
Das "Conference Bike" für sieben Personen ist der Star der "Fahrradstation".
Runde Sache
Ob Falt-, Lasten-, Konferenz- oder Elektrorad: Diese Fahrradverleiher bieten für jede Angelegenheit Rad. Hier die
Übersicht

Wer bei "Aloha" mietet, ist auf dicken Reifen unterwegs.

Harald Busack von "Pedalpower" vermietet auch Lastenräder.

"Faltrad-Direktor" Christoph Beck ist ein Urgestein der Berliner Radverleiher.
Ein Drahtesel, auf dem sich problemlos eine Waschmaschine transportieren lässt. Ein Fahrrad, das bequem in jeden Koffer passt. Ein Elektro-Bike oder ein Siebensitzer als "runder Tisch" für die Open-Air-Konferenz. Besondere Anlässe erfordern besondere Fahrräder. Berlins Fahrradverleiher warten mit den ungewöhnlichsten Gefährten auf.
Er habe "einfach irgendwann Lust bekommen", Lastenräder zu bauen, erzählt der Chef der "Pedalpower"-Fahrradläden in Lichtenberg und Kreuzberg, Harald Busack. Inzwischen sind die drahtigen Lastenesel, die der gelernte Maschinenbauingenieur mit seinem Geschäftspartner Michael Schönstedt entwickelt hat, sogar in Ghana und Australien unterwegs.
Waschmaschine vorm Lenker
In Berlin mieten vornehmlich Studenten die Spezialräder als kostengünstige Umzugsvehikel. "Ein Kühlschrank oder eine Waschmaschine passen da locker drauf", sagt Busack. Immerhin stoßen die Räder erst bei einer maximalen Beladung von hundert Kilogramm an ihre Grenzen.
Deutlich leichter ist die "Fracht", die auf den dreirädrigen Kindertransporträdern chauffiert wird, die Busack und Schönstedt ebenfalls in ihrer eigenen Werkstatt produzieren. Sogar ein "Bratwurstrad" haben sie schon gebaut – mit Grill drauf und Dach. Zu mieten war es allerdings nicht. "Das war eine Sonderanfertigung im Kundenauftrag", erzählt Busack.
Zwei, drei Minuten Probefahrt reichen aus
Mit einem Lastenrad die Kurve zu kriegen ist gar nicht so leicht. "Zwei, drei Minuten Probefahrt auf dem Bürgersteig vor dem Laden reichen aber meist aus, bis die Kunden mit dem Gefährt umgehen können", beruhigt Busack.
Auch Christoph Beck, Urgestein der Radverleiher in der Stadt, schaut immer wieder interessiert zu, wie Kunden ihre ersten Fahrversuche machen. Vor allem bei denjenigen, die ein "Liegerad" mieten. "Es ist dermaßen lustig, wenn die im feschen Radlerdress darauf rumwackeln wie ein kleines Kind", amüsiert sich Beck und lächelt.
Fuß auf die Pedale und voll zutreten
Sein Rat: Einen Fuß auf die Pedale setzen und voll zutreten. Als Beck vor 22 Jahren seinen Radverleih eröffnete, konnte man sechs Fahrräder bei ihm mieten, die er allesamt in seiner Charlottenburger Wohnung "parkte". Heute hat Beck ein Ladengeschäft und vermietet rund vierzig Räder.
Einzigartig ist sein Angebot noch immer. Schließlich können Berliner bei ihm nicht nur Rennräder ausleihen, sondern auch seine Spezialität – das Faltrad. Seinen Spitznamen "Faltrad-Direktor" trägt Beck nicht von ungefähr.
Räder so groß wie eine Aktentasche
Egal, was es über diese binnen weniger Sekunden in ein aktentaschengroßes Paket zu verwandelnden Räder zu sagen gibt: Beck weiß es. Wer bei ihm nach einem Faltrad fragt, der bekommt das Vehikel nicht einfach vor die Füße gestellt. Nein, dem schwärmt Beck von den Mini-Flitzern minutenlang (und länger) vor – so beispielsweise vom "Birdy", an dessen Entwicklung er mitgearbeitet hat.
Er baut die kleinen Falter auch selbst zu den "leichtesten Rädern der Welt" um, wie er sagt. "Im Hirn habe ich ein komplettes Tuning-Programm", meint er und schmunzelt.
Auf dem Conference Bike "open air" konferieren
So ziemlich alles, was zwei Räder hat, lässt sich in den sechs Läden der "Fahrradstation" mieten – einer Berliner Institution, die Stefan Weitzel vor mehr als 15 Jahren ins Leben gerufen hat. Falträder, Stadträder, Mountainbikes, Trekkingräder und Tandems hat Weitzel im Angebot – und ein "Conference Bike".
Sieben Personen sitzen darauf im Kreis und können entweder "face to face" miteinander plaudern oder mit Panoramablick Berlin erkunden. Ähnelt das Gefährt optisch auch eher einem Karussell als einem Fahrrad: Im Kreis fahren muss darauf niemand.
Warum der Siebensitzer einen Führerschein erfordert
Meist interessieren sich Unternehmen für die runde Sache, aber auch Familien fragen nach. Wenn sieben Sitzplätze nicht ausreichen, kooperiert die Fahrradstation mit anderen Verleihern. So hat beispielsweise das Prenzlberger Unternehmen Bike Taxi, das ansonsten eher "Taxis zum Mittreten" oder Rikschas mit und ohne Fahrer vermietet, ebenfalls ein Conference Bike in seinem Fuhrpark.
Der Lenker eines solchen Vielsitzers sollte übrigens möglichst über einen Führerschein verfügen. "Weil er mit dem Rad auf der Fahrbahn am öffentlichen Verkehr teilnimmt", sagt Gaja Heß von der Fahrradstation in der Dorotheenstraße.
Fahrradverleih mit Waschsalon
Mit 350 Mieträdern ist Fat Tire Bike Tours ebenfalls einer der Großen. Am Zoo und am Alexanderplatz sind die Vermieter der dickreifigen Räder vertreten. Besonderheit des Geschäfts am Alex: ein eigener Waschsalon. Wer die Wäsche eine Viertelstunde vor Tourstart abliefert, bekommt sie nach dem Radeln sauber und trocken retour (sechs Euro pro Waschgang). Und wer unterwegs jede Menge Fotos geschossen hat, kann sie sich gleich für fünf Euro auf CD-ROM oder DVD brennen lassen.
Auf dicken Reifen unterwegs ist auch, wer sich eines der rund 25 Mieträder bei Aloha Berlin ausleiht – einer "Station für urbane Bewegung und Entertainment", wie Inhaber Claas Seithe sein Geschäft nennt. Die Räder von "Berlins erstem Beachcruiser-Verleih" zeichnen sich neben Ballonreifen durch einen breiten Lenker und einen breiten Sattel aus.
Für sportlich ambitionierte Fahrer seien seine Räder nichts, gibt Seithe zu. Aber wer gerne gemütlich und aufrecht sitzend die Stadt erkunden wolle, sei genau an der richtigen Adresse. Und bewundernde Blicke dürften den Fahrern ebenfalls gewiss sein.
Kontakt zum
Autor:
Katrin Starke
Lesen Sie auch unsere Beiträge "Sternfahrt auf zwei Rädern" über spannende Radtouren in und um Berlin und "Strampeln mit Coolnessfaktor" über den Trend zum Klapprad.
Zuletzt aktualisiert: 20.04.2010 · Fotos:
Katrin Starke (5)