Um die dunklen Seiten geht es auch in unserem V-Blog: Ingmar wollte natürlich alles ganz genau wissen. Hier geht's zum Film.

Blindes Vertrauen: Trotz Dunkelbrille kommen sich die Teilnehmer des "Dating in the Dark" schnell näher.
Dates im Dunkeln
Location fürs „Dating in the Dark“ ist der King Kong Klub, Brunnenstraße 173 (Mitte).
Weitere Infos: www.datinginthedark.de. Wann dort das nächste Mal der Vorhang fällt (Termine sind üblicherweise an Sonntagen ab 19 Uhr), erfahren interessierte Singles unter Tel. 51 05 87 10.

Hatten die ungewöhnliche Idee: Die Darkdate-Veranstalter Jörn (links) und Stefan.

"Das Aussehen eines Menschen wird total überbewertet", sagt Stefan.
Wenn einem beim Date schwarz vor Augen wird, besagt das eigentlich nichts Gutes. Beim "Dating in the Dark" ist gerade das aber gewollt. Hier tragen alle Teilnehmer Schlafmasken. Und wenn die optischen Reize wegfallen, erhöht sich der Reiz von so manchem Rendevous ungemein.
Martin hat schweißnasse Hände, nippt nervös an seinem Cocktail. Gleich wird er fünf Dates haben. Speed-Dates. Das Licht im "King Kong Club" an der Brunnenstraße in Mitte ist schummrig, die Teilnehmer brauchen sowieso keines. Sie daten im Dunkeln.
Wird es im Dunkeln funken?
Wenn es losgeht, werden alle Flirt-Kandidaten große lichtdichte Schlafmasken tragen. Eine Liebe "auf den ersten Blick" werde es wohl nicht sein, meint der 22-Jährige mit unsicherem Lächeln. Wird es bei ihm trotzdem funken?
Acht Minuten müssen reichen, um sein Gegenüber kennen zu lernen. Ein paar Fragen nach Hobbys und Vorlieben, dem Lieblingsessen oder dem bevorzugten Urlaubsziel, dann heißt es weiterrücken und den nächsten potenziellen Lover in Augenschein nehmen. "Dating in the Dark" nennt sich diese neue Art des Flirtens im Acht-Minuten-Takt. Die Erfinder sind die beiden Berliner Stefan "Dude" Tolkmitt (33) und Jörn Neubauer (32) – dabei haben sie eigentlich nur den Begriff "Blind date" wörtlich genommen.
Optische Reize nützen hier gar nichts
Auf der anderen Seite des Vorhangs hat es sich Julia inzwischen gemütlich gemacht. Sie ist erfahrene Speed-Daterin. "Gar nicht, weil ich unbedingt einen Typen für eine neue Beziehung suche", gibt sie offen zu. "Aber ein bisschen flirten, das macht mir einfach Spaß."
Diesmal ist es dennoch auch für sie anders als sonst, sagt die junge Frau. Langes, dunkles Haar, kunstvoll verzierte Fingernägel, hübsch. Auf ihre optischen Reize kann sie hier nicht setzen. Mit ihrem koketten Augenaufschlag vermag sie Martin und Co. hier nicht zu bezirzen, schon gar nicht mit ihren weiblichen Formen oder dem gebräunten Dekolletee zu punkten. Und auch Martin hat in seinem trendigen lila Oberhemd, das nach Muttis Bügelkünsten aussieht, und mit seinem gepflegten Dreitage-Bart keinerlei Chance, bei der Damenwelt Eindruck in punkto Stilbewusstsein zu schinden.
Die Idee kam beim Pizza-Experiment
Das Aussehen eines Menschen werde total überbewertet, meint Stefan Tolkmitt. "Dabei sind es vielleicht ganz andere Eigenschaften, die letztendlich über Sympathie und Antipathie entscheiden", ist der 33-Jährige überzeugt. Wie die Stimme. Oder die Art und Weise, von sich zu erzählen. Oder der Geruch. "Bei uns kann man im wahrsten Sinne des Wortes testen, ob man sich riechen kann", sagt "Dude".
Die Idee zum Date im Dunkeln sei allerdings eher zufällig entstanden, gibt er zu. Gemeinsam mit Kumpel Jörn hatte er eine Pizza gegessen und dabei aus Spaß mal das Licht dunkel gedreht. "Schmeckte echt anders. Das ist ein Unterschied, wenn man nicht sieht, was man auf dem Teller hat."
Jeanstyp oder Schlipsträger: Wer sitzt mir gegenüber?
Das Pizza-Experiment fanden die beiden so spannend, dass sie überlegten, wie es wohl sei, wenn man jemanden kennen lerne, ohne ihn sofort einordnen zu können. Ohne zu wissen, ob einem ein Zweimeter-Schlipsträger mit blank polierten Schuhen oder ein kleiner rundlicher Jeanstyp mit schütter werdendem Haar gegenübersitzt.
Wer sich bei Stefan und Jörn zum flotten Kennenlernen anmeldet, hat pro Flirtpartner acht Minuten Zeit, ein paar Infos aus seinem Gegenüber herauszukitzeln – ohne von optischen Reizen abgelenkt zu werden. Dann rücken die Männer einen Stuhl weiter zur nächsten Kandidatin. Und machen ebenso wie die weiblichen Speed-Dater Kreuzchen auf dem vor ihnen liegenden Blatt. Am Ende geben alle ihre ausgefüllten Date-Karten ab. Danach entscheidet jeder Kandidat selbst, ob er noch eine Bonusrunde ohne Maske dranhängt. Voraussetzung: Dass mindestens vier Teilnehmer bleiben wollen.
Wiedersehen ohne Maske bei Übereinstimmung
Jörn und Stefan geleiten die Teilnehmer in bestimmten Zeitintervallen ins Freie, so dass zufällige Begegnungen ausgeschlossen sind. Stimmen Bewertungen auf den Datekarten überein, übermitteln die Partyveranstalter die E-Mail-Adressen der jeweiligen Dunkelflirter. Die können dann bei einem Date ohne Augenbinde feststellen, ob sie sich auch von Angesicht zu Angesicht attraktiv finden.
Für Martin und Julia wird es kein "Wiedersehen" geben. Als passionierte Diskogängerin fand sie seine Lieblingsbeschäftigung – Angeln in Norwegen – "eher nicht so spannend". Dennoch fragt Julia gleich nach dem nächsten Dating-Termin. "In einer Welt, in der dir auf jedem Werbeplakat offen und freizügig suggeriert wird, wie toll Dein Traumpartner aussehen könnte, reizt mich das Geheimnisvolle. Dass der andere erst einmal ein Unbekannter bleibt." Das Herantasten an diesen Menschen sei doch gerade das, was den Reiz eines Rendezvous ausmachen würde.
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Autor:
Katrin Starke
Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010
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Fotos:
Promo, Tomo Miichi (2)