Stadt & Szene

Wasser, nichts als Wasser

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Im Liquidrom in Kreuzberg finden auch Unterwasser-Konzerte statt.
Fotos (2): Liquidrom

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Berliner Aussicht aufs Meer im AquaDom.

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Bei der Fotosession unter Wasser entstehen surreale Nixenfantasien.
Foto und Hauptoptik Homepage: Rainer Raschewski

Bild vergrößernHochzeit im AquaDom

Fische sind Trauzeugen beim Ja-Wort "unter Wasser".
Foto: Regina Sablotny

Unter-Wasser-Adressen

Hier können Sie abtauchen


AquaDom & SEA LIFE Berlin, Spandauer Straße 3 (Mitte), www.sealifeeurope.com, Tel. 01805/66 69 01 01

Unterwasserhochzeiten, Ansprechpartnerin: Frau Kühn, SEA LIFE 030/ 99 28 01-0

Tauchen in Berlin: City-Diver, Windscheidstraße 1 (Charlottenburg), www.city-diver.de, Tel. 323 83 43

Unterwasserfotografie, Rainer Raschewski, www.rainer-raschewski.de, Tel. 0172/311 93 62

Liquidrom, Möckernstraße 10 (Kreuzberg), www.liquidrom-berlin.de, Tel. 258 007 820

Nemo Tauchtouristik, Karl-Liebknecht-Straße 63a, 15230 Frankfurt (Oder), www.nemo-100.de, Tel. 0335/610 19 63

Bild vergrößernHecht

Perspektivwechsel: Einmal ein toller Hecht sein.

"Berlin, Berlin am Meer – schön, wenn das so wär’" ... träumte einst die Band „Jeans Team“ von einem großstädtischen Küstenstadtidyll: Tatsächlich können wir uns in Berlin und Brandenburg aber ganz gut unter Wasser bewegen – zwischen tropischen Riffen und heimischen Fischbrutplätzen, zum Heiraten, zu Unterwasser-Fotoshootings in Abendkleidern, zu Unterwasserkonzerten oder sogar in einem U-Boot.

Lautlos gleitet Sven, der Taucher, durchs Wasser, am Riff entlang, inmitten tropischer Fische, umkreist von einem Blaupunktrochen und Kugelfischen, argwöhnisch beäugt von einer Netzmuräne. Plötzlich taucht ein dunkler Schatten über ihm auf. Der Taucher umklammert den weißen Schwamm fester. „Dicker“ wird der Napoleon-Lippfisch wegen seiner imposanten Größe auch genannt. Er liebt es, sich den Polierschwamm von Sven zu schnappen und ihn dann irgendwo fallen zu lassen.

Sven ist Putztaucher im AquaDom am Alexanderplatz. Dort schrubbt er jeden Morgen zwei Stunden lang die Acrylglasscheiben des größten zylindrischen Salzwasseraquariums der Welt mit einer Million Liter Wasser und 1.500 tropischen Fischen. Das Besondere: Das röhrenförmige Aquarium kann durch den integrierten Fahrstuhl von innen besichtigt werden. Ohne die akribische Polierarbeit wäre die schöne bunte Unterwasserwelt innerhalb von Tagen hinter einer grünen Algenschicht verschwunden.

Highlight für hartgesottene Taucher

Wenn er nicht im AquaDom taucht, bewegt sich Sven in bis zu hundert Metern Tiefe in Schiffswracks: „Am liebsten würde ich jeden Tag ins Wasser gehen. Ich war früher mal als Taucher für die Feuerwehr tätig und habe manchmal Sachen gefunden, über die ich nicht reden möchte.“ Was ihm da so unter Wasser alles begegnet ist, bleibt sein Geheimnis.

Ein Highlight für wirklich hartgesottene Taucher ist der an vielen Stellen sehr klare Groß Glienicker See in Kladow. Das zwei Kilometer lange Gewässer hat nicht nur eine Sichttiefe von fast vier Metern, seine Krautbänke beherbergen auch Brutfische ohne Ende: Barsche, Zander und Hechte. Und der See hat einen weiteren Vorteil, wie Jörg-Olrik Graul, Inhaber des Tauchladens „City-Diver“, weiß: „Der See ist bei Tauchern auch so beliebt, weil es, anders als beim stark belasteten Flughafensee, am Ufer einen Toilettenwagen gibt.“

Trauung im Fahrstuhl

Während Tauchlehrer Sven morgens um 8 Uhr im AquaDom die Paletten-Doktorfische im 26 Grad warmen Wasser um die Nase schwimmen, schälen sich vis-à-vis die Gäste des Radisson-Hotels aus ihren Betten, betreten die ersten Büroangestellten ihre Arbeitszimmer – mit Blick auf die Unterwasserwelt des Indopazifiks. Doch diese absurde Überschneidung von Metropolenroutine eines tristen Büroalltags und Riff-Idylle, gekrönt von exotischer Artenvielfalt, veranlasst Sven nicht zu philosophischen Exkursen: „An was ich denke? Nichts. Ich genieße es, einfach mal meine Ruhe zu haben. Darum liebe ich das Tauchen – es ist völlig still.“

Das ist den Bewohnern des AquaDoms an diesem Morgen jedoch nicht vergönnt – eine Trauung im Fahrstuhl steht an. Das Brautpaar kennt sich aus dem Sonnenstudio. Die beiden haben weder mit Aquaristik noch mit Aquanautic etwas zu tun: Olaf ist Angestellter im Amtsgericht, Kathrin ist Zahnarzthelferin: „Doch vor zwei Wochen waren wir mal in einem Erlebnisbad zum Schwimmen.“ Eine ungewöhnliche Hochzeit. Handelt es sich sonst doch eher um wasseraffine Heiratswillige oder zumindest Paare, die ihre Flitterwochen auf den Malediven verbringen. Musikalisch gab es im Trauungsfahrstuhl schon alles: Böhse Onkelz, Die Ärzte und DJ Ötzi. Einmal sprang ein Besucher beherzt ins Aquarium mit einem Schild in der Hand: „Willst du mich heiraten?“ Das ist jedoch nicht mehr erlaubt.

Fische als Trauzeugen

Diese Trauungs-Location „unter Wasser“ ist aber eine kleine Mogelpackung – „zwischen Wasser“ wäre wohl genauer, bekennen sich die Paare doch trockenen Fußes in einem Fahrstuhl zur Ehe. Sie stehen dabei ständig unter Beobachtung der im Kreis rotierenden Fischschwärme und des „Dicken“. Der lässt sich auch nicht beirren, als nach der Zeremonie der Fahrstuhl gen Himmel schwebt – begleitet von Klängen, die sich nicht treffender beschreiben lassen als mit dem Prädikat „Fahrstuhlmusik“.

Der „Dicke“ folgt langsam und scheinbar völlig desinteressiert. Zum Abschluss sagt der sichtlich erleichterte frisch Vermählte strahlend: „Die Fische? Hab' ich gar nicht wahrgenommen. Ach doch, den Napoleonfisch hab' ich mal bemerkt.“ Der „Dicke“ ist seiner Aufgabe mit lässiger Pose und doch beharrlicher Präsenz mal wieder gerecht geworden – Unterwasserfeeling inklusive.

Wassernixen bei der Unterwasser-Session

Tatsächlich nass werden die Beteiligten dann aber doch bei der Unterwasserfotosession des Fotografen Rainer Raschewski in Abendgarderobe und Highheels. Die eigentliche Kunst besteht darin, trotz angehaltenen Atems einen verkrampften Gesichtsausdruck oder gar aufgeblähte Backen samt aufgerissenen Augen zu vermeiden und trotz Schwerelosigkeit die Position zu halten. Das Geheimnis: ein Bleigürtel, der nachher wegretuschiert wird. Das Ergebnis sind surreale Nixenfantasien.

Entspannte Schwerelosigkeit hingegen versprechen die Live-Konzerte, denen Wasserfreunde auf der Wasseroberfläche treibend im Solebecken der Liquidrom-Therme lauschen können, während sich die James-Bond-Fraktion im Nemo-U-Boot austobt und die geheimnisvollen Sphären der Unterwasserwälder der Brandenburger Seen erkunden kann – selbst am Steuer stehend.

Kontakt zum Autor: Pamo Roth


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Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010