
Weiß immer "Rad": Berlins langjähriger Fahrradbeauftragter Benno Koch.

Radeln bis nach Kopenhagen: Die zwölf Fernwege von Berlin aus sind gut ausgebaut.
Tipps vom Profi
Tipps von Benno Koch für Radfans und solche, die es werden wollen:
• Unbedingt Reifendruck überprüfen. Mit einem Druck von 6 Bar in den Schläuchen rollt es sich wesentlich leichter.
• Ölen Sie Ihre Kette regelmäßig, am besten mit Silikonspray.
• Investieren Sie in gute Hydraulik- oder Scheibenbremsen.
• Putzen Sie Ihr Rad nicht – das hält Diebe fern. Understatement ist der sicherste Schutz!
Alle Wege führen nach Berlin. Alle Radwege dagegen vom Schlossplatz weg. Zwölf Routen verlaufen sternförmig von der City Berlins in alle Himmelsrichtungen – zum Beispiel bis nach Kopenhagen.
Im Schatten des Berliner Doms geht es los in Richtung Brandenburger Tor. Natürlich selbstbewusst auf dem breitesten Streifen der Straße: „Busspuren sind die sichersten Wege für Radfahrer und alle für sie freigegeben“, sagt Benno Koch, der lange Berlins Fahrradbeauftragter beim Senat war.
Wo geht's nach Kopenhagen?
Am Brandenburger Tor geht es rechts ab, vorbei an Kanzleramt und Hauptbahnhof in Richtung Humboldthafen. Autogehupe, rote Ampeln, eine Gruppe gestresster Anzugleute hetzt über die Straße. Ein verzweifelter Blick auf die Karte: Wo geht’s denn bitte nach Kopenhagen?
Egal, der Weg ist das Ziel. Mit Schwung fahren die Radler einen Sandweg beim Hamburger Bahnhof hinab. Plötzlich wird es ruhiger, Vogelgezwitscher erklingt. Sattgrüne Sträucher und das ruhige, blaue Wasser des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals. „Eine abwechslungsreiche Strecke“, findet Benno Koch, der den Großteil aller Berliner Radrouten selbst abgefahren ist.
Asphalt spart Energie
2001 wurde der Radfernweg Berlin–Kopenhagen eingeweiht. Ein Großteil der Strecke ist mittlerweile ausgebaut. Wie viele Berliner Radwege ist auch er zwischen 1,60 und 2,45 Meter breit und meistens asphaltiert. „Auch Radfahrer wollen gut vorankommen und nicht ständig über Kopfsteinpflaster oder Kieswege fahren und dabei die doppelte Menge an Energie verbrauchen“, sagt Koch.
Der Kopf ist frei
Am Plötzensee kurz die Füße und Arme ins Wasser getaucht und schon tritt der Radfahrer wieder kraftvoll in die Pedale. Eine Schrebergartenlandschaft und der Volkspark Jungfernheide ziehen vorbei, kurz dahinter liegt der Hohenzollernkanal. Nach zwölf Kilometern breitet sich eine wohlige Wärme im Körper aus. Die Stadt liegt nun weit zurück. In Tegel steigen Flugzeuge in den Himmel. Durch den Kopf rauschen einzelne Liedzeilen: „Thomas D. ist auf der Reise und hat Rückenwind“, unterbrochen vom Queen-Refrain „I want to ride my bicycle“. Der Kopf ist frei. Es geht weiter, immer weiter...
Selbst eingefleischte Autofans wie Adam Opel müssen neidlos bekennen: „Bei keiner anderen Erfindung ist das Nützliche mit dem Angenehmen so innig verbunden wie beim Fahrrad.“ Doch im Gegensatz zur dominanten Autofahrerfraktion wurden Radfahrer lange Zeit belächelt.
700 Kilometer Radweg in der Stadt
Aber es tut sich was im Land Berlin: Seit ein paar Jahren werden immer mehr Fahrradwege gebaut, fast 700 Kilometer quer durch die Stadt sind es mittlerweile. Das Netz wird immer engmaschiger: Zwei Tangentenringe verbinden die zwölf großen Routen miteinander – was auch Berufstätige schätzen. „Die Wege sind gut ausgebaut und führen oft durch grüne Gegenden. Da machen viele morgens und abends gern einen Umweg, um in Ruhe die frische Luft zu genießen“, sagt Koch. Und nebenbei baut der Körper Stress ab.
Seit Anfang der neunziger Jahre hat sich die Zahl der Radfahrer verdoppelt: Fast zwölf Prozent der Berliner sind Tag für Tag mit dem Rad unterwegs. Noch allerdings gleicht manche Radstrecke einer Schnitzeljagd: Die Wege sind zwar gekennzeichnet, aber es fehlen Schilder. Geduld, Geduld, fordert Koch: „Pro Jahr werden zehn Kilometer neue Radwege markiert.“
Und zurück mit der Bahn
Das ist auch gut so, denn die offizielle Berlin-Fahrradkarte des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) liest sich äußerst mühsam. Allerdings zeigt sie die öffentlichen Verkehrsmittel an. Ein guter Notanker – denn wer irgendwann müde ist und ungern den gleichen Weg zurückradelt, kauft sich und seinem Rad ein Ticket und fährt gemütlich nach Hause.
Übrigens ist auch das eine Errungenschaft des ehemaligen Fahrradbeauftragten Benno Koch: Räder dürfen mit in die Bahn genommen werden – für Schüler und Studenten ist dies sogar gratis. Tivoli und die kleine Meerjungfrau müssen vorerst warten. Beim nächsten Sonnenschein geht’s weiter ab Spandau.
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Autor:
Wiebke Nieland
Zuletzt aktualisiert: 15.04.2011