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Es ist angerichtet: Thomas Knack verkauft Skorpione und weiteres Getier als "etwas anderen Snack".

Mutprobe in Tüten: Heuschrecken sind ein Renner bei "Braidy Snack".

Und auch die kann man noch teilen.
Eiweiß mit Ekelfaktor
Braidy Snack
Gärtnerstraße 21 (Friedrichshain), Tel. 39884307
Öffnungszeiten: Mo-Fr 15 bis 20 Uhr, Sa 12 bis 20 Uhr
www.braidysnack.com

Besondere Knabbereien aus aller Welt bietet Thomas Knack an - die meisten ganz ohne Ekelpotenzial.
In Ländern wie Thailand gelten sie als Delikatesse – hierzulande als kulinarische Mutprobe: Skorpione. Thomas Knack verkauft sie in Friedrichshain. Fünf Stunden hielt ihn der Zoll fest, dann durfte er seine essbare Fracht – darunter Heuschrecken, Würmer und Ameisen – einführen. Nur Grashüpfer verkauft er nicht. Die laufen nicht so gut.
Bereits auf dem Bürgersteig weist ein Schild auf die größte Attraktion in Thomas Knacks Laden "Braidy Snack" hin: "Schon mal einen Skorpion gegessen?" steht mit weißer Kreide auf schwarzem Grund vor dem Geschäft in der Gärtnerstraße 21. Nein, noch nicht, aber in ein paar Minuten werde ich erfahren, wie sie schmecken.
Er kam, sah und probierte begeistert
Der "Heterometrus Spinifer", so der wissenschaftliche Name des schwarzen Skorpions aus Thailand, schlummert in einem silbernen Tütchen. Zehn Gramm für 4,90 Euro. Im Regal gegenüber der Eingangstür stehen Bambuswürmer, Heuschrecken und Ameisen. Was sonst nur ausgehungerte Dschungelcamp-Promis im Fernsehen runterwürgen, können hier auch Otto-Normal-Esser für den heimischen Teller kaufen.
Als Tänzer und Choreograf reiste Knack durch die Welt, entdeckte in Thailand die essbaren Insekten, probierte und war begeistert. So schnell die Geschäftsidee im Kopf aufflammte – die hierfür nötigen Insekten brauchten um einiges länger, um mit Dips serviert auf deutschen Tellern zu landen. Bis diese nach Berlin kamen, musste der 35-Jährige etliche Stunden beim Zollamt ausharren.
Die Zöllner waren skeptisch
Bereits der erste Versuch scheiterte. Etwas naiv, wie er heute einräumt, wollte er kurzerhand einen Rucksack voller getrockneter Insekten mit nach Hause nehmen – doch schon an der Handgepäckkontrolle nahmen ihm die Beamten die tierische Fracht ab. Knack informierte sich, ging zum Lebensmittel- und Veterinäramt, kontaktierte das Bundesamt für Naturschutz. Aber keiner wusste so recht Bescheid, ob getrocknete Insekten eingeführt werden dürfen, und welche Vorschriften dafür gelten.
Es fand sich eine thailändische Firma, die getrocknete Insekten auch nach Europa verkaufen darf, da sie die europäischen Bestimmungen für Lebensmittel erfüllt. Bei ihr orderte Knack 1.500 Tüten mit Würmern, Ameisen, Heuschrecken und Skorpionen – die Mindestabnahmemenge. "Als die Fracht vor einem Jahr in Schönefeld ankam, dauerte es fünf Stunden, bis ich die mitnehmen durfte", erzählt er.
Viel größerer Aufwand als erwartet
Im Mai 2009 hatte er endlich alle Papiere für den Verkauf in seinem kleinen Laden, per Online-Shop und als Großhändler zusammen. Die Handelsvertreter vom Kaufhof allerdings konnte er noch nicht überzeugen: "Die guckten mich an, als hätte ich sechs Beine und mich selbst importiert."
"Wenn ich gewusst hätte, was das für ein Aufwand ist und wie teuer das wird, hätte ich es wahrscheinlich gar nicht erst versucht." Doch die Ware kommt gut an, inzwischen hat Knack mehrmals nachbestellt: "Nur die Grashüpfer laufen nicht so gut, die Heuschrecken schmecken einfach besser." Er hat sie mittlerweile aus dem Sortiment genommen.
Skorpione schmecken ranzig-bitter
Am beliebtesten seien Skorpione, "obwohl deren Geschmack gewöhnungsbedürftig ist", wie Knack einräumt. Er mag die Bambuswürmer lieber, die schmeckten "nussig und leicht säuerlich". Skorpione dagegen hätten einen ranzig-bitteren Nachgeschmack, der nicht unbedingt etwas für europäische Gaumen sei. Das liege an den gesunden Omega-3-Fettsäuren. Giftig seien die Tiere natürlich nicht. Danach wird Knack oft gefragt: "Der Stachel und die Giftblase werden entfernt, und der Skorpion wird gekocht, bei 58 Grad zersetzt sich das Gift", erklärt er.
Viele Kunden kaufen den Skorpion-Snack als Aufsehen erregendes Geschenk. Knack selbst ist kein leidenschaftlicher Insekten-Esser. Er will mit dem Krabbelgetier "positiv provozieren". Und wohl auch ein bisschen Werbung machen für seinen Laden. Denn das meiste, das er dort verkauft, hat eher wenig Ekel- und Aufmerksamkeitspotenzial.
Gesunde Snacks aus allen Ländern
In den Regalen stehen südafrikanisches Trockenfleisch, britische "Flapjack"-Müsliriegel, italienisches Panforte-Gebäck, Knabberhanf, Süßholz zum Draufrumkauen und Fruchtleder, Trockenfrüchte und Nüsse. Snacks aus aller Welt eben, die gesünder sein sollen als das, was Tankstellen hierzulande als Zwischenmahlzeit feilbieten.
Das empfand Knack, dem gesunde Ernährung wichtig ist, bei seinen Reisen immer als Zumutung. Als er sah, was es in anderen Ländern so gibt, kam er auf die Idee einen Laden mit gesünderen Snacks aufzumachen. Und da passen letztlich auch Insekten, so befindet Knack, perfekt ins Sortiment: Sie enthalten nicht nur viel Ekelpotenzial – sondern auch reichlich Eiweiß, Ballast- und Mineralstoffe.
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Autor:
Eva Schmid
Zuletzt aktualisiert: 06.01.2010 · Fotos:
Christoph Schieder (5)