 Zentimeter – zweifacher Weltmeister. Und Präsident des 1. Berliner Bart-Clubs, der bei den Bart-Weltmeisterschaften 2009 in Alaska drei Titel einheimste: Jürgen Draheim (51) landete mit seinem Musketierbart ganz oben auf dem Treppchen – sein dritter WM-Sieg. Karl-Heinz Hille (69) überzeugte in der Kategorie "Kinn- und Backenbart, kaiserlich", wurde zudem Meister aller 16 Klassen.

Mit seinem schlohweißen Gesichtshaar holte "Kalle" bereits sieben WM-Titel. Dabei trägt der Mann erst seit zwölf Jahren Bart, ließ sich "aus purem Trotz" im Urlaub einen Gigolobart wachsen. Zur ersten WM-Teilnahme 1999 in Schweden mussten ihn die Vereinskollegen überreden. "Ich komme mit, um eure Pokale zu tragen", hatte er auf der Hinreise gesagt. Auf der Rückfahrt hielt er zwei eigene Pokale in den Händen.

Dass Passanten das weltmeisterliche Trio auf der Straße ansprechen oder die Handykamera zücken, ist für die Bartträger eine schöne Bestätigung: Dann wissen sie, dass sie nicht umsonst eine Dreiviertelstunde mit Haarspray und Fön vorm Spiegel gestanden haben – und das täglich. "In Alaska war ich so aufgeregt, dass ich den Haarlack fünfmal wieder rausgewaschen habe, bevor mir der Bart gefiel", bekennt "Musketier" Draheim.

Kühlschrankkontrolle und ein unbekannter Warenkorb

Fünf Neustarts hätte sich Florian Neumann nicht leisten können. Bei der Weltmeisterschaft für Jungköche im kanadischen Calgary musste der 21-Jährige neben Fähigkeiten an Topf und Pfanne exaktes Zeitmanagement unter Beweis stellen. Fingerfood und Lachs galt es zu servieren, Lammrücken auf den Punkt zu garen, drei Mini-Desserts in zehnfacher Ausfertigung zuzubereiten, aus einem „unbekannten Warenkorb“ ein schmackhaftes Gericht zu zaubern. Aufgaben, die Neumann mit Bravour meisterte: Er setzte sich gegen Mitbewerber aus 33 Nationen durch.

"Ich hatte tolle Voraussetzungen", sagt der frischgebackene Kochweltmeister, der im Frühjahr vom Maritim Strandhotel Travemünde ins Grand Restaurant "M" des Berliner Maritim Hotels wechselte. Sein Wochenplan dort: drei Tage reguläre Arbeit, zwei Tage WM-Training. Dennoch sei die Meisterschaft kein Zuckerschlecken gewesen. "Die Jury hat uns permanent beobachtet, auf die Hygiene geachtet, Kühlschränke kontrolliert, verkostet, die Arbeitstechnik bewertet", sagt Neumann – der erst vor einem Jahr zum besten Nachwuchskoch Deutschlands gekürt wurde. Greift er nun nach Sternen? Neumann lacht. Erst mal will er den Abschluss als "Staatlich geprüfter Gastronom" machen.

Begeisterungsfähiger Hochstapler

Nach Dennis Schleussners Abschluss fragt heute niemand mehr, denn der Mann ist Hochstapler. Scheinbar aus dem Nichts entstehen und verschwinden vor ihm Türme und Kaskaden aus Plastikbechern. Das menschliche Auge ist kaum in der Lage, dem Tempo seiner Hände zu folgen. Kein Wunder, dass er bei den "Speed-Stacking-Weltmeisterschaften" in Denver seinen Titel als weltbester Becherstapler problemlos verteidigte. Dabei kam er auf die Becher erst durch seine eigentliche sportliche Disziplin: das artistische Spiel mit dem Yo-Yo. Und auch das entdeckte der gebürtige Berliner erst als 17-Jähriger – als er wegen einer Fußverletzung keinen "richtigen Sport" treiben konnte.

"Ich war immer schon schnell begeisterungsfähig – gerade für kuriose Sachen. Das Yo-Yo hat mich nicht mehr losgelassen." Die Tricks fielen ihm leicht, also wagte der gelernte Großhandelskaufmann den Schritt in die Selbstständigkeit: Als Sportartist tritt er in Spielshows und Varietés auf, unterrichtet in Workshops. Und sah bei einer Yo-Yo-Show vor vier Jahren zufällig einen Artisten, der Becher stapelte.

"Mein sportlicher Ehrgeiz war geweckt, ich hab mir sofort Becher besorgt." Seine jüngste Disziplin ist das "Dice Stacking", das Würfelstapeln. Unter einem undurchsichtigen Becher baut er Würfeltürme – nur durch das Bewegen des Bechers und in weniger als fünf Sekunden. Seine nächsten Zaubereien? "Ich bleibe dran, ich bin ein verspieltes Kind."

Fußballer mit Prozessorenhirn

Wie verspielte Kinder wirken auch die sportlichen Roboter der Freien Universität: Die "FUmanoids" – 60 Zentimeter groß, fünf Kilo schwer, 40 Zentimeter pro Sekunde schnell – sind Fußballspieler. Gebaut von Studenten der Arbeitsgruppe "Künstliche Intelligenz" am Institut für Informatik unter Leitung von Prof. Raúl Rojas. Zwei Semester lang entwickelten und programmierten sie, feilten an Mechanik und Software, um aus Rechnern Fußballer zu machen. Profis, die dann beim "RoboCup", der Weltmeisterschaft im Roboterfußball, Tore schießen.

Bei der WM 2009 in Graz haben sich die vier FUmanoids bis ins Finale gekickt. Im Endspiel blieben sie gegen die wendigeren Roboter der TU Darmstadt zwar chancenlos, verloren mit 1 : 11 Toren, doch "Cheftrainer" Rojas freut sich schon auf die Revanche bei der WM 2010 in Singapur. Bis dahin werden "Lea", "Eve", "Bob" und "Tim" völlig neu konzipiert. Denn eine WM ist nichts anderes als "eine Art Forschungslabor".

Seit 1999 spielen die humanoiden Roboter der FU beim "RoboCup" um Tore und Punkte – anfänglich noch mit Rädern unter den Füßen. "Die Balance zu halten auf zwei Beinen, das schnelle Dribbeln nach vorn – das sind für die kleinen Mikroprozessoren große Herausforderungen", sagt Rojas. "Das funktioniert nur mit hartem Training."

Kontakt zum Autor: Katrin Starke


Zuletzt aktualisiert: 14.01.2010 · Fotos: Barbara Dietl (4)