Fachfrau fürs Erotische: Silke Maschinger.
Foto: Menarc
Der Erotische Salon
Mit einer Filmreihe startet der Erotische Salon in den Frühling. Die regelmäßigen "Life-Talkshows" zu Themen rund um Lust und Liebe sollen im November wieder aufgenommen werden, und zwar im Grünen Salon in der Volksbühne. Zuvor zeigt das Kino Moviemento, Kottbusser Damm 22 (Kreuzberg)...
...erotische Filme
Geschichte der O, Donnerstag, 21. Mai 2009, 20 Uhr (FSK 18, deutsche Fassung): Das wohl berühmteste Buch der sadomasochistischen Literatur in der hochkarätig besetzten Verfilmung aus dem Jahr 1975. Geschildert wird die Geschichte der O, die sich aus Liebe ihrem Geliebten René unterwirft und sich auf dem Schloss Roissy zu seiner "Sklavin" ausbilden lässt.
Der letzte Tango in Paris, Donnerstag, 18. Juni 2009, 20 Uhr (FSK 18, Original mit Untertiteln): Bertoluccis Filmklassiker von 1972 erzählt die Geschichte von Paul (Marlon Brando) und der 25 Jahre jüngeren Jeanne (Maria Schrader), die sich in einer verlassenen Wohnung in Paris begegnen. Zwischen den beiden entwickelt sich eine zerstörerische Liaison.
Ablauf des Abends: Vor jedem Film geben die Salonveranstalter eine Einführung in die Hintergründe und Bedeutung des Films. Nach der Aufführung können die Gäste im Wintergarten des Kinos Moviemento in gewohnter Salonmanier miteinander ins Gespräch kommen. www.moviemento.de

2,25 Mal haben die Deutsche pro Woche Lust auf Lust.
Erotisches Coaching
Silke Maschinger
Coaching für mehr Lust im Leben
www.mehr-lust-im-leben.de
Tel: 420 811 71
Erlebnisse, Gedanken und Fundstücke rund um die Themen Erotik und Sexualität - hierüber bloggt Silke Maschinger auch auf kleinessexblog.blogspot.com.
Zum Thema Spielarten der Lust: Die vielfältige Welt der Sexualität hat sie 2008 überdies ein Buch geschrieben, erschienen im Suedwest-Verlag, 12,95 Euro.

Doch jeder Zweite findet sein Sexualleben unbefriedigend.
Was tun, wenn die Frühlingsgefühle in der Beziehung ausbleiben? Silke Maschinger weiß, wie Paare und Singles wieder guten Sex haben. Sie ist Erotik-Coach – ein Beruf, der viel Lust bereitet. Doch sie will das Thema auch aus der Schmuddelecke holen und ins deutsche Wohnzimmer befördern. Denn da fange guter Sex an, sagt die Erotik-Fachfrau.
"Der beste Sex Ihres Lebens!", titelt die Frauenzeitschrift im Supermarkt und verspricht in der Unterzeile: "Und wie Sie ihn noch heute Abend bekommen können." Bei solch reißerischen Schlagzeilen vergeht Silke Maschinger (38) die Lust. "Man müsste Zeitschriften verbieten, solche Themen auf den Titel zu nehmen", sagt sie.
Dessous und Spielzeug – keine dauerhafte Lösung
Die vielen Sextipps in den Medien hätten das Bild einer erfüllten Sexualität völlig verzerrt. "Härter, wilder, extatischer" – das sei mitnichten der Schlüssel zu gutem Sex. "Das suggeriert den Leuten nur: Mein Leben ist nicht gut genug", sagt Maschinger. Doch was ist es dann, das im Schlafzimmer mehr Erfüllung und Zufriedenheit beschert?
Schnell in den nächsten Sexshop, Dessous und Spielzeug gekauft – ganz so einfach geht es nicht, sagt die Expertin. Klar könne das für viele Paare eine Möglichkeit sein, mehr Pep ins Bett zu bekommen. Eine Lösung auf Dauer sei es indes nicht. Seit vier Jahren berät die Diplom-Sozialwissenschaftlerin in Sachen Lust und Liebe, moderiert den regelmäßig stattfindenden "Erotischen Salon" und bloggt im Internet.
Heraus aus der Schmuddelecke
Als Personaltrainerin fing sie 1993 an, interessierte sich schnell für mehr als nur für Konfliktmanagement. Über eine Weiterbildung fand die gebürtige Kasselerin dann zu ihrem "Coaching für mehr Lust im Leben". Wer eine Frau in sündigem Rot und verruchtem Lederrock vermutet, irrt. Maschinger zeigt sich zum Termin mit Pulli, Weste und ungeschminkt, gibt sich ganz natürlich.
Das Thema aus der Schmuddel-Ecke zu holen und ins deutsche Wohnzimmer zu befördern – das ist ihr Ziel. Denn da fange guter Sex an. Sich mit dem Partner einfach mal aufs heimische Sofa setzen, die eigenen Wünsche aussprechen und gleichzeitig offen für die Bedürfnisse des anderen bleiben, ist der erste Schritt. "Guter Sex ist im Grunde Verhandlungssache. Denn letztlich geht es nur gemeinsam, einen Weg zu finden."
Die Lust muss nicht verrauchen
Vergessen sollten Paare dabei die Weisheiten von Sexualwissenschaftlern, die herausgefunden haben wollen, dass die Lust in Beziehungen nach spätestens drei Jahren verraucht ist. "Das wäre doch frustrierend", entgegnet Maschinger. Wenn dem wirklich so sei, dürfte kein älteres Paar mehr ein erfülltes Sexleben haben.
Als zweiten Schritt sollten sich Singles und Paare nicht von Statistiken und Durchschnittswerten unter Druck setzen lassen. "Sex ist etwas sehr Individuelles und Persönliches. ‚Was ist normal?’ ist daher die falsche Frage."
Das Sexualleben der Deutschen
Normal ist, dass es die Deutschen durchschnittlich 2,25 Mal in der Woche tun. Dass es 17,4 Minuten dauert und vier von fünf Männern fast immer zum Orgasmus kommen. Dies geht aus einer Studie eines großen Kondomherstellers hervor. Im Internet beteiligten sich weltweit mehr als 26.000 Menschen, womit die Studie eine hohe Aussagekraft über den Sex von Herrn und Frau Normalverbraucher hat.
Doch das Resultat solcher Statistiken sieht Maschinger in ihrer Praxis in Friedrichshain: "Die Leute kommen teilweise zu mir, weil sie denken, dass sie mehr Sex haben müssten, und nicht, weil sie es wollen." Normal ist auch die andere Seite der hochtrabenden Zahlenspiele: zum Beispiel dass jeder zweite Deutsche sein Sexleben als unbefriedigend empfindet und sich mehr Abwechslung wünscht, nur jede dritte Frau beim Geschlechtsverkehr regelmäßig einen Orgasmus hat und, dass bei fast jedem vierten Mann Erektionsprobleme eine Rolle spielen.
Für Sex-Gespräche fehlen die Worte
Darüber sprechen allerdings scheinbar die wenigsten. Obwohl das Internet reichlich Informationen und Kontaktmöglichkeiten bietet und in den vergangenen Jahren zuhauf Erotik-Shops Frauen als Zielgruppe entdecken, sitzen bei Silke Maschinger noch viel zu häufig Frauen, die über Sex sprechen wollen, aber noch nicht einmal Wörter für die entsprechenden Körperteile finden. Oder Männer, die ein Erotik-Coaching als letzten Ausweg sehen, weil sie es niemals wagen würden, das Thema mit einem guten Freund zu besprechen.
Doch ihre Klientel darauf zu reduzieren, wäre zu einfach. Diese präsentiert sich bunt gemischt: von Jung bis Alt, interessanterweise mehr Männer als Frauen ("Das liegt wohl an meiner offenen und direkten Art"). Darunter sind Paare, die alle zwei Monate vorbeischauen, und Singles, die sich einmal die Woche beraten lassen. "Meistens genügen fünf bis zehn Sitzungen", sagt Maschinger.
Die drei größten Lustkiller
Bei Paaren achtet sie vor allem auf die Kommunikation untereinander. Bei Singles sondiert sie, welche Ängste und Gefühle vorherrschen, zum Beispiel wie weit der Mut geht, Neues auszuprobieren. Entspanntheit ins Thema bringen, Respekt zeigen und Humor beweisen – das sind die drei wichtigsten Werkzeuge, mit denen sie arbeitet.
Doch manchmal liegt schlechter oder schlicht mangelnder Sex nicht an der Kommunikation, sondern an externen Gründen. Die drei größten Lustkiller sind Kinder, Haushalt und Beruf. "Dann muss man sich für den Sex verabreden", sagt Maschinger. "Andere Paare gehen am Samstag schick Essen, ich habe dann halt Sex." Solche Treffen geben der Zweisamkeit den nötigen Raum, der sonst im Wochenablauf fehlt.
Nicht die Zahl der Stellungen zählt
Dem Credo der Frauenzeitschriften "härter, wilder, extatischer" setzt sie zusammengefasst daher die Devise "ruhiger, entspannter und individueller" entgegen. Es komme nicht auf die Zahl der Stellungen, die außergewöhnlichsten Techniken und die Dauer an. Entscheidend sei der entspannte Genuss, und der könne mal zärtlich und mal ungestümer sein. "Letztendlich ist guter Sex nicht die Form, sondern das Gefühl, das man hinterher hat."
Auch die Studie des Kondomherstellers kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. So beantworteten 18.000 Befragte die Frage, wodurch Sex schöner wird, vor allem mit mehr Romantik, weniger Stress, mehr ungestörte Zweisamkeit und mehr Kommunikation. Wer hätte das gedacht? Mehr über Sex reden – so ‚unsexy’ können Sextipps sein.
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Autor:
Jörg Oberwittler
(Website)
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