
Ein gutes Gefühl für das Rad ist Bedingung für Einsteiger.

"Bikepolo ist eine Super-Kombination aus Ballsport und Radfahren", schwärmt Marc.
Treffpunkt Wassertorplatz
Üblicherweise wird auf dem Wassertorplatz mittwochs ab etwa 19.30 Uhr sowie sonntags ab 15 Uhr Bikepolo gespielt. Manche Spieler trifft man aber fast täglich dort an. Wer sicher gehen möchte, erfährt von den nächsten Treffen unter: www.bikepolo-berlin.de.

Beim Training treffen sich Leute aus aller Welt.

Beim Bikepolo wird Radsport zum Teamsport.

Speichenschutz: Aber die Pappe hilft auch, gegnerische Bälle abzuwehren.
New York, London, Berlin auf einen Schlag: Bikepolo erobert die Metropolen. Wo die "Schlägertypen" an der Spree ihr Unwesen treiben, mit rechts steuern und mit links zur Attacke blasen – und warum das "Polo hoch zu Rad" zunehmend beliebt ist.
Die jungen Leute, die sich regelmäßig auf dem Wassertorplatz treffen, sitzen auf einem deutlich kleineren Sattel als ihre "Kollegen" vom richtigen Polo: Statt auf Pferden wird in Kreuzberg auf Fahrrädern gespielt – Bikepolo. Die Truppe hat jede Menge Spaß – und das jetzt schon in der dritten Saison.
Schläger überlebten das erste Spiel nicht
"Wir hatten da einfach Lust drauf, aber keine Schläger", erinnert sich Philipp Raschdorff an die Anfänge des Bikepolo in Berlin. Vier, fünf Leute seien sie seinerzeit gewesen – heute sind es um die 20. "Ein Kumpel hat uns Schläger gebastelt. Aus dünnem Metallrohr. Die haben das erste Spiel nicht überlebt", erinnert sich der 33-jährige IT-Berater lachend.
Kein Wunder, waren die Baumarkt-Stangen doch eher geeignet, Tomatenpflanzen friedlich daran empor ranken zu lassen. Der Kumpel hätte es wissen müssen: Er kam aus New York – neben London eine der Wiegen des Fahrradpolo. Heute sind es zwar immer noch Schläger "Marke Eigenbau", mit denen Philipp und Co. hinter den kleinen Streethockey-Ball dreschen. Aber die halten was aus: Skistöcke sind es zumeist. Oder Stangen aus Bambus mit einem zylinderförmigen Querstück.
In jeder Stadt gelten andere Regeln
Auch die Regeln sind ein Stück weit individuell zusammengezimmert. In jeder Stadt gelten andere. Bei Turnieren müssen sich die Spieler eben einigen, meint Philipp. Das Ziel des Spiels ist hingegen weltweit immer gleich: Zwei Teams zu jeweils drei Spielern versuchen, den Ball ins Tor der gegnerischen Mannschaft zu bringen – wobei das Tor schlicht aus zwei orangefarbenen Hütchen-Zylindern besteht, die im Abstand von anderthalb Metern aufgestellt werden.
Kombination aus Ballsport und Radfahren
Und auch an das Spielfeld stellen die Fahrradpolospieler kaum Ansprüche. Einen flachen Untergrund und möglichst eine Begrenzung sollte es haben, damit der kleine Ball nicht ständig ins Gebüsch kullert. Voraussetzungen, die der Platz am Wassertorplatz mit seiner Einfriedung aus gemauerten Steinen geradezu ideal erfüllt. Außerdem bietet das Mäuerchen reichlich Platz für Zuschauer.
Was den Reiz beim Bikepolo ausmacht? "Das ist eine Super-Kombination aus Ballsport und Radfahren", schwärmt Marc, der bis zu zehn Stunden jede Woche auf dem Wassertorplatz spielt. Früher hat der 38-jährige Fahrradkurier in seiner Freizeit Tischtennis und Handball gespielt. Heute hat er mit dem Fahrradpolo den idealen sportlichen Mix für sich gefunden.
Auf dem Feld treffen sich Leute aus aller Welt
Ebenso wie Philipp: "Auf dem Rad bist du ja üblicherweise alleine unterwegs, hier wird Radsport zum Teamsport". Und das sogar mit internationaler Besetzung: "Hier triffst du Leute aus der ganzen Welt, die du sonst nie kennen lernen würdest", erzählt Miguel Romero, der schon in seiner Heimatstadt Madrid mit Begeisterung Bike-Polo spielte.
Umso glücklicher war der 30-jährige Tontechniker, dass er kurz nach seiner Ankunft in Berlin vor anderthalb Jahren auf dem Wassertorplatz sofort eine neue sportliche Heimat fand. "Der da vorn, der Morgan, der kommt aus den USA", zeigt Miguel auf einen jungen Mann mit Fahrradhelm, der den Ball geschickt mit dem Schläger und dem Vorderreifen seines Rades in Richtung des gegnerischen Tores bugsiert.
Ein Australier rückt an zur Attacke
"Und der ihn gerade attackiert, der Chris, der ist Australier", deutet er auf einen quirligen Spieler, der die Speichen seines Rades mit Pappe verkleidet hat – zum Schutz, aber auch, weil damit ein gegnerischer Ball ganz gut abzuwehren ist.
Bikepolo kann mit jedem beliebigen Fahrrad gespielt werden. "Du musst kein Fixie haben, um bei uns mitzumachen. Wir sind da völlig offen", stellt Philipp klar. Wer mag, kann mit seinem Mountain-Bike oder sogar mit dem Klapprad vorbeikommen. Wichtiger als die Qualität des Drahtesels sei es, sein Rad gut zu kennen, fügt Miguel hinzu. Und zu beherrschen. Einhändig zu fahren, sollte man auf jeden Fall gut drauf haben – mit links. Denn mit der rechten Hand wird der Schläger geführt.
Anfänger finden schnell den Einstieg
"Mit einem guten Gefühl fürs Rad kann man auch als Anfänger bei uns ganz schnell einsteigen", sagt Philipp. Das kann Kristina bestätigen. Die 31-Jährige wollte erst nur ihrem Freund zuschauen. Doch dann packte sie vor einem Jahr selbst der Polo-Bazillus – und sie ist längst nicht die einzige Frau, die auf dem Wassertorplatz Geschick hoch zu Rad beweist.
"Hier lernst du, dein Fahrrad richtig unter Kontrolle zu bringen", sagt sie. "Außerdem trifft du ganz viele nette Menschen." Und das übrigens das ganze Jahr über. Denn wenn Schnee und Eis das Spielen draußen unmöglich machen, verlegen die Sportenthusiasten ihr Spielfeld einfach nach drinnen: ins unterste Stockwerk eines nahe gelegenen Parkhauses.
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Autor:
Katrin Starke
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Zuletzt aktualisiert: 17.07.2009 · Fotos:
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