
Muße bei Kaffee und Laugengebäck: Die "BrezelBar" in Kreuzberg hat eine Leselounge eröffnet.

Stilvoll schmökern: Es gibt viele Alternativen zum heimischen Sofa.
Öffentlich lesen
Berlins schönste Leseplätze
von der Buchkantine bis zur Leselounge
Bibliothek am Luisenbad
Travemünder Straße 2 (Wedding)
Tel. 90 18 45 61 1
Mo.- Fr. 10-19:30 Uhr, Sa. 10-14 Uhr
BrezelBar Leselounge
Friesenstraße 2 (Kreuzberg)
www.brezelbar.de
Tel. 25 04 70 47
Mo.- Sa. 8-21 Uhr, So. 9-21 Uhr
Café Bilderbuch
Akazienstraße 28 (Schöneberg)
www.cafe-bilderbuch.de
Tel. 78 70 60 57
Mo.- Sa. 9-24 Uhr, So. 10-24 Uhr
Buchkantine
Dortmunder Straße 1 (Moabit)
www.buchkantine.de
Tel. 94 88 37 28
täglich 9-22 Uhr

Die "Buchkantine" in Moabit ist Buchhandlung und Bistro in einem.

Die Auswahl in Berlins Bibliotheken kann sich sehen lassen.
Wer in Ruhe lesen will, muss sich nicht aufs heimische Sofa zurückziehen. In Berlin gibt es jede Menge lauschige Buchcafés und Bibliotheken mit einem modernen Medienangebot, bestens ausgestatteten Arbeitsplätzen – und auf Wunsch frisch gebrühtem Kaffee oder kühlem Saft zum Lesegenuss.
"Oh, guck mal, Sofie! Hier gibt es auch noch Spiele, die wir uns ausleihen können!" Verblüfft bleibt der blonde Mittdreißiger vor einem Viersäulenregal stehen. Vom Boden bis über Kopfhöhe stapeln sich darin an die hundert Brettspiele. Während ihr Vater noch die Titel erforscht, lässt Tochter Sofie ein Hörbuch in den Korb fallen – obwohl der vor Bilderbüchern, DVDs und Romanen längst überquillt.
Staubiges Image von Bibliotheken längst passé
Wohl jeder, der zum ersten Mal die Bibliothek am Luisenbad in Wedding betritt, gerät erst einmal gründlich ins Staunen. Hinter der historischen Fassade des alten Heilbades verbirgt sich ein kleines Leseparadies. Helles Licht fällt durch großzügige Fensterzeilen in den modernen Anbau, in dem auf zwei Etagen Romane, Comics, Sachbücher, DVDs, Computerspiele, Hörbücher und Zeitschriften dicht gedrängt stehen. Wer den Blick von diesem überbordenden Angebot löst, sieht am Altbau des einstigen Bades noch Reste von Mauerwerk und zarte Spuren von Fassadenmalerei.
Keine Frage: Die öffentlichen Büchereien schütteln allmählich ihr staubiges Image ab. Mit der muffigen Atmosphäre, die zerlesene Bücher und mürrische Aufseher früher oft verströmten, haben die meisten Bezirksbibliotheken nichts mehr zu tun. "Die Art der Nutzung der Büchereien hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert", sagt Heidrun Hübner-Gepp, die Leiterin der Bibliothek am Luisenbad. "Früher kamen die Leute nur zum Ausleihen vorbei. Heute halten sich viele Nutzer länger in den Bibliotheken auf und lesen und arbeiten vor Ort."
Leselounges in gemütlichen Cafés oder mit Blick aufs Wasser
In Berlin haben sich die meisten Bibliotheken inzwischen auf diese neuen Nutzerinteressen eingestellt. Das Luisenbad zum Beispiel hat 14 Computerplätze mit Internetanschluss, kleine Arbeitstische mit quietschbunten Stühlen und WLAN für alle, die ihren eigenen Laptop mitbringen. In der Mittelpunktbibliothek in der Köpenicker Altstadt wurden Sofa-Ecken vor den Fenstern mit Blick aufs Wasser eingerichtet. Ruhezonen mit Kaffeeautomat sind zwar noch nicht überall Standard, aber Bestseller-Service und Lernetagen schon.
Doch nicht nur in Büchereien, auch in Cafés hält der Trend zum öffentlichen Schmökern Einzug. Im Mai 2010 hat die BrezelBar in Kreuzberg eine eigene "Leselounge" eröffnet. In der Friesenstraße, keine zweihundert Meter von Backstube und Lieferservice entfernt, bekommen Kunden jetzt nicht nur Kaffee und Laugengebäck in jeder erdenklichen Geschmacksrichtung, sondern vor allem eines: "Einen entspannten Ort zum Lesen, zum Arbeiten oder zum Unterhalten", sagt Inhaber Oren Dror.
Gemütliche Sofas zum Einsinken und Schmökern
Mit Hilfe eines Architekten hat der 32-Jährige in den schmalen Räumen Lesezonen eingerichtet, von denen keine der anderen gleicht: mit rotbraunen Chesterfield-Sofas zum Einsinken oder extra gepolsterten Lederbänken zum Arbeiten. Über jedem Platz hängt eine Leselampe, für Laptops gibt es Stromanschluss. Wer will, kann sich aus dem kleinen Buchfundus bedienen. Die meisten Gäste bringen jedoch ihren eigenen Lesestoff mit.
Fast wie im eigenen Wohnzimmer sitzt es sich auch im Café BilderBuch, einem Klassiker in Schöneberg. Alte Sofas, plüschige Polstersessel und gediegene Stühle garantieren Bequemlichkeit für lange Lesestunden. Die Bücher in den hohen Regalen dienen nicht nur als Dekoration, sondern sind tatsächlich zum Ausleihen da. Das Restaurant serviert Frühstück, Mittag- und Abendessen sowie Kuchen zum Kaffee.
Bistro und Buchhandlung in einem – die Buchkantine
In der "Buchkantine" in Moabit ist die Speisekarte dagegen schlicht, das Buchangebot dafür aber umso reichhaltiger. Denn die Kantine ist Buchhandlung und Bistro in einem. Eine Designerin hat das Interieur mit dunklen Holzregalen und freundlichen orange-gelben Lichtzeilen gestaltet. Seit 2005 können die Gäste hier gestärkt mit frisch gepresstem Saft, Smoothies oder einer der vielen Kaffeevariationen auf den roten Lederbänken Platz nehmen und in aller Ruhe durch Romane, Sachbücher oder Gedichtbände blättern.
Kaufen kann man, muss man aber nicht. Wer sich erst später entscheidet, kann auch per Telefon oder Online-Shop bestellen.
Kontakt zum
Autor:
Marion Meyer-Radtke
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Zuletzt aktualisiert: 31.01.2012
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Fotos:
Barbara Dietl (5)