Kraftvoll: Bossaball vereint Elemente von Volley- und Beach-Volleyball, Turnen, Akrobatik und Gymnastik, von Fußball und dem brasilianischen Kampftanz Capoeira.
Erster Berliner Speedmintonverein „Lucky Smash“ Abteilung Bossaball Bossaball Team Berlin Vorsitzender: Jan May Schwarzwurzelstraße 52 (Falkenberg) Tel. 0172 / 3118247
So mancher Erwachsene schielt neidvoll zum Nachwuchs, der auf Hüpfburgen herumtollt. Doch auch Papi und Mami können meterhohe Sprünge machen – dank der Trendsportart Bossaball. Jan May und Frank Grunzke haben Deutschlands bislang einzige Bossaball-Anlage in Berlin aufgebaut.
Aus dem Stand springt Paul (25) zwei Meter in die Höhe, macht eine schnelle Luftrolle. Dann sieht er den Ball auf sich zukommen, reißt die Arme nach oben und schmettert den Ball ins gegnerische Spielfeld aufs Trampolin. Drei Punkte. Jubel. Was im ersten Moment nach Beachvolleyball mit Luftsprüngen klingt, ist Berlins neue Trendsportart: Bossaball.
Vergnügen auf der Riesenhüpfburg
Das Mannschaftsspiel vereint Elemente von Volley- und Beach-Volleyball, Turnen, Akrobatik und Gymnastik, von Fußball und dem brasilianischen Kampftanz Capoeira – und ist besonders für sommerliche Temperaturen und Frühlingstage bestens zum sportlich-spaßigen Vergnügen geeignet.
„Das ist sauanstrengend“, bringt es Paul auf den Punkt, der den Court gemeinsam mit ein paar Freunden gemietet hat. 36 Euro sind dafür pro Stunde in der Sporthalle an der Wuhle zu berappen. Für zehn Mann. Das ist es Paul wert, „weil dieser Sport einen wirklich fordert.“
Zwei Stunden lang voller Körpereinsatz
Da kann sein Kumpel Marc nur zustimmen, der sich mit seinem durchnässten T-Shirt den Schweiß von der Stirn wischt. Marc spielt Fußball, ist begeisterter Kletterer und versierter Judoka. Muskelkater wird er morgen daher wohl nicht haben – aber durchaus spüren, dass er sich zwei Stunden lang ganz schön bewegt hat.
Gespielt wird Bossaball auf einem knapp 18 Meter langen und 13,45 Meter breiten aufblasbaren Spielfeld, das durch ein höhenverstellbares Netz geteilt ist. Für Bewegung und reichlich Spaß sorgen die zentral auf beiden Seiten des Spielfeldes direkt vor dem Netz aufgestellten Trampoline. Durchmesser: 3,45 Meter. Der Rest ähnelt einer überdimensionalen Hüpfburg – „und es macht mindestens genauso viel Spaß“, versichert Frank Grunzke. Er muss es wissen, denn der Sportvermarkter und Chef der „Sportsfreund Turn- und Sportgeräte Versand und Service GmbH“ ließ sich schnell anstecken, als der Funsport-Experte Jan May ihm von der Idee erzählte, Deutschlands bislang einzigen Bossaball-Court in Berlin zu installieren.
Verdiente Ruhepause: "Das ist sauanstrengend", sagt Paul.
Ein Leben für den Sport
Jan May verkörpert genau das, was man einen durchtrainierten Athleten nennt. Groß gewachsen, breite Schultern, Muskelpakete an Oberschenkeln und Armen. Ein Leben ohne Sport? Für den 45-jährigen Marzahner mit dem raspelkurzen Haar und dem Walrossbart unvorstellbar. Als Junge wollte er Kunstspringer werden. Doch bald war klar, dass er zu groß werden würde, um es in dieser Sportart zu etwas zu bringen.
Er wechselte zum Schwimmen, absolvierte Zehnkämpfe, stellt heute Kraft und Geschick beim Bogenschießen ebenso unter Beweis wie beim schottischen Highlandsport mit Baumstammheben und Steinweitwurf. Letztendlich sei es egal, welchen Sport man treibe, sagt May: „Wichtig ist, sich zu bewegen.“
Fünfstellige Summe für die Sportanlage
Menschen wieder „in Bewegung zu bringen“, ist für May – der als Sporttrainer sein Hobby zum Beruf gemacht hat – eine Lebensaufgabe geworden. So wundert es nicht, dass er sofort Feuer und Flamme war, als er von der neuen Sportart Bossaball hörte. Fünfstellig sei die zu investierende Summe gewesen, verrät Jan May. Doch er hat es geschafft: Seit Oktober 2008 steht einer von weltweit 24 Bossaball-Courts in Berlin.
Bossaball in 30 Sekunden
Worum es bei Bossaball geht, wie es gespielt wird, wer punktet – in Kürze
die wichtigsten Regeln:
• Wie beim Volleyball versucht jede der beiden Mannschaften, den Ball übers Netz ins gegnerische Feld zu bugsieren. • Landet der Ball auf der Luftmatte, gibt’s einen Punkt. Ein Treffer des gegnerischen Trampolins wird mit drei Punkten honoriert. • Den Satz gewonnen hat die Mannschaft, die zuerst 25 Punkte auf ihrem Konto verbucht. • Pro Mannschaft sind bis zu acht Ballkontakte erlaubt. Heißt: Jede Mannschaft versucht, den Ball so geschickt wie möglich im eigenen Feld zu spielen, während ihr Trampolin-Springer unterdessen an Höhe gewinnen und sich in Position springen kann. • Anders als bei Volleyball oder Fußball dürfen die Spieler den Ball mit jedem Körperteil berühren. • Ganz ohne Regeln kommt allerdings auch Bossaball nicht aus, darf doch der Ball mit den Händen nur einmal, mit den Füßen oder dem Kopf zweimal hintereinander berührt werden. • Und während insgesamt vier bis fünf Spieler pro Mannschaft mit von der Partie sein können, darf auch nur jeweils einer auf dem Trampolin hüpfen. Das wäre sonst zu gefährlich.
In der kalten Jahreszeit in der Sporthalle an der Wuhle in Marzahn aufgeblasen, kommt der Court in den Sommermonaten als Outdoor-Attraktion für Großveranstaltungen zum Einsatz. Im Herbst wollen May und Grunzke mit ihrem außergewöhnlichen Sportgerät dann durch Berliner Schulen touren. Derzeit sind sie noch auf der Suche nach einem Sponsor. „Das Praktische ist, dass du Bossaball quasi überall spielen kannst“, schwärmt Grunzke. Nur einigermaßen ebenerdig sollte die Fläche sein, wobei Höhenunterschiede von bis zu 20 Zentimetern locker ausgeglichen werden können.
Ballgefühl und Balance sind gefragt
Besondere Voraussetzungen müssen Spieler nicht mitbringen. „Ein Kind auf der Hüpfburg hat ja auch keine – und kann’s trotzdem“, sagt Jan May. Wohl einer der Gründe dafür, dass Bossaball in Holland oder Spanien längst mehr als ein Geheimtipp ist – und bei Hüpfern von Sieben bis Siebzig gleichermaßen beliebt ist.
Leben für den Sport: Jan May holte Bossaball nach Berlin.
Was für Zuschauer so leicht aussieht, erfordert aber schon eine gewisse Körperbeherrschung. Schließlich muss man das Gleichgewicht halten, während das ganze Spielfeld unter einem hin und her wabert. „Das macht ja gerade den Reiz von Bossaball aus“, meint May. „Du bist gezwungen mitzumachen, auch wenn noch gar kein Ball im Spiel ist, sonst liegst du auf der Nase.“ Mitmachen, das bedeutet, die eigene Körpermitte auszubalancieren, und dazu braucht es so manchen Muskel, der sonst nur selten gefordert ist.
Idee kommt aus Belgien und Brasilien
Erfunden hat die neue Trendsportart übrigens ein Belgier: Filip Eyckmanns. Die Idee kam dem begeisterten Fußballfan an den Stränden Brasiliens, wo Strandfußballer häufig von Trampolinanlagen umgeben sind. „Bossaball, das ist die Verbindung von südamerikanischer Lebensfreude und sportlicher Betätigung“, sagt Jan May.
Nicht umsonst hat der brasilianische Tanz Bossa Nova bei der Namensfindung für den neuen Sport Pate gestanden. „Bossa heißt Welle und Wabern“, weiß May heute; anders, als er in seinem ersten Fernsehinterview behauptete. Seinerzeit hatte er noch keine Ahnung, woher der Begriff kam. „Da habe ich einfach gesagt, der Gewinner ist immer der Boss – deswegen heißt das Bossaball“, erzählt er lachend.