Ob Restaurant, Schulmensa oder Imbiss: Berliner Gastronomen schwören zunehmend auf Nachhaltigkeit, sprich auf Zutaten aus der Region, Biokost und möglichst klimaneutrale Speisen. Das erfreut nicht nur die Kunden, sondern auch Mutter Natur.

Dem eigenen Magen etwas Gutes tun und gleichzeitig den Planeten entlasten: Das wollen immer mehr Restaurantbesucher.
Nachhaltig genießen
Die besten Restaurants mit nachhaltigen Angeboten und teilweise sogar klimaneutraler Küche finden Sie hier.

Im Suriya Kanthi wird mit regionalen und saisonalen Bio-Zutaten indisch-srilankisch gekocht.

In der Ruhe liegt die Kraft – und ein gutes Gewissen dürfen "nachhaltige Esser" obendrein auch noch haben.
Im Restaurant "Foodorama" in Kreuzberg tun Gäste nicht nur dem eigenen Magen, sondern dem ganzen Planeten etwas Gutes. Im Herbst vergangenen Jahres eröffnete das "erste klimaneutrale Restaurant Deutschlands" in der Bergmannstraße. Der Küchenchef verwendet ausschließlich Bioprodukte und nutzt, soweit möglich, Zutaten aus der Region und Obst und Gemüse aus der jeweiligen Saison.
Erste Schulmensa klimazertifiziert
Fast zur selben Zeit erhielt die Schulmensa des Tempelhofer Oberstufenzentrums (OSZ) Lotis als erste Schulmensa bundesweit die Klimazertifizierung. Beim Trend zur nachhaltigen Kost ist Berlin folglich ganz vorn dabei.
Anders als bei der ersten Ökowelle in den Achtzigerjahren kommen Bioprodukte dieses Mal bei der gesamten Bevölkerung an: Lebensmittel-Discounter haben eigene Biomarken, Wochenmärkte – auf denen Produkte aus dem Umland verkauft werden – erleben in Berlin eine Renaissance, und sogar Kaufhäuser bieten Biotextilien an.
Auf den Biotrend folgt nachhaltige Kost
Durch die weit geöffnete Tür in unserem Bewusstsein kommen nach dem Biotrend nun auch die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit hinterher spaziert. Nachhaltig bedeutet, so sorgfältig mit den vorhandenen Ressourcen umzugehen, dass auch die nächste Generation noch ein intaktes ökologisches, soziales und wirtschaftliches Gefüge vorfindet. Der Klimaschutz ist dabei ein Baustein.
Beispiel Foodorama: Für die Einrichtung verwendeten die Besitzer möglichst nachwachsende Rohstoffe. Gekocht wird mit einem umweltfreundlichen Biogas-Gemisch, dazu kommen Ökostrom, Wärmeisolierung, modernste Küchentechnik und Mitarbeiter, die überwiegend mit der BVG oder dem Rad zur Arbeit kommen. Das trotzdem entstehende CO2 neutralisiert Geschäftsführer Ozan Sinan durch Emissionszertifikate, indem er in ein Aufforstungsprojekt in Südost-Asien und ein Wasserkraftwerk in Indien investiert.
Die "CO2-Diät" schmeckt der Kundschaft
Die im Foodorama angebotene "ausgewogene CO2-Diät" folgt jedoch nicht dogmatisch den Kriterien der Nachhaltigkeit – vor allem soll es den Gästen schmecken. Am beliebtesten ist tatsächlich der Burger mit Fleisch! Das Wasser aus Frankreich ließ Sinan nach hitzigen Debatten allerdings durch eins aus dem Schwarzwald ersetzen.
Im Vöner-Laden in Friedrichshain hingegen reichen die Bedienungen nur vegetarische und sogar vegane Gerichte über den Tresen. Vieles davon in Bio-Qualität. Das ist konsequent, denn die tierische Landwirtschaft erzeugt ein Vielfaches an klimaschädlichen Gasen im Vergleich zum Anbau von Obst, Gemüse oder Getreide. Da schmeckt das gesunde, überraschend preiswerte Fast Food gleich doppelt so gut, zum Beispiel der leckere Wagenburger (ein Getreide-Gemüse-Bratling, der wie ein Hamburger im Brot zubereitet wird) oder auch die Pommes aus Demeter-Kartoffeln.
Auch Asia-Restaurants punkten mit Öko-Produkten
Erfreulicherweise finden sich zudem auch auf Karten in ganz normalen Restaurants Hinweise auf regionale und saisonale (Bio-)Zutaten und regen damit ihre Gäste an, auch mal am heimischen Herd mit ökologisch angebauten Zutaten zu kochen. Dass dies sogar bei exotischen Speisen, wie etwa der indisch-srilankischen Küche, möglich ist, beweist das Suriya Kanthi in Prenzlauer Berg. Als bislang einziges indisches Restaurant in Berlin kombiniert es die asiatische Küche mit Produkten aus ökologischem Anbau.
Weil in Sri Lanka und Indien Hindus, Moslems und Buddhisten leben, die entweder kein Rind, kein Schwein oder gar kein Fleisch essen, stehen fast nur vegetarische Gerichte auf der Karte. Den köstlichen Currys wird sogar eine Heilwirkung nachgesagt.
Lebensmittel tragen maßgeblich zum Klimawandel bei
Was wir essen, kann einen großen Unterschied machen: Etwa dreißig Prozent des vom Menschen verursachten Klimawandels werden durch das Lebensmittel- und Landwirtschaftssystem bewirkt. Umso besser, wenn die nachhaltige Gastronomie so vielfältig und zugleich undogmatisch daherkommt wie in Berlin. Und das Essen noch dazu richtig gut schmeckt, ob nun im Restaurant oder beim Imbiss.
Das "Klimakochbuch"
Wer zu Hause selbst klimafreundlich und nachhaltig kochen will, findet im "Klimakochbuch" nützliche Anregungen. Das Sachbuch vom BUND ist dieser Tage erschienen und bietet Rezepte sowie Hintergrundinfos, wie sich mit weniger Fleisch, mehr Bioprodukten und saisonalen bzw. regionalen Zutaten das Klima schonen lässt:
Das Klimakochbuch
Klimafreundlich einkaufen, kochen und genießen, Jugend im Bund für Umwelt und Naturschutz (Hg.) Franckh-Kosmos-Verlag, 12,95 Euro
Bei Hot Dog Soup in Friedrichshain etwa bekommen Kunden Hot Dogs mit Neulandfleisch oder Tofuwürstchen und feine hausgemachte Suppen. Das sonntägliche Frühstücksbuffet im Kreuzberger Café Tante Horst ist vegetarisch-vegan, bio und fair trade. Selbst in Moabit, nicht unbedingt als Öko-Hochburg bekannt, gibt es mit dem Lei e Lui ein Biorestaurant mit mediterran-orientalischer Küche.
Und nicht nur die Gastronomie verändert sich: Auch auf der letzten Bildungsmesse Didacta war Kochen als soziales Lernfeld ein großes Thema. Am Tempelhofer OSZ Lotis funktioniert das schon prima: Die klimazertifizierte Bio-Mensa stieß auf so großes Interesse, dass Betreiber Klaus Helbig jetzt Unterricht zum Thema nachhaltige Ernährung gibt und mit seiner Klasse an einem Kochbuch arbeitet.
Die besten Restaurants mit nachhaltigen Angeboten und teilweise sogar klimaneutraler Küche haben wir hier für Sie zusammengestellt.
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Autor:
Julia Schoon
(Website)
Lesen Sie auch unseren Beitrag "Alles Öko in Hot Dog und Burger".
Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010