Stadt & Szene

Perfekt stöckeln

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Übung für den großen Auftritt: Unter Anleitung von Ksenia Kotina trainieren die Teilnehmerinnen ihre Fußgelenke.

Hoch hinaus


Walk on Heelz
im Tanzstudio Vivace
Nollendorfstraße 11-12 (Schöneberg)
www.walkonheelz.com
Tel.: 21 75 04 50
Einführungskurs: zwei Trainingseinheiten zu je neunzig Minuten (üblicherweise samstags und sonntags ab 14 Uhr), Preis 99 Euro. Einzeltrainings: 60 Euro pro Stunde.

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"Oft ist die Muskulatur nicht genug trainiert", sagt die Kursleiterin.

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Ksenia Kotina entdeckte schon als Teenager ihre Leidenschaft für High Heels.

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Breite Gummibänder sorgen dafür, dass die Zehen beim Training angewinkelt bleiben.

Dass zehn Zentimeter mehr unter der Hacke nicht unbedingt für ein erhebendes Gefühl sorgen, hat schon manche Frau erfahren müssen, oft sogar schmerzhaft. Doch der sichere Gang in Schwindel erregender Höhe ist lernbar – zum Beispiel bei Ksenia Kotina.

High Heels zum schicken Kleid – das sieht sexy aus. Allerdings nur, wenn die Schritte nicht zum staksigen Eiertanz geraten. Oder die Dame von Welt womöglich beim Gala-Dinner vor versammelter Runde zu Fall kommt.

Nachhilfe von professioneller Ballett-Tänzerin

Damit alles gut läuft, gibt Ksenia Kotina, professionelle Ballett-Tänzerin und Musical-Darstellerin, im Schöneberger Tanzstudio "Vivace" Stöckelschuh-Unterricht: "Walk on heelz" – ihr Angebot kommt gut an bei wagemutigen Berlinerinnen, die hoch hinaus wollen.

Ksenia Kotina (25) bewegt sich auf ihren High Heels mit 14 Zentimetern Absatz so geschmeidig, wie es viele noch nicht einmal in Turnschuhen schaffen. Schon als Teenager entdeckte die gebürtige Moskauerin, die seit 13 Jahren in Deutschland lebt, ihre Leidenschaft für High Heels. Das bescherte ihr bereits im Ballett-Internat neidvolle Blicke ihrer Mitschülerinnen.

Heraus aus den Niederungen der Pumps

"Freundinnen wollten wissen, warum das bei mir so gut aussieht, und baten um Tipps." Die gab Ksenia gern, und als sie dann nach Berlin zog, besann sie sich darauf: Die Geschäftsidee für "Walk on Heelz" war geboren. "Berlin ist schließlich eine Modestadt", sagt die zarte Frau. In anderen Modemetropolen wie London oder New York seien vergleichbare Kurse längst gang und gäbe.

Und wer kommt zum Lauftraining? "Zum einen sind’s junge Mädchen, die sich beim Abi-Ball nicht blamieren wollen. Oder zum ersten Mal schick herausgeputzt in einen trendigen Club wollen, aber noch nie auf High Heels gestanden haben", erzählt Ksenia.

Jenseits des persönlichen Sicherheitsgefühls

Auch Frauen mittleren Alters, die sich nach Jahren in den Niederungen von Pumps in höhere Sphären trauen, gehören zu ihrer Kundschaft. Wie beispielsweise Christin Roth. "High Heels sind eher Neuland für mich", gibt die 41-Jährige offen zu. Sie habe einfach Lust, "damit mal ein wenig zu experimentieren". Doch bislang haben ihr schon nach kurzer Zeit die Füße dermaßen geschmerzt, dass sie die Schuhe einfach nur noch loswerden wollte. Im Restaurant unterm Tisch habe sie schon manches Mal klammheimlich ihre Stilettos abgestreift.

Claudia Schmidt hat etwas mehr Stöckel-Erfahrung. "Ich hab’ ein Faible für hohe Absätze – aber von einer bestimmten Höhe an fühle ich mich unsicher", erzählt sie. Die neuen schwarzen Stiefeletten mit der Metallspitze liegen eindeutig einige Zentimeter jenseits ihres persönlichen Sicherheitsgefühls. "Darauf fange ich an zu staksen." Und das will die 34-Jährige, die den etwas höheren Schuh auch mal zu besonderen beruflichen Anlässen braucht, unter allen Umständen vermeiden. Über sie soll niemand im Stillen denken: "Schöne Frau, schicke Schuhe, aber schade, dass sie nicht drauf laufen kann."

Verkrampft aus Angst vor der Stolperfalle

Dabei sei der unsichere Gang vielfach nur ein Problem des Kopfes, weiß Ksenia Kotina. Aus Angst vor der Stolperfalle seien Frauen total verkrampft. "Die blockieren sich selbst in ihren Bewegungen." Aber auch die Muskulatur sei vielfach nicht genug trainiert. Denn zum souveränen Stöckeln braucht’s nicht nur eine kräftige Wade, sondern auch Oberschenkel-, Bauch- und Rückenmuskulatur.

Vor dem Gang über den roten Teppich, den die Trainerin im Übungsraum ausgerollt hat, ist daher sportliche Betätigung angesagt. Barfuß. Zunächst im Sitzen. Die Knie durchgedrückt, ein Bein leicht über dem Boden, müssen die Kursteilnehmerinnen das Fußgelenk strecken und beugen, und immer wieder strecken und beugen. Dass die Zehen dabei angewinkelt bleiben, wie später auch in den Hackenschuhen, dafür sorgt ein breites Gummiband. "Die gibt’s für ein paar Euro in jedem Sportgeschäft", sagt Ksenia. Die Investition lohnt sich, denn mindestens zweimal pro Woche sollte trainiert werden.

Nicht nach unten sehen

Nun geht’s, immer noch barfuß, mit federndem Schritt über den 'Laufsteg'. "Die Füße parallel zueinander stellen. Jetzt voreinander auf einer Linie", gibt Ksenia kurze Anweisungen, während sie die Haltung ihrer Schülerinnen kontrolliert. "Bauch einziehen. Die Muskulatur auf den Bauchnabel hin anspannen. Nicht nach unten sehen." Gut so, also rein in die hohen Schuhe. Und im Slalom über den Teppich. "Nicht mit den Armen schlenkern und den Fuß immer schön abrollen." Der nächste Schwierigkeitsgrad: das Ganze noch mal mit einem Buch auf dem Kopf. "Nach links schauen und nach rechts, Füße auf einer Linie."

Längst sind die Wangen der Teilnehmerinnen glühend rot. Mit ernster Miene stöckeln sie die Wendeltreppe rauf und runter. "Klappt ja schon ganz gut", lobt Ksenia. "Bis auf die Mimik. Die trainieren wir morgen." Vollkommen auf ihre Füße konzentriert, schauen die Hacken-Schülerinnen momentan nämlich noch ziemlich verbissen drein.

Auch Mimik und Atmung werden trainiert

Ab und an vergessen sie vor lauter Anspannung sogar zu atmen. "Es nützt ja nichts, wenn ihr wunderschön geht, dabei aber blau anlauft", meint Ksenia lachend. Wie im Flug ist die erste Trainingseinheit vergangen. "Das gibt mit Sicherheit Muskelkater", lässt sich eine Teilnehmerin vernehmen, während sie sich aus ihren hochhackigen Stiefeln schält. "Das darf’s auch", meint Ksenia. Schließlich sind neunzig Minuten Stöckeln für Untrainierte ja schon eine ganz schön sportliche Leistung.

Kontakt zum Autor: Katrin Starke


Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010 · Fotos: Katrin Starke (5)