
Erst wird gekocht, dann gegessen, und schließlich steigt nach dem Running Dinner eine große Party.

Bedingung für die Teilnehmer: offen und neugierig sein.
Selbst mitmachen
Wer an dem Running Dinner von Franziska Frank und Jost Burger teilnehmen möchte, muss sie, laut Jost Burger, selbst ausfindig machen. Ansonsten gilt: selbst so etwas organisieren!
Ein kommerzieller, bundesweiter Anbieter ist Jumping Dinner, Kosten: 26 Euro, www.jumpingdinner.de
After-Work-Cooking-Kurs
Jeden zweiten Donnerstag im Monat, 18 Uhr, Kosten: 60 Euro inklusive aller Weine und Cocktails im Hotel Berlin, Berlin, Lützowplatz 17 (Mitte), Kontakt: Anne Bubner, Tel. 260 52 907, E-Mail: a.bubner@hotel-berlin.de, www.hotel-berlin-berlin.de

Sebastian Wallroth hat beim Running Dinner viele nette Leute getroffen.
In Berlin leben viele interessante Leute. Schade nur, dass man sie in der Regel nicht so einfach kennenlernt. Gut, dass es Franziska Frank und Jost Burger gibt. Bei ihrem Running Dinner bieten sie nicht nur Leckeres zu essen: Wer offen und neugierig ist, lernt auch viele nette Leute und deren Wohnungen kennen – aus der ganzen Stadt und aus allen Branchen.
Franziska Frank (42), Programmdirektorin an der European School of Management and Technology, und Jost Burger (40), Journalist, veranstalten sie schon seit fünf Jahren in der Hauptstadt: Running Dinner. Einmal im Jahr bringen sie an einem Abend rund hundert Leute zusammen. Grafiker, Juristen, Kulturschaffende, Journalisten, Leute aus Ministerien, Architekten, Ingenieure, Lebenskünstler. Zwischen Ende Zwanzig und Ende Vierzig, wie Franziska Frank sagt.
Möglichst viele Leute an einem Abend kennenlernen
Running Dinner verfolgt die Idee, an einem Abend ein Drei-Gänge-Menü zu kochen und möglichst viele Leute zu versammeln, die miteinander kochen, essen und sich kennenlernen. Wer irgendwann mit dem Running Dinner anfing, ist nicht mehr eindeutig zu klären. Sicher aber ist, dass diese häufig in Universitätsstädten für Studenten organisiert werden – ohne kommerzielles Interesse. Es gibt aber auch diverse Anbieter, bei denen für die Teilnahme etwas gezahlt werden muss.
Und so funktioniert das "besondere Essen": Am Anfang steht ein Zweierteam aus Mann und Frau, die sich nicht kennen und per E-Mail erfahren, wo sie sich treffen sollen. Immer zuhause in einer Küche, in der sie zusammen eine Vorspeise für sechs Personen zubereiten. Dann klingelt es, und zwei weitere Kochpärchen kommen dazu, um gemeinsam die Vorspeise zu essen.
Großes Wiedersehen auf der Abschlussparty
Anderthalb Stunden später öffnen die drei Teams jeweils einen Brief, den sie Tage zuvor per Post erhalten haben, in dem steht, wohin sie jetzt laufen oder fahren sollen, um den Hauptgang einzunehmen. Dort erwarten sie dann wieder zwei neue Pärchen. Genauso läuft es mit der Nachspeise. Die beiden Teams von der Vorspeise sieht man erst auf der Abschlussparty in einem Club oder in einer Kneipe in der City wieder. Denn die Teilnehmer essen sich "von außen nach innen vor" – von den Außenbezirken bis ins Zentrum der Hauptstadt.
"So lernen alle bei jedem Gang jeweils zwei andere Kochpärchen kennen. Im Galopp, denn die Teilnehmer vergessen die Zeit, weil es so nett ist, rennen buchstäblich zur nächsten Wohnung und kommen zum zweiten und dritten Gang meist etwas verspätet", sagt Ger Dijkstra, 38 Jahre alt und Prozess-Spezialist in einem großen Internet-Unternehmen. Der Niederländer aus Friedrichshain arbeitet nebenbei noch als freier Redakteur und Journalist und passt damit perfekt in das Muster der typischen Running-Dinner-Gäste von Jost Burger und Franziska Frank.
Aufwändige Organisation für den geselligen Abend
Das Paar lädt stets eine sehr kommunikative Klientel aus allen Teilen der Stadt ein. Keine Langweiler, sondern sehr offene Menschen, die etwas zu erzählen haben, wie Jost Burger sagt. "Das Schöne am Running Dinner ist, dass ich auf eine sehr lustige und nette Art sehr interessante Menschen kennenlerne", meint Ger Dijkstra. "Zudem sehe ich in die unterschiedlichsten Wohnungen – wie bei mir mit Ofenheizung und unsaniert bis hin zu bilderbuchhaften 140-Quadratmeter-Wohnungen mit Kristallleuchter und Designermöbeln in Zehlendorf."
Was so leichtfüßig daherkommt, ist im Vorfeld aufwändig organisiert – im Falle von Franziska Frank ohne kommerzielles Interesse: Einmal im Jahr sitzt die dreifache Mutter dann über vielen kleinen Zettelchen und Exceltabellen, um rund 150 Leute so zu Zweierteams zu sortieren, dass nur Unbekannte miteinander kochen und sich Pärchen, von denen viele mitmachen, erst wieder auf der Abschlussparty treffen. Mittlerweile ist sie ein Profi: "1997 habe ich das erste Mal an einem Running Dinner in München teilgenommen. Prompt habe ich Leute kennengelernt, mit denen ich noch immer befreundet bin." Zwei Jahre später fing sie selbst an, so etwas zu organisieren – erst in München, dann in Berlin.
Von Toast Hawaii bis Haute Cuisine
Den Partner fürs Leben hat der Single Ger Dijkstra durch das Running Dinner nicht gefunden. Das sei aber auch nicht der Zweck der Sache, sagt Sebastian Wallroth aus Weißensee. Der 40-Jährige hat die Organisatoren in einem Geburtsvorbereitungskurs kennengelernt. Als sie ihn zum „Running Dinner“ einluden, willigten er und seine Frau sofort ein. "Ich habe keinen so großen Freundeskreis. Aber durch das Running Dinner habe ich eine Menge netter Leute kennengelernt. Mit einigen bin ich jetzt befreundet. Mit anderen habe ich Kontakt über die Netzwerke XING, Facebook und Twitter."
Sternekoch müsse übrigens niemand sein, sagt Franziska Frank. Toast Hawaii oder Spaghetti mit Tomatensoße seien völlig okay. Die meisten Leute würden sich aber schon etwas einfallen lassen. So schwärmt Sebastian Wallroth noch immer von einer bestimmten Erdnusspaste, die er jetzt häufiger auch selbst zum Kochen verwendet.
Wer mag, übt vorher mit Sterne-Köchen
Wer sich fit machen will, nutzt das originelle Angebot des Hotels Berlin. Dort kann jedermann nach Feierabend kochen lernen. Jeden zweiten Dienstag im Monat kreieren die Küchenchefs mit Hobbyköchen ein Drei-Gänge-Menü aus saisonalen Produkten.
Wer will, nimmt an einer Wein- oder Cocktailschulung teil. Für Berufstätige ebenfalls eine tolle Möglichkeit, spannende Menschen aus der eigenen Stadt kennenzulernen. Ohne peinliches oder missverständliches Anbaggern in der Bar, Kneipe oder auf einer Single-Party. Was danach passiert, entscheidet jeder selbst.
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Autor:
Katja Winckler
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Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010
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Fotos:
Andreas Riedel (5)